Deutsche Gebäude belasten das Klima außergewöhnlich stark. Energieexperten erwarten von der neuen Regierung klare Worte und Regelungen, damit Immobilienbesitzer beim Sanieren zielstrebig zum Energie- und Wärmesparen schreiten.
Nehmen wir die Wärmewende: Seit die Ampelregierung auf Klimakrise und Gasknappheit infolge des Ukraine-Kriegs reagierte, beherrscht ein verstörendes Bild aus Missverständnissen die Diskussionen übers Heizen. Experten empfehlen deshalb der neuen Regierung, klare Rahmenbedingungen für die Wärmewende zu schaffen. Auch: klarer zu kommunizieren. Und den in den Koalitionsgesprächen verwendeten Begriff „Emissionseffizienz“ durch etwas Verständlicheres zu ersetzen.
Geld sollte in Sanierungen fließen
Künftig wird der Gebäudebereich in den Emissionshandel einbezogen. Das heißt, beim Sanieren Energieeffizienz und Wärmewende nicht anzugehen, kostet Geld. Sofern wir das Ziel verfehlen, beim Klimaschutz bis 2045 klimaneutral zu werden, sogar sehr viel. Geld, das besser in Sanierungen oder deren Förderung angelegt wäre. Laut Umweltbundesamt lag 2023 der Anteil der Gebäude, inklusive verbrauchter Fernwärme und Strom, bei etwa 28 Prozent der Gesamtemissionen. Wohngebäude verursachten zu diesem Zeitpunkt etwa drei Viertel der gesamten Treibhausgasemissionen des Gebäudesektors.
Prof. Dr. Martin Pehnt, Wissenschaftlicher Geschäftsführer und Vorstand des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (Ifeu), hält es für wichtig, dass die EU-Gebäuderichtlinie EPBD schnell und pragmatisch umgesetzt wird. Der Energie- und Umweltforscher erklärt, warum der Begriff „Emissionseffizienz“ wenig zielführend ist: „Wenn man nur noch Treibhausgase steuert und der Strommix oder die Biomasse als nahezu klimaneutral daherkommen, dann hat ein Gebäude, das mit grünem Strom beheizt wird, fast null Gramm Treibhausgase im Betrieb und ein Gebäude, das mit grünen Gasen geheizt wird, auch.“
Egal, wie viel es davon verbrauche, man multipliziere immer mit null. „Und deswegen spiegelt dieser Indikator einfach nicht die Menge an Energie, die ich brauche, und damit auch die Menge an Energieträgern, die ich bezahlen muss, wider“, betont Pehnt. Der Heidelberger Wissenschaftler bringt dazu ein Beispiel: „Ich habe ein Haus mit einer Nachtspeicherheizung, das hat einen Wirkungsgrad von 100 Prozent. Ein Haus mit einer Wärmepumpe, das einen Wirkungsgrad von 350 Prozent hat, also mehr als dreimal so effizient ist, braucht deswegen dreimal weniger Strom als das Nachtspeicherheizungshaus. Und trotzdem haben sie die gleiche Treibhausgasbewertung, weil in Zukunft die Energieträger ja immer weiter klimafreundlich sein werden.“
Es kommt auf die Sparsamkeit an
Mieter könnten an der Treibhausgasbilanz nicht mehr ablesen, welche Warmmieten auf sie zukommen: „Es könnte auch ein sehr hoher Verbrauch von grünen Energieträgern sein.“ Beim Begriff „Emissionseffizienz“ würden zwei Dinge in einen Topf geworfen. Hinzu kämen die „grauen Emissionen“ aus der Herstellung, die in dieses Konzept der Emissionseffizienz mit hineinspielten. Pehnts Fazit zur Untauglichkeit des Begriffs „Emissionseffizienz“: „Nachher kann man dann im Extremfall ein Holzhaus bauen, das noch mit Gas beheizt ist.“ Das Problem, laut Pehnt: „Man entfernt sich einfach von diesem Schutzgut ‚sparsames Gebäude‘ immer mehr und lastet diese Dekarbonisierung dann im Energiesystem auf.“
Es kommt also auf die Sparsamkeit an. Beim Bauen, beim Sanieren. Was gar nicht verbraucht wird, muss nicht bezahlt werden und schadet dem Klima nicht. Eine Nullrechnung, die aufginge. Die Verbraucherzentrale Bayern warnt vor unseriöser Werbung für neue Gasheizungen, die als kostengünstige Lösung angepriesen werden. Die Verbraucherschützer weisen darauf hin, dass die Betriebskosten für Gasheizungen in Zukunft höher sein könnten als für klimaschonendere Alternativen.
Doch wie sollen die Menschen wissen, wo’s langgeht, um nachhaltig zu sanieren, ohne ihre Finanzen überzustrapazieren? „Ich glaube, Verunsicherung heißt auch, die Leute fühlen sich alleingelassen“, sagt Pehnt. Der Energieexperte verweist auf Genossenschaften, regionale Energieagenturen und zentrale Anlaufstellen, sogenannte „One-Stop-Shops“, die beim nachhaltigen Sanieren helfen könnten. „Da wird man wirklich an die Hand genommen entlang der Sanierungsreise, da hakt jemand nach, da bekommt man Hinweise zu guten Handwerkenden und Tipps, wie man einen Förderantrag ausfüllt.“
Zusätzlich erhofft sich der Energie- und Umweltforscher von der neuen Regierung einen guten Rechtsrahmen für Wärmenetze und Energiepreise.