Mit einem radikalen Umbruch will der 1. FC Saarbrücken neue Wege gehen. Der Kader wurde auf allen Positionen stark verändert. Das Team erhält ein komplett neues Gesicht.
Ausgangslage: Lediglich zwölf Spieler aus der absolut enttäuschend verlaufenen Vorsaison sind geblieben und von denen sollen Dominic Baumann, Adoulaye Kamara und Patrick Schmidt nach Möglichkeit noch abgegeben werden. „Die Spieler kennen ihre Situation und wissen, dass es schwer wird, Einsatzzeiten zu bekommen“, sagt Trainer Argirios Giannikis. Auf ihn kommt die heikle Aufgabe zu, ein Team, dem es an Hierarchie, Führung und Disziplin fehlte, komplett umzubauen.
Tor: Auch wenn Giannikis ein kleines Fragezeichen hinterließ, dürfte Matteo Bignetti die neue Nummer eins werden. Der junge Österreicher spielte eine unaufgeregte Vorbereitung und überzeugte durch fußballerische Akzente. Mit Kevin Broll und Benjamin Lade stehen ein erfahrener und ein sehr talentierter Torwart in der zweiten Reihe, die den Konkurrenzkampf deutlich erhöhen.
Abwehr: Mit Siemen Voet und Mladen Cvjetinovic wurden zwei Abwehrspieler verpflichtet, die die schmerzhaften Abgänge von Joel Bichsel und Lasse Wilhelm kompensieren sollen. Giannikis hat kaum einen Zweifel daran gelassen, dass das Duo seine bevorzugte Stammverteidigung sein wird. Nikola Aracic überzeugte durch seine enorme Kopfballstärke und wird sicherlich Einsatzzeiten bekommen. Ein vierter Innenverteidiger wird zudem noch gesucht. Auf den beiden Außenbahnen deuten sich heiße Duelle an. Anton Bäuerle könnte links die Nase vorn haben, weil Niko Bretschneider weite Teile des Trainingslagers verpasste. Rechts duellieren sich Calogero Rizzuto und Philip Fahrner auf hohem Niveau.
Mittelfeld: Während der Vorbereitung zeichnete sich ab, dass Giannikis in seinem präferierten System mit drei zentralen Mittelfeldspielern bleiben wird. Dass Interimskapitän Patrick Sontheimer seinen Stammplatz behält, ist dabei keineswegs ausgemacht. Viel spricht dafür, dass der junge Daniel Gleiber den Vorzug erhält. Dem aus Mainz ausgeliehenen zentralen Mittelfeldspieler bescheinigen Experten, das Zeug zum Königstransfer zu haben. Auf der vorgezogenen Position führt im Normalfall kein Weg an Sebastian Vasiliadis vorbei. Die Vorbereitung absolvierte er ohne körperliche Rückschläge. Spannend wird das Rennen um die Zehner-Position, wo der Abgang von Tim Civeja schmerzt. Im Normalfall sollte Routinier Christian Kühlwetter dort gesetzt sein, er könnte aber auch auf den Außenpositionen zum Einsatz kommen. Kaan Caliskaner steht beim Trainer hoch im Kurs, auch er sollte Ansprüche anmelden. Mit Zac Shuaib und Seung-Jong Lee stehen zwei internationale Talente in den Startlöchern, von denen man aber zu Beginn nicht zu viel erwarten sollte.
Angriff: Während der Vorbereitung kristallisierte sich heraus, dass Kai Brünker die Rolle des Platzhirsches einnehmen wird. Da der „Panzer“ nicht immer über 90 Minuten durchhält, ist absehbar, dass Alexander Staff sehr früh ausreichende Einsatzzeiten bekommen wird. Mit Schmidt und Baumann stehen noch zwei weitere Akteure im Kader, die allerdings keine wirkliche Rolle mehr spielen. Sollten sich noch Abnehmer finden, ist die Verpflichtung eines weiteren Angreifers nicht ausgeschlossen. Auf den offensiven Außenpositionen sind Florian Pick und Maurice Multhaup im Normalfall gesetzt. Da Multhaup nach seiner Schulterverletzung noch nicht direkt zur Verfügung steht, kämpfen Abdenego Nankishi und Kelsey Owusu um den freien Platz, wobei Nankishi in der Vorbereitung den besseren Eindruck hinterließ.
Der Trainer: Argirios Giannikis hat mit einer ruhigen, verbindlichen Art den Super-GAU vermeiden können. Den Kader konnte er nach seinen Wünschen zusammenstellen. Nun liegt es an ihm, schnellstmöglich eine schlagkräftige Truppe auf den Platz zu bekommen. Im Umfeld kommt der joviale Deutsch-Grieche gut an. Er akzeptiert die Gegebenheiten und stellt sich in den Dienst der Sache. Auch wenn er intern durchaus anmerken ließ, dass ihm viele Dinge zu unprofessionell sind.
Stärken und Schwächen: Der Konkurrenzkampf mit einigen etablierten Haudegen und vielen jungen Wilden dürfte deutlich größer sein. Zudem hat das Team deutlich an Tempo zugelegt. Teilnahmslose Auftritte, die sich wie ein roter Faden durch die vergangene Saison zogen, sollten der Vergangenheit angehören. Auf der anderen Seite kann der FCS auf personelle Ausfälle nicht mehr so prominent reagieren wie in den vergangenen Jahren. Es kann sein, dass einige junge Spieler direkt funktionieren müssen. Das Startprogramm hat es in sich. Primär wird es darum gehen, bis zur großen Länderspielpause im September ausreichend Punkte zu sammeln.
Das Umfeld: Nach einem turbulenten Jahr voller Umstrukturierungen ist fürs Erste Ruhe eingekehrt. Die finanzielle Ausstattung des Vereins bleibt alleine durch die Vertragsverlängerung mit dem Hauptsponsor für Drittliga-Verhältnisse überdurchschnittlich. Es gibt also auch keinen Grund, sich kleiner zu machen, als man ist. Dementsprechend bleibt abzuwarten, ob Startschwierigkeiten auf so viel Geduld treffen würden, wie derzeit suggeriert wird. Die Zahl der verkauften Dauerkarten ist beachtlich, entsprechend hoch dürften manche Erwartungen sein.
Die Prognose: Es wäre vermessen, von der umstrukturierten und verjüngten Mannschaft direkt zu erwarten, dass sie ganz oben mitspielt. Wichtig wird sein, dass das Team von Beginn an das Herz auf dem Platz lässt und verlorenes Vertrauen zurückerobert. Dann verzeiht das Umfeld auch Rückschläge. Auf der anderen Seite sind die finanziellen Ressourcen nach wie vor derart stabil, dass ein einstelliger Tabellenplatz ein realistisches Ziel sein muss. Mit dem Abstiegskampf sollte man auf keinen Fall etwas zu tun haben. Dem Team ist eine kontinuierliche Entwicklung zuzutrauen.
FORUM-Tipp: Der FCS wird sich im oberen Drittel einfinden und am Ende zwischen Platz fünf und acht landen. Für mehr müsste schon alles passen.