Der 1. FC Saarbrücken steckt in der größten sportlichen Krise seit der Abstiegs-Saison 2013/2014. Nach der Niederlage in München folgen nun personelle Konsequenzen.
Der 1. FC Saarbrücken steckt in einer Phase, die längst mehr als eine sportliche Delle ist. Bei der 0:2-Niederlage bei 1860 München wurde deutlich: Der Mannschaft fehlt es an Leidenschaft, an Gier und an einem klaren Konzept. Trainer Alois Schwarz bemühte sich nach dem Spiel um Erklärungen, die Halt geben sollen. „Wir haben am Anfang Glück gehabt. Dann haben wir ein sehr leichtes Gegentor bekommen, danach war das Spiel ausgeglichen. In der zweiten Halbzeit hatten wir unsere Aktionen. Der Invest war da, aber der Ertrag stimmt bei uns nicht.“ Und so stand am Ende wieder nichts Zählbares, dafür aber personelle Konsequenzen: In der Nacht von Montag auf Dienstag musste Schwartz sein Traineramt niederlegen. Vier mickrige Punkte aus den vergangenen acht Spielen waren am Ende einfach zu wenig. Nur noch drei Zähler trennen den gestrauchelten Aufstiegsanwärter von einem Abstiegsplatz.
Viel Kritik am Schiedsrichter
Die Partie im bitterkalten Stadion an der Grünwalder Straße machte deutlich, warum nicht nur der FCS, sondern auch die Münchner ihren Ansprüchen weit hinterherhinken. Am Ende waren die Sechziger das bessere von zwei schwachen Teams. Auf schwierigem, schmierigem Geläuf entwickelte sich eine zähe, pomadige und über weite Strecken langweilige Partie. Immerhin kamen die Gastgeber schon in der Anfangsphase zu drei Abschlüssen. Den vierten nutzte dann Patrick Hobsch zur verdienten Führung. Der FCS kam nur einmal durch Calogero Rizzuto zum Abschluss. „Wir haben in der ersten Halbzeit nur einmal aufs Tor geschossen, das ist zu wenig“, monierte der eingewechselte Patrick Schmidt. Möglicherweise wäre das Spiel anderes gelaufen, hätte Schiedsrichter Felix Weller einen Schubser an Kasim Rabihic mit Elfmeter geahndet. „Er stößt ihn, er verliert auf dem Boden das Gleichgewicht, das ist ein klarer Elfmeter“, schimpfte Sportdirektor Jürgen Luginger zur Pause. Aber: Ein Team, das in aller Regel nur alle halbe Stunde mal aufs Tor schießt, sollte sich hüten, über die Unparteiischen zu meckern.
Denn auch nach dem Wechsel ging zuerst gar nichts. „Wir haben dann sehr offensiv gewechselt, irgendwann sind uns die Bälle vor die Füße gefallen. Wir haben die Chancen nicht genutzt, aber man muss auch sagen, dass es von uns zu wenig war“, sagte Patrick Schmidt. Joel Bichsel, der abermals einen rabenschwarzen Tag hatte, verursachte nicht nur das erste Gegentor, sondern auch noch einen Elfmeter kurz vor dem Ende, den der ehemalige Elversberger Thore Jacobsen sicher verwandelte. Wenige Minuten vorher hatte Florian Pick mit einem Schrägschuss nur die Latte getroffen. „Uns fehlt das Spielglück, manchmal das Schiri-Glück“, sagte Schwartz lapidar. Bei der Aufstellung hatte aber der nun Ex-Trainer kein glückliches Händchen. Robin Bormuth rückte für den verletzten Sven Sonnenberg ins Zentrum, wirkte aber unsicher. Bichsel steht seit Wochen neben sich, sein Foul vor dem 0:2 war symbolisch für die aktuelle Verfassung. Im Mittelfeld fehlte die Balance. Elijah Krahn und Kasim Rabihic waren bemüht, aber wirkungslos. Vorne brachte der früh für Brünker eingewechselte Dominic Baumann auch keinen nennenswerten Mehrwert.
Desaströses Bild auf dem Platz
Besorgniserregend ist vor allem das Bild der Defensive. Dass Lasse Wilhelm trotz einer eher schlechten Leistung noch zu den Besten zählte, unterstreicht die Schieflage. Bichsel fiel komplett ab, Bormuth ist körperlich nicht auf der Höhe, Rizzuto hält kämpferisch dagegen, wirkt aber zunehmend ausgelaugt. Der Mut zum Risiko ist im Spiel der Saarbrücker nur noch punktuell spürbar. Man agiert, aber man glaubt nicht mehr wirklich an den Erfolg. Und zudem stellt sich die Frage nach der Fitness: „Was ist nur aus Saarbrücken geworden“, fragte ein Münchener Journalist in der Halbzeit-Pause und fügte scharf hinzu: „Da wirken einige Spieler nicht austrainiert.“ Im Umfeld der Mannschaft wird immer auf die Mess-Werte verwiesen. Diese seien in Ordnung. Das Bild auf dem Platz ist aber desaströs. Warum der ehemalige Kapitän Manuel Zeitz auch in der Dreierkette keine Option ist, ist kaum noch zu erklären. Immer wieder erwähnte Schwartz bei den Spieltagspressekonferenzen, dass der 35-Jährige nah dran sei. Aber Taten folgen dann keine. Mag sein, dass Zeitz seinen Zenit überschritten hat. Mag sein, dass sein körperlicher Zustand nicht der Beste ist. Aber schlechter als Bichsel oder Bormuth hätte er in München kaum agieren können. In Saarbrücken brennt schon weit vor dem Weihnachtsfest der Baum. „Wir müssen da rauskommen, aber ein Patentrezept gibt es nicht“, sagte Torwart Menzel. Nun kommt Rot-Weiss Essen in den Ludwigspark. An der Hafenstraße startete die Amtszeit von Schwartz beim FCS. Damals mit einem starken Zeitz und einem souveränen 3:0-Sieg. Danach hat der FCS nur noch einmal ein Spiel ohne Gegentor überstanden. Auch das spricht Bände. Dieses Mal wird Schwarz nicht mehr auf der Bank sitzen, für ihn übernehmen soll bis zur Winterpause Sportdirektor Luginger. Der 57-Jährige trainierte den FCS bereits zwischen 2010 und 2013.