Tesla galt lange als Maßstab für ausgereifte Elektroautos. Dann ramponierte Firmenchef Musk das Image der Marke, die Absatzzahlen brachen ein. Das neue Model Y soll die Wende bringen.
Schwarz wie die Nacht rollt das Upgrade von Teslas Bestseller an. Mit 299 PS beschleunigt das Elektroauto rasant, die Reichweite liegt bei mehr als 500 Kilometern. Dabei ist das Familien-SUV erstaunlich sparsam, derart stark motorisierte Verbrenner verbrauchen viel mehr Energie.
Das Tesla Model Y ist mit Abstand das meistverkaufte Elektroauto auf der Welt – allein im vergangenen Jahr wurden mehr als eine Million Exemplare verkauft. Wo andere Hersteller noch mit Kinderkrankheiten kämpfen, bietet das Model Y hohe Reichweiten, eine ausgereifte Software und Alltagstauglichkeit – und das seit Jahren. Nun haben die Amerikaner das seit 2020 gebaute Erfolgsmodell umfangreich erneuert. Mit stylischer Optik, aber auch technischen Verbesserungen. Was das neue Model Y kann, haben wir zehn Tage lang getestet.
Die Qualitätsoffensive war dringend notwendig, denn zuletzt war es für Tesla, den Elektroauto-Pionier aus Amerika, duster geworden. Die Absatzzahlen brachen der Marke weltweit ein. Großen Anteil daran hatte Firmenchef Elon Musk selbst. Kumpelhaft hatte sich der Techmilliardär bei US-Präsident Donald Trump eingeschmeichelt, mischte zeitweise gar als dessen Sonderberater mit. Tesla-Kunden wandten sich daraufhin in Scharen ab. Sogar eingefleischte Fans schämten sich und klebten an ihre Autos immer häufiger den Sticker „I bought this before Elon went crazy“ – „Ich habe das gekauft, bevor Elon verrückt geworden ist“.
Hohe Reichweite, ausgereifte Software
Dass Tesla noch mehr kann, als negative Schlagzeilen zu produzieren – nämlich gute Autos zu bauen und zu verkaufen –, liegt im Wesentlichen am Model Y, das auch im brandenburgischen Grünheide gebaut wird. Die Aufregung um Musk, dessen Eskapaden nach Trumps Wahlsieg in einem angedeuteten Hitlergruß gipfelten, hat sich inzwischen gelegt. Doch die Herausforderungen sind nicht kleiner geworden. Längst ist E-Pionier Tesla nicht mehr der einzige Hersteller, der gute Elektroautos baut. China-Marken wie BYD und Xpeng, Hyundai und Kia aus Südkorea, neuerdings aber auch deutsche Modelle von BMW, VW und Mercedes sind zu ernst zu nehmenden Konkurrenten geworden.
Das aufgefrischte Model Y ist kein komplett neues Auto, aber auch mehr als ein Facelift. Spannend ist, dass es jetzt eine abgespeckte Basisvariante gibt, um preissensiblen Menschen einen Einstieg in die E-Mobilität zu bieten. Model Y Standard heißt die Variante für 39.990 Euro – laut Tesla „das erschwinglichste Model Y aller Zeiten“. Die Premium-Varianten kosten über 10.000 Euro mehr.
Fürs Sparmodell müssen Kunden einige Abstriche machen. Statt Leder- gibt es nur einfache Stoffsitze, auch fehlen Panorama-Glasdach, ein Teil der Mittelkonsole sowie einige Lautsprecher der Soundanlage. Statt Alufelgen gibt es nur Stahlräder mit Radkappen, die stylischen LED-Leuchtbänder an Front und Heck spart sich das Standardmodell ebenfalls.
Sehr effizient trotz zwei Tonnen Gewicht
Doch all das vermisst man nicht wirklich, im Gegenteil. Wo andere Hersteller auf Komfortextras und digitalen Firlefanz setzen, ist das Cockpit im Model Y aufs Wesentliche reduziert. Bis auf ein paar Tasten auf dem Lenkrad gibt es praktisch keine Bedienknöpfe, gesteuert wird das Elektro-SUV fast ausschließlich über den Touchscreen. Sogar die Fahrstufe wird über den zentralen Bildschirm eingelegt. Dahinter verbirgt sich das Kernprinzip der radikalen Fertigungsphilosophie von Tesla. „Das beste Bauteil ist kein Bauteil“, soll Elon Musk mal gesagt haben. So ein Tesla ist daher nichts für Traditionalisten, die gern viele Knöpfe und Schalter um sich herum haben. Die Vorteile des Tesla-Minimalismus sind schon auf den ersten Kilometern spürbar. Das Model Y fährt sich nicht nur kinderleicht, sondern auch extrem effizient. Die Standard-Variante wiegt keine zwei Tonnen, für ein Elektro-SUV dieser Größe ist das schon beinahe leicht.
