Das neue Jahr wird ein Jahr der Umsetzungen und des aufziehenden Landtagswahlkampfs. Wirtschaft und Arbeit sind für die meisten Saarländerinnen und Saarländer die zentralen Themen, die am meisten Sorgen machen.
Zwei neue Großfestivals und die Special Olympics stehen neu im Terminkalender für das neue Jahr 2026. Das Saarland wird sich einmal mehr in großem Rahmen von seiner besten, gastfreundlichen, weltoffenen Seite zeigen und an das große „saarländische Deutschlandfest“ anknüpfen, bei dem so viele Besucherinnen und Besucher mit einem ganz anderen Blick auf das Land nach Hause gefahren sind.
Von dieser Atmosphäre und Stimmung, die gezeigt hat, was das Land kann und was an Potenzialen da ist, wird man noch einiges brauchen angesichts der Herausforderungen, die im neuen Jahr nicht geringer werden.
Saarländerinnen und Saarländer haben darauf einen weitgehend realistischen Blick. Das haben gleich mehrere Umfragen und Studien, die gegen Jahresende veröffentlicht wurden, ziemlich übereinstimmend gezeigt.
Persönlich schätzen die allermeisten ihre eigene Situation durchaus positiv ein, gleichzeitig gibt es weit verbreitete Sorgen über die Zukunft. Das Ranking der Sorgen wird klar von den Themen Wirtschaft und Arbeitsplätze angeführt. Wenig überraschend in einem Land, das bekanntlich mit am härtesten von der Transformation in zentralen Wirtschaftsbereichen getroffen ist.
Der Doppelhaushalt 2026/27, der noch im Dezember im Landtag verabschiedet wurde, trägt dieser Situation Rechnung. Investieren und Modernisieren sind die selbstgesetzten Leitlinien der Landesregierung.
Gelder für Projekte sind da
Ein zentrales Projekt beim Umbau nimmt zunehmend sichtbar Gestalt an: die Großbaustellen in Dillingen und bei Saarstahl in Völklingen für grünen Stahl aus dem Saarland. Eine erste Bestellung von „grünen Schienen“ von der Deutschen Bahn in noch eher bescheidenem Umfang hat aber Symbolcharakter für eine der wesentlichen Herausforderungen, nämlich Leitmärkte für grünen Stahl zu entwickeln. Die andere Herausforderung ist, die notwendige Versorgung mit Wasserstoff aufzubauen. Erste Verträge für die Lieferung von Wasserstoff sind abgeschlossen. 2026 ist ein Jahr der Umsetzung, 2027 soll erster grüner Stahl aus dem Saarland kommen.
Um Umsetzung geht es auch bei einer großen Neuansiedlung auf dem ehemaligen Ford-Gelände. Noch vor Jahresende hatte die EU ihr Okay für Subventionen bei der geplanten Neuansiedlung von Vetter gegeben. Der Pharma-Dienstleister plant ein neues Werk, das im Endausbau deutlich über tausend neue Arbeitsplätze zur Verfügung stellen soll. Die EU-Entscheidung ist nun Grundlage für die weiteren Unternehmensplanungen.
Grünes Licht gab es auch noch vor Jahresende vom Haushaltsausschuss des Bundestags für einen Rüstungsauftrag. Die Produktion von Patria-Panzern bei KNDS in Freisen dürfte um die 500 neue Arbeitsplätze bringen. Auch hier wird 2026 ein Jahr der Umsetzung.
Gleichzeitig geht der Abbau von Arbeitsplätzen an anderen Stellen (etwa Bosch Homburg) weiter. Der Transformationsprozess dürfte auch 2026 weiter an Dynamik zulegen.
Umsetzung ist auch die Maxime für die Möglichkeiten, die Land und vor allem auch Kommunen durch Mittel des Bundes aus dem Infrastrukturfonds haben. Die Einigung über die Verteilung war mühsam. Nun geht es darum, Projekte, die jetzt möglich sind, aufs Gleis zu setzen. Landesweit sollen alle Schwimmbäder in einen guten Zustand gebracht werden, Schulen, Hallen und andere Infrastruktur können ertüchtigt werden. Geld ist da. Insgesamt werden in den kommenden zehn Jahren rund 1,2 Milliarden Euro ins Land fließen.
