Der SSV Jahn Regensburg hat nach einer enttäuschenden Saison an entscheidenden Stellen umgebaut. Trainer Sascha Hildmann setzt auf Intensität, Gegenpressing und eine neu formierte Offensive. Das macht die Oberpfälzer unangenehm – wie der Auftakt bewies.
Die Zeit der Tests und taktischen Planspiele ist vorbei. Wenn der 1. FC Saarbrücken am Sonntag im Jahnstadion antritt, hat der SSV Jahn Regensburg bereits die ersten 90 Minuten der neuen Saison hinter sich. Nach dem furiosen Auftakterfolg bei Viktoria Köln geht es nun darum, ob Sascha Hildmanns Team diese Leistung konservieren kann.
Jetzt muss sich zeigen, ob die Oberpfälzer ihre neue Idee auch unter Wettbewerbsbedingungen dauerhaft auf den Platz bringen.
Der Jahn startet mit einem deutlich veränderten Offensivzentrum, aber ohne radikalen Kaderumbruch, in das erste Heimspiel. Nach dem enttäuschenden 13. Platz der Vorsaison wurden zentrale Rollen neu besetzt. Der Verein setzt dabei nicht auf einen kurzfristigen Kraftakt, sondern auf einen schrittweisen Neuaufbau unter Hildmann, dessen Vertrag bis 2028 läuft.
Hildmann brachte Struktur
Die Vorbereitung lieferte ein wechselhaftes Bild. Regensburg drehte gegen den SV Ried einen 0:2-Rückstand noch in ein 4:2, kam gegen den FC Schwaig aber nicht über ein 2:2 hinaus und verlor anschließend 2:3 gegen den Regionalligisten DJK Vilzing. Siege gegen die Stuttgarter Kickers und den SSV Ulm sorgten für einen versöhnlichen Abschluss. Die Erkenntnis blieb dennoch dieselbe: Der Jahn besitzt bereits eine klare Idee, war teilweise aber auch verwundbar. In Köln präsentierte man sich aber sehr stabil.
Als Zweitliga-Absteiger war Regensburg mit anderen Erwartungen in die vergangene Saison gegangen. Am Ende standen 49 Punkte, 54:58 Tore und Rang 13. Für einen Verein, der den direkten Wiederaufstieg anpeilen wollte, war das zu wenig. Immerhin stabilisierte sich die Mannschaft unter Hildmann, der den Trainerposten erst Ende März übernahm. Der 54-Jährige passt mit seiner Vorstellung von Fußball zum Selbstbild des Vereins. „Dieses laufintensive Spiel, dieses Mentalitätsspiel – das liegt mir sehr“, sagt Hildmann.
Seine Mannschaft soll hoch anlaufen, zweite Bälle erobern und nach Ballverlusten sofort nachsetzen. „Wenn wir den Ball verlieren, will ich ihn schnellstmöglich zurückerobern“, beschreibt der Trainer seine Idee. Es geht um kontrollierte Aggressivität: Druck erzeugen, das Zentrum schließen und nach Ballgewinnen schnell zum Abschluss kommen.
In den Tests sowie in Köln ließ Hildmann überwiegend in einem 4-2-2-2 spielen. Adrian Fein und Neuzugang Erik Majetschak bildeten die Doppelsechs, davor rückten Nassim Boujellab und David Philipp in die Halbräume ein. Zwei Angreifer banden die letzte Linie, die Außenverteidiger sorgten für die Breite. So entsteht eine enge Staffelung mit kurzen Passwegen und der Möglichkeit, unmittelbar ins Gegenpressing zu kommen. Gerade im offensiven Zentrum hat Regensburg kräftig umgebaut. Der schwerste Verlust ist der von Angreifer Eric Hottmann, der den Verein per Ausstiegsklausel in Richtung Fortuna Düsseldorf verlassen hat. Auch Torhüter Felix Gebhardt, Routinier Andreas Geipl und Christian Kühlwetter gingen. Kühlwetter schloss sich ausgerechnet dem 1. FC Saarbrücken an. Damit verlor der Jahn nicht nur sportliche Qualität, sondern auch Erfahrung und Hierarchie.
Die Verantwortung verteilt sich nun auf mehrere neue Schultern. Boujellab ist der technisch stärkste Zugang und soll die Verbindung zwischen Mittelfeld und Angriff herstellen. Philipp bringt Dynamik, Standards und Torgefahr mit. