Mit „A Knight of the Seven Kingdoms“ ist der zweite Serienableger aus dem „Game of Thrones“-Universum gestartet. Die HBO-Produktion schaffte es direkt in die Top-Positionen des Streamingdienstes – und in die Herzen der Fans.
Mit „A Knight of the Seven Kingdoms“ ist der zweite Serienableger aus dem „Game of Thrones“-Universum gestartet. Die HBO-Produktion schaffte es direkt in die Top-Positionen des Streamingdienstes – und in die Herzen der Fans.
Fünf Minuten dauert es ungefähr, bis sich hier die Spreu vom Weizen trennt – ob man der neuesten Serie aus dem „Game of Thrones“-Kosmos folgen möchte oder nicht. Da setzt diese epische Titelmelodie ein, Westeros taucht vor dem geistigen Auge auf, epische Kämpfe zwischen den nicht so ganz Guten und den nicht komplett Bösen, feuerspuckende Drachen, tödliche Eisgänger – und dann passiert etwas Überraschendes, was hier nicht erwähnt werden soll. Diese ironische Brechung zeigt: „A Knight of the Seven Kingdoms“ ist willens, den Weg durch die sieben Königslande fortzuführen, und hat mächtig Bock darauf, dies auf eine ganz eigene Weise zu machen. Und so wird auch in den sechs Folgen der vorerst eine Staffel umfassenden Serie geflucht, gerotzt, gekackt, geliebt, intrigiert und gestorben.
Ser Duncan (Peter Claffey) ist ein Heckenritter, also ein fahrender Ritter, der keinem festen Herrn dient und ohne Landbesitz ist. Seine Statur ist ebenso groß wie sein Traum: Er möchte ein richtiger Ritter sein. Um dieses Ziel zu erreichen, macht er sich auf nach Aschfurt, wo er an einem Turnier teilnehmen möchte, um sich zu beweisen und um sich interessant für einen künftigen Herrn zu machen. Auf dem Weg trifft er einen kahlköpfigen Jungen (Dexter Sol Ansell), der sich selbst Egg nennt, und Duncan erstens seinen Beinamen „Der Große“ gibt und ihm außerdem seine Gefolgschaft als Knappe geradezu aufdrängt.
Der Turniermeister in Aschfurt erklärt Duncan, er benötige einen Bürgen, da dessen Darstellung, sein verstorbener Meister Ser Arlan von Hellerbaum habe ihn ohne anwesende Zeugen zum Ritter geschlagen, ihn nicht zur Teilnahme berechtige. Auf der Suche nach einem Bürgen findet er die dornische Puppenspielerin Tanselle, in die er sich verliebt, und Lord Lyonel Baratheon, einen exzentrischen, aber beschlagenen Kämpfer, mit dem Duncan feiert, tanzt und trinkt. Mit seiner auffälligen Größe, seinem ungelenken Auftreten sowie seiner Angewohnheit, das Herz auf der Zunge zu tragen, eckt „Dunk“ in Aschfurt zwar an, schließt aber auch neue Freundschaften. Bis es also zum großen Kampf kommt, müssen er und Knappe Egg so einige Abenteuer erleben.
Humoriger und leichtfüßiger
So ist „A Knight of the Seven Kingdoms“ auch tatsächlich eher Abenteuer- denn Fantasy-Serie. Feuerspeiende Drachen gibt es lediglich als Puppentheater und aus dem Tod wird auch niemand reanimiert. Durch die Konzentration auf die beiden Hauptfiguren Ser Duncan der Große und Egg erkundet die Serie eher deren Innenleben als die sieben Königslande. Während in „Game of Thrones“ immer jemand in Bewegung war, liegt eine der Stärken der neuen Reihe darin, das Leben in der kleinen Stadt recht detailliert zu schildern. Die sechs Folgen sind alle angenehm kurz, lediglich der Opener knackt die 40-Minuten-Marke, sodass die Serie in etwas mehr als drei Stunden prima durchgebingt werden kann.
Gleichzeitig schafft es der Ableger, die Vorteile des großen Epos ins Kleine zu übertragen. Die Figuren sind scharf gezeichnet, die Dialoge eine Pracht, die Kameraarbeit ist exzellent, die Musik packt, die Kostüme sind klasse und die Geschichte schreitet temporeich voran, ohne zu hetzen. Zudem sind auch hier die Schauspieler in der Regel auf den Punkt gecastet. Der irische ehemalige Rugbyspieler Peter Claffey hat sowohl den traurigsten Hundeblick als auch das größte Kämpferherz. Ihm zur Seite steht der halb so große Dexter Sol Ansell, der ihm als altkluger und äußerst pfiffiger Gehilfe trotzdem nie die Show stiehlt. Finn Bennett als Prinz Aerion „Leuchtflamme“ Targaryen gibt einen angenehm schmierlappigen Bösewicht und Henry Ahston als Prinz Daeron Targaryen ist ebenso feurig und mitreißend wie zwielichtig.
Auch, wenn „A Knight of the Seven Kingdoms“ zum großen Teil deutlich leichtfüßiger und humoriger daherkommt als „Game of Thrones“, gibt es immer wieder finstere Momente. Das große Finale der ersten Staffel – eine zweite ist für 2027 geplant – ist das Turnier. Dieses ist großartig und hochdynamisch inszeniert, teilweise mit subjektiver Sicht aus dem Helm von Ser Duncan gefilmt. Das macht richtig Laune auf die Fortsetzung. „GoT“-Erschaffer George R. R. Martin hatte Berichten zufolge HBO mit zwölf noch nicht fertigen literarischen Vorlagen gefüttert, doch HBO plant vorerst wohl lediglich, die ersten drei Novellen zu verfilmen. Schade eigentlich.