Der vielseitige Jazzpianist und Singer-Songwriter Grégory Privat integriert Akustisches und Elektronisches und eröffnet in Saarbrücken das „fill in – International Jazzfestival Saar“.
Eben hat der in Paris ansässige Künstler Grégory Privat eine neue Soloeinspielung veröffentlicht. „Darling“ erschien wie bereits die meisten seiner letzten Alben auf seinem Musiklabel Buddham Jazz und bringt kontrastreiches, oft lyrisches Klavierspiel mit gelegentlichen Vocals in kreolischer Sprache zusammen. Privat integriert in seinem Repertoire stilistisch Unterschiedliches, von traditionellen karibischen bis zu variierenden modernen Elementen. Dieses Mal begegnet moderner Jazz vor allem Pop- und Singer-Songwriter-Einflüssen. Inzwischen steht Privat des Öfteren als Solokünstler auf der Bühne. Im langjährigen Trio mit Chris Jennings und Tilo Bertholo, dem Duo mit Jacques Schwarz-Bart und anderen Ensembles geht er aber weiterhin auf Tour. Eine Vielfalt stilistischer Einflüsse mit verschiedenen kulturellen Einfärbungen begegnete ihm schon in sehr jungen Jahren, die er auf der Karibikinsel Martinique verbrachte. „Wir sind umgeben von vielen verschiedenen Musikstilen, Popmusik, traditioneller Musik, Zouk-Musik, Tanzliedern, R’n’B, Soul und Jazz“, berichtet der Musiker im April in einem Videointerview von seinem Zuhause aus. „Ich bin in dieser Umgebung aufgewachsen.“ Klavier spielte bereits sein Vater José Privat, etwa im Ensemble Malavoi. Grégory Privat wiederum lernte zunächst klassisches Klavier, wandte sich dann mehr dem Jazz zu.
Trotzdem absolvierte er ein Ingenieurstudium, bevor er sich schließlich in Paris der dortigen Jazzszene anschloss. In Klavierwettbewerben wie der Martial Solal International Jazz Piano Competition und der Montreux Jazz Solo Piano Competition erspielte er sich vordere Plätze. Sein Debütalbum mit eigener Musik „Ki Koté“ erschien 2011. Dem darauf eingespielten Ensemble folgten Duos und Trios, schließlich Konzerte als Solokünstler. Das anfangs durchgängig favorisierte Klavier erweiterte er in den vergangenen Jahren öfter um elektronische Tasteninstrumente. „Das Akustische ist der Kern meiner Musik“, sagt er darüber. „Ich ergänze aber gern Klangfarben mit Synthesizern und Keyboards.“ Elektronische Tasteninstrumente und Effekte, popmusikalische, Soul- und Singer-Songwriter-Einflüsse sieht er als Teil der Weiterentwicklung des Repertoires. Der Künstler formuliert: „Mehr und mehr wollte ich überrascht werden von meiner eigenen Musik und nicht einfach einem Weg folgen, den alle von mir auf eine Art erwarteten.“
Neue Möglichkeiten erschließen sollte genauso Buddham Jazz. „Ich wollte als Musiker mehr Freiheit und die Möglichkeit, mehr verschiedene Dinge auszuprobieren“, resümiert Privat. „Dafür sah ich es als notwendig an, mein eigenes Musiklabel zu kreieren.“ Im Jahr 2020 erschien dort als erstes Album die Trioeinspielung „Soley“. Einspielungen anderer Musiker gibt es dort zwar bisher nicht, aber das könnte sich ändern, wie Privat feststellt: „Das möchte ich in Zukunft machen.“ In den vergangenen Jahren konnte er in seiner französischen Wahlheimat einige Kulturpreise entgegennehmen, etwa den Prix Django Reinhardt der Académie du Jazz und die Ernennung zum Chevalier de l’ Ordre des Arts et des Lettres.