Aufsteiger SV Tasmania feiert beim FSV Luckenwalde die ersten Punkte in der Regionalliga Nordost. Beim 3:2-Auswärtssieg avancieren der späte Torschütze Rintaro Yajima und Torwart Elias Höftmann zu den Matchwinnern der Berliner.
Kalt wie die Klinge eines Messers blieb Elias Höftmann auch in der Nachspielzeit. Der Torwart des SV Tasmania sicherte mit seinen Paraden dem Aufsteiger die ersten drei Punkte in der Regionalliga Nordost. Dabei hatten sich die Gastgeber vom FSV 63 Luckenwalde alles anders vorgestellt. In der ersten englischen Woche der neuen Spielzeit waren sie schließlich zuvor selbst als überraschender Sieger vom Team des 1. FC Magdeburg II mit 1:0 nach Hause gefahren. Ebenfalls die ersten Punkte, der erste Sieg. Das hätte auf die Stärkung des Selbstbewusstseins unbedingt Einfluss haben sollen. Nun war das 2:3 (1:2) gegen die Berliner am vierten Spieltag aber keine Freude – so wie sie sich Vorstand, Trainer und Anhang ausgemalt hatten. „Gegen Magdeburg hätte ich nicht mit drei Punkten gerechnet, während ich zu Hause gegen diesen Aufsteiger, der bisher bereits 13 Tore in drei Spielen kassiert hatte, fest mit einem Sieg gerechnet habe“, sagte ein Mannschaftsbetreuer der Teltow-Fläminger.
Bekannt als historisches Zentrum einer nun längst untergegangenen Hut-industrie sah man im schönen kleinen Werner-Seelenbinder-Stadion von Luckenwalde erstaunlich wenige unter den etwa 700 Zuschauern, die eine Kopfbedeckung trugen. Die pralle Sonne war nicht nur für manche der etwas älteren Akteure auf beiden Seiten kein Vergnügen. Besonders dem ballsicheren Routinier Tahsin Cakmak auf Seiten der Gäste merkte man an, dass jeder Meter zu viel gespart werden sollte. Im zweiten Abschnitt konnte man ähnliches von Luckenwaldes Kapitän Andreas Pollasch sagen. Der ist seit Juli 2025 in Luckenwalde, brachte Erfahrung in der Regionalliga vom SV Babelsberg mit. Erstaunlich jedenfalls, dass es hier keine Trinkpausen gab. Ob das den Erkenntnissen der Sportmedizin entspricht, bleibt als Frage stehen. Derweil hatten sich einige Spieler beider Teams nach etwa einer halben Stunde selbst einen kleinen Umtrunk gegönnt, als ein Luckenwalder verletzt am Boden lag.
Fabio Schneider (17.) brachte die Gastgeber früh in Führung. Da sah es zunächst so aus, als kämen die Gäste überhaupt nicht aus der eigenen Hälfte zu eigenen Offensivaktionen. Sehr lange hatte das 1:0 jedoch nicht Bestand. Tasmanias Erich Berko (28.) glich nach etwas mehr als zehn Minuten aus. Nach einigen Flipperaktionen im und um den Strafraum war die Kugel plötzlich im Tor. „Ra, ra, ra, Tasmania“, klang es aus dem kleinen Gästeblock von den etwa 30 mit der Bahn angereisten Gästeanhängern. Doch die Berliner aus Neukölln hatten Glück: Der Unparteiische Jens Klemm war sich zunächst nicht sicher. Nach Austausch mit dem Assistenten zeigte er aber auf den Punkt. Ein Abwehrspieler der Heimelf hatte den Ball mit der Hand im Strafraum gespielt. Tahsin Cakmak (33.) erzielte so per Elfmeter das 2:1 für seine Mannschaft – die Anhänger auf beiden Seiten trauten ihren Augen nicht. In die Halbzeit ging es für die favorisierte Elf also mit einem Rückstand.
Doch auch dieser Spielstand hielt nicht lange. Felix Pilger (47.) glich mit dem zweiten ernsthaften Angriff kurz nach dem Start der zweiten Halbzeit per Kopf für Luckenwalde aus. Die Mienen der Berliner Fans wurden wieder maskenhafter. Eine weitere Niederlage bahnte sich an. Für ihre kleine Fangruppe lohnte sich nach Auskunft eines Mitreisenden der Weg in den eigentlichen Fanblock nicht. Der blieb an diesem Tag leer. Die Überlegenheit der Hausherren war in dieser Phase von keiner Position zu übersehen. Als es so schien, dass sich die Mannschaften die Punkte teilen wollten, war es Rintaro Yajima (87.), der völlig überraschend noch den erneuten Führungstreffer zum 3:2 für die Berliner erzielte.
