Der Journalist und Fotograf Thomas Reinhardt kam erst spät auf die Idee, mit der Kamera seine Heimat zu erforschen. In der Bilderschau „Unser Saarland“ erleben die Zuschauer das Bundesland aus unbekannten Perspektiven.
Atlantische Inseln, skandinavische Fjorde, das sonnige Bella Italia: Thomas Reinhardt liebt das Verreisen in andere Länder. Immer schon hat er dabei fotografiert, was ihm schön, faszinierend, interessant und besonders vorkam. „Ich bin mit meiner Kamera gern nah dran, um die Details sichtbar zu machen“, sagt er. Die gesammelten Fotos kombinierte er und präsentierte sie in 90-minütigen audiovisuellen Shows den Zuschauern. Das kommt an, das Publikum geht gern mit auf Thomas Reinhardts Bilder-Reise durch die Welt. Mit den Jahren schuf Thomas Reinhardt verschiedene Programme wie „Irlands wilder Westen“, „Italienische Impressionen“ und „Die Azoren – Inselhopping im Atlantik“. Vor einigen Jahren aber war Schluss. Die Corona-Pandemie beendete erst einmal das internationale Reisen ebenso wie öffentliche Veranstaltungen mit vielen Gästen. „In mir verstärkte sich die Idee, mich noch mehr auf das Saarland zu konzentrieren und es mit seinen vielen Schönheiten zu fotografieren.“ Gedacht, getan: Mit seiner Kamera ging er auf Fotosafari durch seine Heimat und präsentiert die Bilder an mehreren Terminen unter dem Titel „Unser Saarland“.
Zwei Stunden lang nimmt er die Zuschauer mit durchs Land. Wichtig war dem Fotografen, die Region aus Perspektiven und in Einzelheiten zu präsentieren, die sonst kaum jemand wahrgenommen oder gesehen hat. „Zweimal hatte ich die Gelegenheit, im Flugzeug mit erfahrenen Piloten über Teile des Saarlandes zu fliegen und Luftaufnahmen zu machen. Einmal hatten wir die Tür auf der Co-Piloten-Seite ausgehängt, damit ich freie Sicht hatte. Das war schon etwas abenteuerlich.“ Für andere Blickwinkel von oben besorgte sich der Tüftler eine Kameradrohne. Diese Fluggeräte, etwa einen halben Meter im Durchmesser, werden mit einer Fernsteuerung vom Boden aus bedient, sodass sie je nach Wunsch des Besitzers viele hunderte Meter weit und hoch fliegen. Dabei machen die Drohnen faszinierende Fotos und Filme. Sich mit dieser Technik vertraut zu machen und sie anzuwenden, stellt für Thomas Reinhardt keine besondere Herausforderung dar. „Ich finde es großartig, mich mit neuen Möglichkeiten der Fotografie zu beschäftigen“, sagt er. Fortschritt sei wichtig, um immer wieder etwas Besonderes zu präsentieren. „Mit den Drohnen ergeben sich reizvolle Blickwinkel.“ So wie die Saarschleife und die Mittelgebirge des Saarlands, diese Bilder seien schon fast einzigartig, findet er.
Fast bewegungslos auf der Lauer
So spektakulär wie das Fotografieren aus luftigen Höhen sind aber nicht alle von Reinhardts Ausflügen mit der Kamera. Zu seinem Portfolio gehören auch Detailaufnahmen von Pflanzen und Tieren. Um sie in ihrer Umgebung aufzunehmen, unternimmt Thomas Reinhardt immer wieder Touren in die Natur. Oft hilft der Zufall, ein gutes Bild zu bekommen. Einmal, erzählt er, sei er noch vor der Morgendämmerung losgefahren, um den Sonnenaufgang jenseits der Stadt zu fotografieren. „Allein das sehen ja die wenigsten Menschen.“ Glück war, dass er bei dieser Expedition die seltenen Polarlichter sah und schnell die Kamera in Position rückte. „Ein fantastischer Zufall war das.“ Zuweilen weniger leicht ist es, ein wildes Tier vor die Linse zu bekommen. Einmal, so berichtet er, habe er stundenlang fast bewegungslos und gut getarnt ausgeharrt, um einen Eisvogel zu fotografieren. „Ich wusste, das kann dauern, Eisvögel sind sehr scheu.“ Aber nur einfache Enten sah er durch sein Teleobjektiv, dann habe er aufgegeben und begonnen, seine Sachen zu packen. „Kaum bewegte ich mich, flog ein Eisvogel in meiner unmittelbaren Nähe hoch und davon. Er war die ganze Zeit da, ich hatte ihn nur nicht entdeckt.“
„Das Saarland ist ja ein Schlemmerland“
