100 Jahre ist der Funkturm alt und Wahrzeichen des alten West-Berlins. Extra zum Geburtstag wurde der „Lange Lulatsch“ generalsaniert, aber ein wirklicher Publikumsmagnet ist er trotzdem nicht.
Bereits 25 Jahre hintereinander am Empfang des Funkturms stehen und Eintrittskarten kontrollieren, klingt nach einem ziemlich langweiligen Job. „Nein, das ist immer ganz witzig, weil ich zum Beispiel sofort sehe: Die beiden, die da kommen, machen jetzt ernst und geben sich oben ihr Ja-Wort“, lacht Sabine Leesch im FORUM-Gespräch. „Wenn man so eine Entscheidung fürs Leben trifft, dann zieht man sich ja auch festlich an und man spürt schon so ein bisschen die Aufgeregtheit. Ich rufe dann im Büro an und die bringen mir dann ganz schnell einen kleinen Blumenstrauß für das Pärchen“, berichtet die 66-Jährige sichtlich von ihrem Job begeistert. Aber es gibt auch Menschen, die zwar online ihr Ticket für 12 Euro gebucht haben, aber „dann bestimmt eine Viertelstunde, 20 Minuten draußen um den Turm rumlaufen, ehrfürchtig noch oben schauen, weitergehen, dann wieder respektvoller Blick Richtung Himmel“. Die spricht Sabine Leesch dann einfach direkt an, ob sie nicht reinkommen und hochfahren wollen. Sie versucht dann mit vielen guten Worten die Angst zu nehmen, aber das klappt nicht immer. „Höhenangst, dazu gehört ja auch die Angst vorm Fliegen, kann man nicht einfach so nehmen. Sie bekommen für ihr Ticket das Geld zurück, so kulant muss man sein.“ Doch oft kommt das nicht vor, sondern es überwiegen die schönen Geschichten.
Strenge Kontrolle der Wetterbedingungen
Nebenbei ist die Funkturm-Wächterin auch noch mit den Wetterfröschen in engem Kontakt. In ihrem kleinen Empfangsgebäude unter dem fast 150 Meter hohen Stahlbau hängt ein riesiger Flachbildschirm. Darauf alle Wetterdaten, die für den sicheren Betrieb oben auf der Plattform wichtig sind: Temperatur, Bedeckungsgrad und riesengroß die Windgeschwindigkeit. Daneben eine Ampel. Grün heißt, alles gut, Orange Achtung, „dann rufe ich schon mal bei den Meteorologen an und frage nach, ob der Wind weiter zunimmt und ich mich schon mal die Schließung vorbereiten soll“. Bei stärkerem Wind und selbstverständlich Schnee und Eis ist die Aussichtsplattform oben in 130 Metern Höhe für das Publikum gesperrt. Je nach Windstärke bleibt das Funkturmrestaurant in gut 50 Metern Höhe geöffnet.
Der Funkturm wurde nicht nur von außen total saniert, sondern auch das Restaurant. Wobei die Messe Berlin sich das richtig Geld hat kosten lassen, der Funkturm steht nicht nur von außen unter Denkmalschutz, sondern auch im Inneren. Es ist der klassische Still der 20er-Jahre. „Das ist dann immer ein Hingucker, gerade wo es momentan so ein 20er-Jahre-Revival gibt“, freut sich Emanuel Höger von der Messe Berlin, er ist sozusagen der oberste Funkturmbeauftragte und hat die gesamten Geburtstags-Feiern vorbereitet. „Wir haben das mit Absicht nicht auf einen Tag, also den 3. September, konzentriert, sondern bereits im März angefangen“, so Höger.
Selbstverständlich wird es am tatsächlich 100. Ehrentag eine Party geben. Es bietet sich an, wie 1926 ist auch dieses Jahr wieder die Funkausstellung.
Ein Besuchermagnet ist der Funkturm allerdings nicht, also anders als der Fernsehturm, die jüngere Sendemast-Schwester am Alexanderplatz. Lange Schlangen gibt es hier eher nicht, „was natürlich auch daran liegt, dass wir beim Ticketverkauf komplett auf Online-Tickets umgestellt haben und so den Publikumsverkehr steuern können und auch müssen“, so Höger. Das liegt daran, dass es nur einen Fahrstuhl gibt, gerade wieder auf den neuesten Stand der Technik gebracht, in den höchstens sechs Personen passen. Auch oben auf der Aussichtsplattform, im Freien wohlgemerkt, ist vielleicht für 30 Personen Platz, die durch zwei kleine Treppenaufgänge rechts und links des Fahrstuhls hoch an die frische Luft gelangen. „Dann darf man nicht vergessen, wir hatten jetzt drei Jahre wegen der Sanierung geschlossen, aber die Anfrage im Vorfeld des Geburtstags hat kräftig angezogen“, freut sich die Messe Berlin. Die allerdings nicht Besitzerin des Funkturms ist, sondern durch den Standort auf dem Messegelände sozusagen die Turmverwaltung innehat.
Dem Liegenschaftsamt Berlin gehört der Turm. „Doch die mischen sich hier überhaupt nicht ein, sondern die gesamte Eventplanung und so weiter liegt alles in unserer Hand.“ Und noch ein Geheimnis lüftet Emanuel Höger an diesem Vormittag. In welcher Farbe der Funkturm im Dunkeln angestrahlt wird, entscheidet ebenfalls die Messe. Je nach Ausstellung wechselt dann die Farbe von Weiß in Orange, Blau oder Grün. „Eine kleine Orientierungshilfe für die Aussteller, die ja meist hier drum herum in einem Hotel wohnen und dann immer wissen, wo sie hinmüssen“, schmunzelt Höger.