Der FCS macht in Essen nach Rückstand ein richtig gutes Auswärtsspiel. Warum nicht öfter, möchte man fragen? Nun können die Planungen für die kommende Saison beginnen.
Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. So mussten es Spieler und Verantwortliche des kriselnden Drittligisten 1. FC Saarbrücken hinnehmen, dass sie in Essen schon vom Stadionsprecher verhöhnt wurden, der die Gäste vor dem Anpfiff zweimal als „Möchtegern-Franzosen“ titulierte. Am Ende kann man mit Fug und Recht sagen: Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Nach der Ulmer Niederlage bei 1860 München war der ganz große Druck für das Team von Trainer Argirios Giannikis weg. „Es ist immer die Frage, ob man das Glas halb voll oder halb leer sieht“, sagte Giannikis während der Pressekonferenz vor dem Spiel und verwies auf einen Schnitt von 1,3 Punkten, den das Team unter seiner Ägide eingefahren hat. „Es geht nicht auf Knopfdruck. Aber die Tendenz ist positiv.“ Er sollte Recht behalten. Mit einem nicht für möglich gehaltenen Energie-Auftritt siegte der FCS an der Hafenstraße mit 2:1.
„Es geht nicht auf Knopfdruck“
Dass der FCS in Essen zu einem Spielverderber im Aufstiegskampf werden könnte, zeichnete sich zunächst nicht ab. Giannikis hatte dem Team vertraut, das zuletzt gegen die Münchner Löwen nicht über ein torloses Unentschieden hinausgekommen war. Er beließ Philip Fahrner auf der Rechtsverteidiger-Position und beorderte Calogero Rizzuto nach verbüßter Gelbsperre auf die Bank. Ausgerechnet über die rechte Seite klingelte es gleich nach sieben Minuten. Lasse Wilhelm spielte einen Fehlpass, Fahrner kam nicht hinter, am Ende schob Torben Müsel den Ball über die Linie.
Danach raffte der FCS sich auf. Kai Brünker hätte schon nach zehn Minuten den Ausgleich erzielen können. „Wir wussten, dass Saarbrücken eigentlich eine gute Qualität hat, aber in dieser Saison ist viel gegen die Mannschaft gelaufen. Heute haben sie uns das Leben maximal schwer gemacht, sagte Essens Coach Uwe Koschinat, der die Blau-Schwarzen von Sommer 2021 bis Herbst 2022 trainierte.
Damals musste Koschinat gehen, weil die oberen Plätze früh außer Sichtweite waren. Solche Sorgen hätte man heute gerne. Giannikis und Sportvorstand Markus Thiele werden demnächst Nägel mit Köpfen machen müssen. 20 Verträge laufen aus, ein großer Umbruch ist unerlässlich. Das Problem: Die, die der Verein halten möchte, sind begehrt. Andere, die man gerne loswerden möchte, haben gut dotierte Verträge. Angreifer Patrick Schmidt, der bei Giannikis kaum zum Zug kommt, dürfte keinen Grund haben, im voraussichtlich letzten Karrierejahr auf Geld zu verzichten. Gleiches gilt für Robin Bormuth, der vor der Saison als Leitwolf verpflichtet wurde, aber die Erwartungen nie wirklich erfüllen konnte. Darüber, ob Top-Scorer Florian Pick vertraglich gebunden ist, gibt es zudem unterschiedliche Aussagen. Sportchef Thiele sagt ja, aus dem Umfeld des Spielers werden immer wieder Wechselgerüchte kolportiert.
Nun ist der Klassenverbleib praktisch unter Dach und Fach. Am Samstag steht das prestigeträchtige Derby gegen Waldhof Mannheim an. Dann geht es zur Zweiten Mannschaft der TSG Hoffenheim, bevor es dann am letzten Spieltag ein Duell der Enttäuschten gegen Hansa Rostock gibt.
Dass der FCS durchaus in der Lage ist, fußballerische Nadelstiche zu setzen, zeigte sich auch an der Essener Hafenstraße, als Maurice Mutlhaup nach einem feinen Zuspiel von Sebastian Vasiliadis den Ausgleich erzielte. Eine halbe Stunde war da gespielt und zehn Minuten später stocherte Kai Brünker den Ball sogar zur Führung über die Linie. Der FCS rettete sich in die Halbzeit und hatte zu Beginn des zweiten Abschnitts einige gute Umschaltmomente: „Da hätten wir für Ruhe sorgen können“, sagte Torschütze Multhaup. Dass die Gastgeber, mit mehr als 17.000 Fans im Rücken, irgendwann aufmachen würden, war absehbar. Das passierte dann auch nach etwa 60 Minuten. „Es war klar, dass RWE viel riskieren wird, wir haben uns teilweise zu weit reindrängen lassen. Auf der anderen Seite ist es dann auch schwer, angesichts dieser Kulisse alles zu verteidigen“, sagte Giannikis. Dem FCS mangelte es allerdings auch an Spielkontrolle. Eine Viertelstunde vor dem Ende hatte der FCS dann zunächst richtig Glück. Ein Drehschuss des eingewechselten Cuber Potocnik prallte vom Innenpfosten des Saarbrücker Tors wieder zurück ins Spiel.
„Endlich einmal belohnt“
Dass die Schlussphase dann richtig hitzig wurde, hatten sich die Blau-Schwarzen selbst zuzuschreiben. Dominic Baumann senste am gegnerischen Strafraum einen Gegenspieler um und sah zu Recht Rot. Mit Glück und Geschick verteidigte der FCS dennoch den zweiten Auswärtssieg der Saison: „Es war eine schlechte Saison, die wir heute ein bisschen besser gemacht haben“, sagte Torwart Phillip Menzel, der in der Schlussphase über sich hinauswuchs, und fügte hinzu: „Jetzt wollen wir nochmal nachlegen.“ Torschütze Multhaup sprach von einem verdienten Sieg: „Die erste Halbzeit hat richtig Spaß gemacht, die zweite etwas weniger. Aber wir haben es uns verdient, weil wir viel investiert haben.“ Das sah dann auch Coach Giannikis so: „Wir haben es sehr gut verteidigt und uns endlich mal belohnt.“