Das Repertoire dieser Karriere ist singulär. Wer will Van Morrisons Alben seit seinem brillanten Debüt „Astral Weeks“ im Jahr 1968 überhaupt noch zählen? Selbst die Anzahl tadelloser Meisterwerke übersteigt die 20. In den vergangenen drei Jahrzehnten waren diese freilich dünner gesät.
Auch die letzten beiden Coveralben „Moving On Skiffle“ und „Accentuate The Positive“ des nordirischen Sängers waren durchaus erquickend anzuhören. Gleichwohl wünschte man sich beim Erlauschen wie so oft die außerweltlichen, aus Soul, Jazz, Folk, Country und Pop so wundersam beseelt gewirkten Rhapsodien von Alben wie „Veedon Fleece“, „Beautiful Vision“ oder „Poetic Champions Compose“ zurück. Nun ist es so weit!
Der zweifache Grammy-Gewinner zaubert wieder wie zu seinen Glanzzeiten. Fans werden vermutlich darüber streiten, ob „Rembering Now“ die beste Van Morrison-Scheibe ist seit „Days Like This“ (1995), seit „Hymne To The Silence (1991) oder seit „Avalon Sunset“ (1989). Geschenkt. Gleichgültigkeit bezüglich dieser Frage zeugt jedenfalls nicht von Ignoranz, vielmehr von Genussfähigkeit im Hier und Jetzt.
Schon die Eröffnung „Down To Joy“ setzt sowohl das textliche als auch musikalische Motto. Bläsersätze jubilieren und die Orgel rollt den Teppich aus – was für ein Einstieg! Und Van The Man – wie der Barde liebevoll genannt wird – ist mit seinen fast 80 Jahren fantastisch bei Stimme. Dieses Lied hatte ja Kenneth Branaghs Film „Belfast“ veredelt. „Haven’t Lost My Sense Of Wonder“ tut Wahrheit kund, denn es ist in der Tat das Staunen über die kleinen und großen Wunder des Alltags und der Liebe, denen Morrison huldigt. Richard Dunns Hammondorgel und Stuart McIlroys Klavier setzen hier die besonderen Akzente.
Und Van Morrison ist „Back To Writing Love Songs“ – und zwar seine eigenen …
Wie willkommen das ist! Lebensfrohe Beschwingtheit und feierliche Andächtigkeit (die Streicher!) durchziehen den famosen Reigen. Das (neben CD und Kassette servierte) Doppelvinyl gibt es in schwarz und orange. Orange passt deutlich besser.