Solche kleinen Fehlschläge bringen Thomas Reinhardt nicht ab von seinem Ziel, immer das Beste zu geben. Diese Beharrlichkeit hat der jetzige Rentner in seinem Berufsleben als Redakteur bei der Saarbrücker Zeitung verinnerlicht. Vorgegeben war ihm diese Karriere in den Medien nicht. „Ich stamme aus einer typischen saarländischen Bergbaufamilie“, berichtet er. Vater und Großvater schufteten unter Tage. Aber als der jugendliche Thomas Reinhardt sich um einen Beruf Gedanken machte, hatte die Bergbauindustrie bereits ihren Höhepunkt überschritten. In den 1960er-Jahren traf die Kohlekrise das Saarland mit voller Wucht, was zu einem starken Rückgang der Arbeitsplätze und zur Schließung vieler Gruben führte. Thomas Reinhardt machte Abitur und begann ein Studium. „Schon in dieser Zeit habe ich journalistisch für die Zeitung gearbeitet“, erinnert sich der 69-Jährige. Seine ersten Texte fielen bei älteren Profis auf. „Der Junge hat’s drauf“, sagte ein Kollege und holte den Mann für ein Volontariat in den Verlag. „Ich habe klein angefangen und mich mit Lust, Leidenschaft und Talent hochgearbeitet.“ Gute 40 Jahre lang berichtete Thomas Reinhardt über die schier grenzenlose Vielfalt des Saarlandes. „Die Mittelgebirgslandschaft ist sehr abwechslungsreich – das reicht von Seen, Weihern und Flüssen über Wälder, Wiesen und Felder bis zu Burgen und Landmarken sowie reizvollen Pflanzen und Tieren“, weiß er. Dass die Saarländer zu feiern wissen und zudem Kulturfreunde sind, zeigt er in seinen Motiven über die Fastnacht, über das Filmfestival Max Ophüls Preis und das einstige Freiluftfestival Rocco del Schlacko. „Außerdem ist das Saarland ja ein Schlemmerland“, sagt er und hat mit der Kamera Sterneköche porträtiert und die regionale Hausmannskost, die klassisch-köstlichen Gerichte wie Dibbelabbes in Szene gesetzt.
Das Programm „Unser Saarland“ widmet sich jedoch auch der industriellen Vergangenheit der Region. „Ich präsentiere zunächst die Themen Bergbau und Stahlindustrie, die unser Bundesland geprägt haben.“ Die noch stehenden Schlote und Förderanlagen kombiniert er mit blauem Himmel oder strahlender Sonne als Hintergrund. Gekonnt setzt er die Stahlkolosse, die mancher Saarländer als Schönheit empfindet, in Szene. Da kann auch etwas Wehmut aufkommen, denn „ich zeige auch Bilder von Bauwerken, die gar nicht mehr da sind.“ Eine korrekte Einordnung in die Geschichte des Saarlandes sei obligatorisch, betont er. „Dabei hat mir meine journalistische Erfahrung aus jahrzehntelanger Zeitungsarbeit geholfen.“
„Live Text sprechen muss geübt werden“
Die Berichterstattung in Bild und Text, wie in einer gedruckten Zeitung, hat er weiterentwickelt. Das beginnt schon beim Fotografieren. Reinhardt speichert die Aufnahmen als Raw-Daten statt im JPG-Format. „Das erlaubt mir, die Bilder mit einer Software zu entwickeln und zu verbessern, um sie möglichst natürlich und lebendig zu zeigen.“ Zudem unterlegt er seine Programme mit Musik. Ob klassische Kompositionen, Rock-Sounds oder saarländische Traditionsmusik – je nach Thema gibt es den passenden Soundtrack aus Werken von und mit Helmut Eisel, der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern und anderen. „Dieses Zusammenspiel von Audio und Video ist mir besonders wichtig“, sagt er und ist trotz penibler Vorbereitung und guter Planung immer etwas aufgeregt vor den Aufführungen. Denn nicht alles ist gespeichert, um es jeweils identisch an allen Terminen zeigen zu können. „Ich stehe ja immer auf der Bühne und spreche meinen Text live. Das muss gut geübt werden.“
Aufführungstermine von „Unser Saarland“ finden in verschiedenen Städten bis Ende Februar statt. Danach zieht es den Fotografen wieder in die Ferne. Zu seinen Plänen gehörten Reisen auf die Azoren, nach Schottland und Italien. „Was das Saarland betrifft, bleiben mir keine Wünsche offen“, sagt Thomas Reinhardt.