Gerade beim Fahren betreibt das Auto geringen Aufwand. Es gibt nur zwei Fahrmodi – lässig und Standard. Die Lenkung ist direkt, für ein SUV fährt sich das Model Y agil und spritzig. Das früher polterige Fahrwerk haben die Ingenieure spürbar verbessert. Das neue Model Y liegt viel besser auf der Straße und lässt sich präziser, ja gefühlt mit zwei Fingern lenken. Da vergisst man schnell, dass man ein 4,80 Meter langes SUV durch die Stadt manövriert.
Auf der Autobahn ist man schnell auf Reisegeschwindigkeit. Mit einer neuen Akustikverglasung wollte Tesla den Wagen komfortabel abdichten. Doch die Windgeräusche, die sich schon ab etwa 100 Stundenkilometern bemerkbar machen, irritieren. Als ob die Seitenscheiben einen Spalt weit offengelassen wären. Bis auf Tempo 200 beschleunigt das Model Y Standard – wenn man möchte. Bei 130 bis 140 reist es sich aber deutlich entspannter.
Die Software ist tesla-typisch schnell und stabil, Bugs oder Hänger kommen nicht vor. Ausgereift wirkt auch der Sprachassistent, der über einen Knopfdruck auf dem Lenkrad seine Befehle entgegennimmt. Durch langes Drücken wird KI-Chatbot Grok aktiviert, mit dem man während der Fahrt über alle möglichen Themen plaudern kann. Dagegen wirken die intellektuell oft überforderten Sprachassistenten mancher China-Modelle geradezu dement.
Einen Mehrwert bietet beim Tesla auch die App. Damit lässt sich das Auto per Smartphone öffnen und schließen, der Standort wird getrackt. Auch die Klimaanlage lässt sich remote, also per Fernsteuerung, bedienen. Interessant ist auch die „Fahrkontrolle für Eltern“, wenn Sohn oder Tochter den Tesla mitnutzen. Per App lassen sich Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs begrenzen.
Das Problem ist, dass Tesla derart smarte Autos nicht ausreichen. Sie sollen bald autonom fahren können, also von ganz alleine ohne Mensch am Steuer. Seine Robotaxis hat Elon Musk schon lange angekündigt, nun soll die Produktion der fahrerlosen Autos ohne Pedale und Lenkrad 2027 starten. Aber auch Millionen Tesla Model 3 und Model Y könnten bald weitgehend selbstständig über die Straßen fahren. Full Service Driving (FSD) heißt die Technologie, mit der die Autos künftig automatisch – wenn auch überwacht durch den Fahrer – durch Stadtverkehr und über Kreuzungen navigieren sollen – mithilfe von KI und Kameraüberwachung.
Autopilot zeigt deutliche Schwächen
Die Niederlande haben im April als erstes europäisches Land bereits die regulatorische Zulassung für FSD erteilt. Nun will Tesla zügig eine Zulassung in den anderen EU-Staaten, auch in Deutschland, erreichen. Im Prinzip muss dafür nur die Software im Fahrzeug over-the-air, also online, aktiviert werden. Das neue Model Y sei ab Werk „ready“ für FSD, heißt es bei Tesla. Dabei zeigen die Fahrerassistenzsysteme, die schon jetzt erlaubt sind, bereits Probleme. Wie bei Neuwagen anderer Hersteller auch funktioniert die gesetzlich vorgeschriebene Verkehrszeichenerkennung beim Tesla Model Y häufig nicht, Tempolimits werden falsch interpretiert. Patzer leistet sich beim Test auch der Autopilot im Model Y. Mehrfach kommt es beim „selbstständigen Fahren“ zu abrupten Phantombremsungen. Ein anderes Mal erkennt das SUV an einem Zebrastreifen herannahende Fußgänger nicht.
Zwar deklariert Tesla die Funktionen Lenkassistent sowie Ampel- und Stoppschildassistent als nicht serienreife „Beta“-Software. Der Fahrer muss vor der Aktivierung bestätigen, stets die Kontrolle zu behalten, bei Unfällen bleibt er verantwortlich. Vertrauenserweckend wirken die Beta-Produkte nicht. Fairerweise muss man dazu sagen: Fehlerhafte Fahrassistenzsysteme leisten sich auch andere Autohersteller. Dennoch scheint die Industrie nur eine Richtung zu kennen: Noch mehr Software ins Auto bringen, noch mehr automatisieren, der moderne Pkw soll zum fahrenden Computer werden.
Dabei könnte es gerade die Stärke von Elektroautos wie dem Tesla Model Y sein, dass sie sich – abgesehen von fragwürdigen Fahrerassistenzsystemen und Autopiloten – auf das Wesentliche konzentrieren: vollelektrisch sehr effizient und komfortabel an sein Ziel zu gelangen.
Nach 400 Testkilometern – überwiegend gefahren in der Stadt, aber auch über Land und auf der Autobahn – zeigt der Bordcomputer in unserem Model Y Standard einen Stromverbrauch von gerade mal nur 14,2 Kilowattstunden an. Das entspricht in etwa dem Heizwert von unter zwei Litern Benzin. Zumindest die Antriebsfrage, die noch so viele Autofahrer umtreibt, sollte damit geklärt sein.