Bisher noch nie von Beginn an im Kasten
So hatte der kleinste Spieler in einer Traube, die zum Kopfball hochstieg, seiner Mannschaft den ersten Dreier – und überhaupt die ersten Punkte in der neuen Liga – gesichert. Keine gute Figur gab dabei der zuvor sichere Luckenwalder Keeper Jasper Kühn (23) ab. Der Kopfball auf Flanke des Einwechslers Yona Sambale hatte keine Schärfe, suchte sich aber den Weg in die äußerste linke Ecke. Kühn sah der Kugel verträumt hinterher, dachte wohl, dass sie ins Aus kullern würde. Der neue Luckenwalder Torwart kommt ursprünglich aus dem Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) der Berliner Hertha. Mit Zwischenstation Hertha 03 Zehlendorf landete er beim Regionalliga-Konkurrenten FSV Zwickau. Dort verlängerte man seinen Vertrag auch kürzlich bis zum Sommer 2028. Nun hat er für ein Jahr Leihspielerstatus in Teltow-Fläming, muss sich hier unter drei Keepern des Teams bewähren. In den bisherigen Partien seiner Mannschaft hatte Kevin Tittel den Kasten gehütet.
Höftmann (22), auf der anderen Seite im Tor, stand in den ausgetragenen drei Begegnungen der Meisterschaftsrunde bisher auch nie von Beginn an im Kasten. Ausgebildet im Förderkader des Ex-Hansa-Rostock-Spielers René Schneider, war er zuletzt Stammtorwart beim Oberligisten TSG Neustrelitz in Mecklenburg. Sein Glück, einen Platz beim Aufsteiger zu ergattern, war dem Pech von Tas-Torwart Mateusz Mika (38) in der Partie bei Rot-Weiß Erfurt (0:6) zu verdanken. Der sah nach einem vermeintlichen Foul außerhalb des Strafraumes glatt Rot, wird seinem Team in den nächsten ein oder zwei Partien fehlen. FORUM sprach Mika, der mitgefahren war, vor dem Spiel auf die Situation an. „Es war eine harte Entscheidung, eher fädelte der Erfurter Spieler bei mir ein. Nun muss ich die Länge der Sperre abwarten“, sagte der Torwartroutinier – zuvor jahrelang beim Berliner Oberligisten Sparta Lichtenberg in der Stammformation.
In Luckenwalde gibt es bei den Heimspielen keine Anhänger-Choreografie, keine Banner, keine Fähnchen wie von anderswo in der Liga gewohnt. Man denke nur an die Großen der Regionalliga, darunter – mit Ausnahme der VSG Altglienicke – die Aufstiegsfavoriten aus Leipzig, Aue, Erfurt und auch die Chemnitzer. Vereinzelt sind hier raue Männerstimmen mit etwas zaghaften Anfeuerungsrufen zu hören. Die wenigen Berliner schräg gegenüber sind definitiv lauter.
Keine lauten Worte finden beide Trainer auf der Pressekonferenz. Die erste Einschätzung hatte für die Gäste nicht Bahman Foroutan, der ist zwar offiziell einer der beiden Trainer, aber als Co-Trainer auch der Onkel vom Entscheidungsträger auf der Trainerbank. Das ist Pardis Fardjad-Azad. „Unsere Strukturen sind noch nicht vergleichbar mit denen in Luckenwalde. Ich bin total froh, dass wir hier überraschend die ersten Punkte geholt haben. Hoffentlich gehört dieses sympathische Team in der Abrechnung mit uns zusammen nicht zu den Absteigern“, sprudelt es aus dem Coach heraus.
Der FSV Luckenwalde hat seit Saisonbeginn einen neuen Trainer: Patrick Weiser war Jugendtrainer bei Bayer Leverkusen, später im NLZ des Drittligisten FC Ingolstadt. „Es haben sich etwa 150 Bewerber für den Posten bei uns gemeldet“, sagte Pressesprecher Fred Krüger. Der Wohnsitz vom Vater des Ex-Herthaners (heute bei Werder Bremen) Mitchel Weiser ist – wie auch von einigen Akteuren aus seiner Mannschaft – in Berlin. Der Ex-Bundesligaspieler nutzt nach eigenen Worten den Fahrweg hin zum Training und zum Spiel von etwa 70 Minuten zur Besinnung. Zur Analyse konnte er nach der Niederlage im Kern nur Allgemeines beitragen: „Für drei Punkte waren wir einfach nicht gut genug!“
Die verlorenen Punkte demnächst ausgerechnet beim FSV Zwickau auszugleichen, dürfte nicht einfach werden. Die Tasmanen werden es in ihrem Heimstadion, das bekanntlich ebenfalls nach Sportikone Werner Seelenbinder benannt ist, auch nicht leicht haben. Vorjahresmeister Lok Leipzig hat nach der Heimniederlage gegen Hertha BSC II (1:2) viel gutzumachen.