Der 1. FC Kaiserslautern führt beim FC Schalke 04 am Samstagnachmittag bis kurz vor Schluss mit 2:0, muss sich am Ende aber mit einem 2:2 begnügen. Was bleibt, ist Enttäuschung über den Spielverlauf, obwohl es die bisher beste Auswärtsleistung war.
Als der Schlusspfiff in der ausverkauften Veltins-Arena ertönte, überwog beim 1. FC Kaiserslautern zunächst der Ärger. Zwei Gegentore in den letzten Minuten, eine komfortable Führung aus der Hand gegeben – das 2:2 beim FC Schalke 04 fühlte sich im ersten Moment wie zwei verlorene Punkte an. Und doch war dieser Samstagnachmittag mehr als nur ein Spiel, das aus der Hand glitt. Es war ein Auftritt, der gezeigt hat, wie weit diese Mannschaft inzwischen ist.
Ärger über späten Ausgleich
Torsten Lieberknecht hatte im Vergleich zum Heimsieg gegen Hannover 96 nur wenig verändert. In der Dreierkette gab Atanas Chernev sein Debüt, Leon Robinson rückte ins zentrale Mittelfeld, Daniel Hanslik nahm zunächst auf der Bank Platz. Vor 62.077 Zuschauern – darunter rund 7.000 FCK-Fans – entwickelte sich ein intensives, ausgeglichenes Topspiel. Schalke hatte in der Anfangsphase mehr Ballbesitz, Lautern hielt mit Struktur und Disziplin dagegen. Julian Krahl war früh bei einem Kopfball gefordert, auf der Gegenseite bekam Naatan Skyttä einen Pass von Marlon Ritter im Strafraum nicht sauber kontrolliert. Beide Teams suchten den Rhythmus, ohne in der ersten Hälfte entscheidend durchzubrechen. Die größte Gelegenheit vor der Pause hatte Ritter, dessen Abschluss nach Hereingabe von Paul Joly nur mit Mühe von Torhüter Karius entschärft wurde.
Nach dem Seitenwechsel blieb das Bild zunächst ähnlich. Schalke erhöhte den Druck, Lautern verteidigte aufmerksam und blieb geduldig. Dann kam der Moment, der das Spiel kippte. Nach gut einer Stunde brachte Lieberknecht Ivan Prtajin – und der Joker setzte sofort ein Zeichen. 19 Sekunden war der Kroate auf dem Platz, als Naatan Skyttä einen Freistoß in den Strafraum brachte. Prtajin stieg hoch und köpfte zum 1:0 ein. Der Angreifer rannte direkt vor den Lautrer Block und jubelte – ein Moment, der sichtbar etwas freisetzte, auf dem Feld wie auf den Rängen.
Der FCK gewann nun an Sicherheit, blieb kompakt und nutzte die Räume, die sich boten. Schalke reagierte, brachte unter anderem Edin Dzeko ins Spiel, doch die Gäste hielten dagegen. In der 84. Minute schien der Plan aufzugehen. Der eingewechselte Hanslik schickte Prtajin mit einem Steilpass auf die Reise, der Angreifer blieb frei vor dem Tor eiskalt und erhöhte auf 2:0. Es war der Lohn für einen konzentrierten Auftritt und eine Phase, in der Kaiserslautern das Spiel unter Kontrolle hatte.
Doch diese Kontrolle hielt nicht bis zum Ende. Drei Minuten vor dem regulären Spielschluss war es Dzeko, der mit all seiner Routine zum 2:1 verkürzte. Der Treffer veränderte die Statik der Partie schlagartig. „Wir haben zwei Tore geschossen, die normalerweise reichen könnten“, sagte Lieberknecht später und verwies auf die besondere Wucht solcher Spielorte: „Sowohl wir als auch Schalke spielen eben in zwei Stadien, die immer wieder dafür sorgen, dass so eine Wucht entstehen kann.“
In der Schlussminute bekam der FCK nach einer Ecke den Ball nicht konsequent geklärt, Kenan Karaman traf zum 2:2-Ausgleich. Für Prtajin fühlte sich das Remis entsprechend bitter an. „Das ist Fußball, und es hat sich einmal mehr gezeigt, wie verrückt er sein kann“, sagte der doppelte Torschütze. Auch Lieberknecht ließ keinen Zweifel daran, dass Enttäuschung angebracht sei: „Ich glaube, wenn man 2:0 führt und dann noch zwei Gegentore kassiert, darf man enttäuscht sein.“ Zugleich richtete er den Blick auf das Gesamtbild: „Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in den vielen Minuten davor ein sehr, sehr gutes Auswärtsspiel gezeigt haben.“
Kritisch sah der FCK-Coach die Phase nach dem zweiten Treffer. „Nach dem 2:0 darf man sich nicht so euphorisch zeigen wie wir. Da musst du Ruhe bewahren, dann gehst du zum Anstoßpunkt und bleibst einfach drin im Spiel“, sagte Lieberknecht, der seine Mannschaft dennoch ausdrücklich lobte. Es sei „eines der besten Auswärtsspiele überhaupt“ gewesen – ein Auftritt, der Kraft geben müsse für das, was noch kommt.
Diese Einschätzung teilte auch Leon Robinson. Der Spielverlauf sei ärgerlich, sagte der Mittelfeldspieler, verwies aber auf den Kontext. Wenn in solchen Stadien ein Anschlusstreffer falle, entstehe eine Dynamik, „so ähnlich wie bei uns auf dem Betze“. Vor dem Spiel hätte man einen Punkt unterschrieben, nun bleibe das Gefühl, „dass wir auf so einer Bühne bestehen können“.
Ausrufezeichen im Auswärtsspiel
Debütant Chernev sprach ebenfalls von einem besonderen Nachmittag, haderte aber mit den letzten Minuten. „Wir haben insgesamt ein gutes Spiel gemacht. In den letzten Minuten haben wir vielleicht ein bisschen die Konzentration verloren. Deshalb fühlt es sich eher nach zwei verlorenen Punkten an“, sagte der Innenverteidiger. „Aber das ist Fußball. Wir müssen daraus lernen.“
Auch die Art und Weise, wie der FCK in diesem Spiel auftrat, unterstrich die Entwicklung der Mannschaft. Trotz der Kulisse, trotz der wachsenden Unruhe im Stadion blieb Lautern über weite Strecken strukturiert, mutig im Anlaufen und klar in den Abläufen. Dass Schalke in der Schlussphase noch einmal zurückkam, änderte nichts daran, dass die Gäste dem Tabellenführer lange Zeit den Rhythmus nahmen und das Spiel in ihre Richtung lenkten – das war in dieser Saison auch schon anders.
In der Tabelle bringt das 2:2 dem FCK vier Punkte aus den ersten beiden Spitzenspielen des neuen Jahres, auch wenn es vorerst einen Rang nach unten geht. Entscheidender ist die Erkenntnis dieses Nachmittags: Kaiserslautern kann auswärts beim Tabellenführer bestehen, Spiele kontrollieren und sich Chancen erarbeiten. Am kommenden Samstag, wenn die SV Elversberg auf dem Betzenberg gastiert, soll genau daraus der nächste Schritt folgen.