Die Umsetzung stößt immer wieder an Grenzen. „Limitierender Faktor“, heißt es dann, und gemeint ist in der Regel: Es fehlt an Fachkräften. Angefangen bei Ingenieuren und Planern und keineswegs aufgehört bei Mitarbeitenden von Baufirmen.
Selbst beim geplanten Ausbau des ÖPNV kam unmittelbar die Frage auf: Gibt es denn ausreichend Fahrerinnen und Fahrer? Das Land hat eine Fachkräftestrategie aufgelegt, es braucht aber keine allzu prophetische Gabe für die Voraussage: Da wird noch einiges mehr an Anstrengung erforderlich sein.
Die einerseits beim Bildungssystem ansetzen muss, andererseits aber bei bürokratischen Hürden, auf die ausländische Menschen, auch Geflüchtete, die hier arbeiten wollen – und gebraucht werden –, stoßen. Wobei das Land selbst in weiten Teilen hier nicht unmittelbar zuständig ist. Daueraufgabe bleibt, für eine effektive und bürgerfreundliche Verwaltung zu sorgen mit Digitalisierung und Vereinfachung. Das steht im Grunde auf der Daueragenda.
Letztendlich sind diese Bereiche (Transformation und Arbeitsplätze, Investitionen und effektive Verwaltung) zentral dafür, Vertrauen in Politik und Institutionen zu erhalten und wieder auszubauen.
Die schon zitierten Umfragen belegen nämlich auch: Die grundsätzliche Zustimmung zur Demokratie ist im Saarland enorm hoch (fast 90 Prozent), die Zufriedenheit mit dem Funktionieren (unter 60 Prozent) deutlich niedriger, was schon per se eine zentrale Herausforderung für das neue Jahr (und voraussichtlich auch die nächsten Jahre) definiert. Das gilt umso mehr, weil 2026 politisch bereits unter den Vorzeichen der nächsten Landtagswahl steht, auch wenn die erst im Frühjahr 2027 stattfinden wird. Schon bei den Parteitagen Ende vergangenen Jahres sind durch die Bank Positionen und Ansprüche mit Blick auf den aufziehenden Wahlkampf formuliert worden.
Wirtschaft, Arbeit, Wahlkampf
Der letzte Saarland-Trend hat zudem gezeigt, dass das Land nicht abgekoppelt von bundesweiten Entwicklungen ist, auch wenn es weiterhin einige Besonderheiten gibt. Die SPD ist laut Saarland-Trend vom Dezember 2025 stärkste Kraft und liegt im Saarland (27 Prozent) weit über den bundesweiten Umfragewerten. Die CDU im Land liegt mit 25 Prozent im Bundestrend und die AfD schließt auch im Saarland (23 Prozent) zu den bundesweiten Werten auf. Grüne und Linke haben (mit jeweils sieben Prozent) gute Chancen, den Sprung ins Landesparlament zu schaffen.
Nun sagen Sonntagfragen als Momentaufnahme in einem bestimmten Umfeld noch nicht allzu viel aus über Wahlen, die noch 15 Monate in der Zukunft liegen. Aber sie sind zumindest Ausgangslage zum Start in ein Jahr, in dem der Wahlkampf immer mehr an Fahrt aufnehmen wird und die politischen Auseinandersetzungen folglich an Schärfe zunehmen werden.
Dabei gibt es zwischen SPD und CDU im Grunde keine sonderlichen Unterschiede in der Beurteilung der Herausforderungen für das Land. Die machen sich eher an den Wegen zur Bewältigung fest. Bei der AfD ist dazu wenig zu erkennen. Die Partei hatte zuletzt darauf verzichtet, mit eigenen Anträgen in den Haushaltsberatungen eigene konkrete Maßnahmen zur Lösung der Probleme des Landes zu nennen. Ein 15-Monate-Dauerwahlkampf dürfte allerdings nur die wenigsten begeistern.
Die klare Mehrheit hat schließlich ziemlich eindeutig formuliert, was 2026 wichtig ist.