Astro-Experte und Fotograf Stefan Seip erlebte weltweit an die 50 Finsternisse. Zur bevorstehenden Sonnenfinsternis am 12. August bietet er eine Foto-Tour auf Mallorca an, von wo aus das Naturphänomen besonders spektakulär zu sehen sein wird.
Es zählt zu den wohl faszinierendsten Ereignissen, die wir in unserem irdischen Dasein mit etwas Glück erleben dürfen: Eine Sonnenfinsternis, wie sie uns am 12. August 2026 bevorsteht. An dem Tag lässt sich das kosmische Schauspiel in vielen Ecken Europas bestens beobachten. Vorausgesetzt, es ist nicht bewölkt.
Von Nord-Russland über Island, Spanien bis zu den Balearen kommt es zu einer totalen Sonnenfinsternis. Der Neumond wird dann für einige Zeit genau zwischen Sonne und Erde stehen, was letztere in vielen Regionen verdunkelt. Deutschland liegt außerhalb der „Totalitätszone“. Doch auch die sogenannte partielle Sonnenfinsternis verspricht spektakulär zu werden – unter anderem, weil sie abends zu sehen ist. Das führt dazu, dass die verfinsterte Sonne bei uns am 12. August vor allem nach 19 Uhr als schmale Sichel am Horizont steht.
„Der Bedeckungsgrad für Berlin liegt dann beispielsweise bei fast 85 Prozent. Ab 19.15 Uhr tritt hier der Mond zwischen Sonne und Erde. Das Himmelspektakel dauert in Berlin eine Stunde und 43 Minuten, davon sichtbar sind eine Stunde und 24 Minuten, weil die Sonne schon vor dem Ende der Finsternis untergeht“, so Astro-Fotograf Stefan Seip, ein Experte, der sich schon seit seiner Jugend mit der Materie befasst.
„An der Nordküste Spaniens, unter anderem in Oviedo, wird die Sonnenfinsternis beispielsweise noch vorm Sonnenuntergang enden. An der Ostküste der Iberischen Halbinsel geht sie dagegen partiell verfinstert unter“, erklärt der Stuttgarter, dessen Fotos schon weltweit in Magazinen und Zeitungen, unter anderem in China, Neuseeland und den USA, veröffentlicht wurden. Einige seiner besten Aufnahmen erschienen jetzt im Info-Buch „Sonnenfinsternis über Europa: Das kosmische Spektakel am 12. August 2026“ (Kosmos-Verlag). Autor Werner E. Celnik hat darin alle wichtigen Infos zum Ereignis zusammengefasst. Landkarten zeigen, von welchen Orten aus man die Finsternis am besten sieht. Die dem Buch beiliegende Sonnenbrille garantiert zudem eine sichere Beobachtung. Die Lektüre enthält außerdem einen Ausblick auf alle Sonnenfinsternisse weltweit bis zum Jahr 2039!
Stefan Seip selbst will am 12. August dort sein, wo die Finsternis vielen am außergewöhnlichsten erscheint: auf Mallorca. Hier führt er eine seiner Foto-Touren, die er seit 16 Jahren anbietet. „Das wird hier zum Jahrhundertereignis. Denn vor Mallorca und anderen Balearen-Inseln wird die total verfinsterte Sonne nur knapp über dem Meer stehen und ein tolles Motiv abgeben. Dann versinkt sie als Sichel am Meer“, so der Mittsechziger, der eigenen Worten nach weltweit an die 50 Mond- und Sonnenfinsternisse live miterlebte.
Eine teure Kamera ist kein Garant
Besonders hervorheben möchte er auf Nachfrage aber keins der Himmelsereignisse: „Jede Finsternis ist für sich beeindruckend. Bei totalen Sonnenfinsternissen hab ich schon Leute weinen sehen. Meine Faszination bezieht sich im Wesentlichen auf zwei Dinge: Erstens sieht man während der Totalität die Korona der Sonne, also die Sonnenatmosphäre, die Magnetfeldlinien der Sonne sowie rote sogenannte Protuberanzen (leuchtende Gasauswürfe auf der Sonne, Anm. d. Red.) am Sonnenrand. Und zweitens: Für die Seele ist es in irgendeiner Weise zunächst erschreckend, wenn das Tageslicht plötzlich verschwindet. Obwohl man die Totalität genießt und bestaunt, ist man dennoch froh, wenn es wieder hell wird.“
Die Magie einer Finsternis ergebe sich des Weiteren auch aus der „kosmischen Dynamik“, wenn sich Sonne und Mond fürs bloße Auge sichtbar relativ zueinander bewegen. Besonders sei außerdem, dass es für viele Gegenden Deutschlands eine der stärksten Sonnenfinsternisse seit dem 11. August 1999 ist. In Berlin und Brandenburg war an dem Tag eine tiefe partielle Sonnenfinsternis zu sehen. Doch auch die Sonnenfinsternisse am 31. Mai 2003, am 3. Oktober 2005, am 4. Januar 2011 und am 20. März 2015 wiesen in Deutschland und Teilen Europas einen nennenswerten Bedeckungsgrad auf, so der Hinweis von Stefan Seip.
Zur Fotografie kam der Diplom-Biologe und Computerspezialist schon als Kind, wie er sagt. „Mit 14 Jahren bekam ich die erste ordentliche Kamera geschenkt. Die hab ich übrigens noch immer und fotografiere damit gelegentlich auch noch. Mit der Fotografie begann ich mehr oder weniger aus Langeweile. Ich war kein Fußballfan und auch keiner, der in Clubs ging, ein bisschen ein Eigenbrötler. Ich fragte mich: ‚Was machst du nun mit deinem Leben?‘“, so der Profi-Fotograf, der 1991 dienstbedingt aus einer hessischen Kleinstadt nach Stuttgart zog. „Mir fiel damals gleich auf, dass es hier viele gute Foto-Geschäfte gab. Und ich bin ehrlich: Mein allererster Gedanke war seinerzeit, dass ich 1999 in Stuttgart eine Sonnenfinsternis erleben würde“, lächelt Stefan Seip.
„Stuttgart ist eine angenehme Stadt und hat für mich auch die richtige Größe. Ohne weit fahren zu müssen, bin ich schnell in der Natur, aber auch in den Alpen und in Italien“, sagt der Baden-Württemberger, der mit einer Touristengruppe gerade 14 Tage in Namibia fotografierte. Man habe auf einer „Astro-Farm“ gelebt. „Die Qualität des dunklen Nachthimmels ist hier atemberaubend und für mich noch einen Tick besser als in Chile“, berichtet Seip von der Tour. Afrika habe es ihm ohnehin angetan. Der Foto-Profi schwärmt unter anderem von Wüsten, der Atlantikküste und der faszinierenden Tierwelt des Kontinents. Das alles lasse sich natürlich auch hervorragend fotografieren.
Auf Berlin und den Osten Deutschlands angesprochen, wirkt der gebürtige Hesse sehr interessiert. Zuletzt habe er Dresden und Leipzig besucht, für 2028 plane er eine Tour nach Potsdam. „Berlin mag ich auch, nur leben würde ich hier eher nicht: für mich wär’s zu groß und zu anstrengend“, schmunzelt Stefan Seip. Der verweist am Ende des Gesprächs noch darauf, dass eine teure Kamera keineswegs ein Garant für gute Bilder sei. Hohe Investitionen sind nicht ausschlaggebend, ein gutes Auge fürs Foto-Motiv schon eher!
Die letzte totale Sonnenfinsternis erlebten Berliner übrigens am 18. August 1887 – die nächste komplette Finsternis wird es am 7. Oktober 2135 geben.