Planet A Foods hat auf Basis von Sonnenblumenkernen und Hafer ein Ersatzprodukt für Schokolade entwickelt. Wir fragten bei Sara Marquart nach, wie.
Frau Dr. Marquart, wie sind Sie auf die Idee gekommen, Schokolade neu zu erfinden – ökologisch und lecker?
Tatsächlich war es die Lektüre von Rob Dunns „Never Out of Season“, die mir die Dringlichkeit der Lage bei bedrohten Lebensmitteln wie Kakao durch den Klimawandel vor Augen führte. Mit diesem Anstoß und meinem Hintergrund in der Lebensmittelchemie habe ich dann die nötige Expertise gehabt, um mit ChoViva eine nachhaltige Schokoladenalternative zu kreieren, die geschmacklich überzeugt.
Schokolade soll auch wohltuende Wirkungen auf die Gesundheit, die Arbeitsfreude und die Lust am Leben haben. Ließen Sie sich von solchen Kriterien leiten, als Sie ChoViva entwickelten?
Natürlich. Schokolade ist ja mehr als Nahrung – es ist ein Gefühl, ein kleiner Moment für sich. Das wollte ich erhalten, nicht wegnehmen. Und ich glaube, genau das macht ChoViva aus: Man kann diesen Moment genießen, ohne hinterher an Regenwald und CO2 denken zu müssen.
Sind Sie von Schokoladenprodukten, die nicht schmecken, inspiriert worden, Schokoladenalternativen zu erforschen und zu entwickeln, die lecker sind, aber trotzdem nicht die Welt kosten?
Es war nicht der Geschmack, der mich antrieb, sondern die Vision, den Schokoladengenuss von der ökologischen Last des Kakaos zu befreien. Mein Ziel ist es, mit ChoViva eine exzellente Alternative zu schaffen, die nicht die Welt kostet – weder beim Preis an der Kasse noch für unseren Planeten.
Wie gehen Sie vor, um bei der Entwicklung, Verbesserung und Herstellung Ihrer Schokoladenalternativen den ökologischen Fußabdruck möglichst klein zu halten?
Wir arbeiten eng mit Klimapartnern zusammen, die jeden einzelnen Herstellungsschritt präzise bilanzieren. Die 80-prozentige Kohlendioxid-Ersparnis erzielen wir dabei vor allem durch deutlich kürzere Lieferwege, da unsere Sonnenblumenkerne direkt aus der EU stammen, sowie durch den direkten Verzicht auf die mit klassischem Kakaoanbau verbundene Regenwaldabholzung.
Wenden Sie wissenschaftliche Prinzipien an, um für die Schokoladenherstellung praktische, innovative Lösungen zu entwickeln, zu konstruieren und zu verbessern, die ohne Kakao auskommen?
Die entscheidende Erkenntnis kam während meiner Forschung an der Züricher Universität: Etwa 80 Prozent dessen, was wir als Schokoladengeschmack wahrnehmen, entsteht durch den Verarbeitungsprozess – durch Rösten, Fermentieren, Conchieren – und nicht durch die Kakaobohne selbst. Das war mein Schlüsselmoment: Wenn der Geschmack im Prozess entsteht, brauche ich keine Kakaobohne. Dann kann ich Sonnenblumenkerne nehmen und durch den richtigen Prozess denselben Geschmack erzeugen – komplett natürlich, ohne Zusatzstoffe.
Das heißt also, dass Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe in Produkten, die nach Schokolade schmecken sollen, vermeidbar sind?
Absolut. Unsere Zutatenliste ist kurz: Sonnenblumenkerne, Traubenkernmehl, Zucker, pflanzliche Fette. Keine Geschmacksverstärker, keine Konservierungsstoffe. Der Geschmack kommt komplett aus dem Prozess, nicht aus dem Labor. Das ist ja gerade der Punkt: Wenn man die Prozessführung beherrscht, braucht man keine künstlichen Krücken.
Ist kakaolose Schokolade automatisch vegan?
Kakaolos bedeutet nicht automatisch vegan. Doch das Schöne an unserer Arbeit ist die Flexibilität: Wir bieten ChoViva aktuell in vier Rezepturen an, die von klassischen Varianten mit Milch bis hin zu rein veganen Optionen auf Basis von Sonnenblumenkernmehl reichen. So stellen wir sicher, dass jeder ganz nach seinem persönlichen Lebensstil und individuellen Geschmack genießen kann, ohne Kompromisse beim Wohlgefühl eingehen zu müssen.
ChoViva ist mittlerweile in vielen Süßigkeiten in Supermärkten, aber auch in anderen „Schokoladen“-Produkten zu finden. Wissen und schmecken die Kunden, wenn beispielsweise Osterhasen und Kuchenkuvertüre nicht mit Kakao hergestellt wurden?
Wir machen regelmäßig Blindverkostungen, und die häufigste Reaktion ist: „Das soll kein Kakao sein?“ Viele merken den Unterschied tatsächlich nicht. Natürlich kommunizieren wir auf der Verpackung transparent, dass es ChoViva und kein Kakao ist. Aber die Tatsache, dass der Geschmack so nah dran ist, zeigt mir, dass unser Prozess funktioniert.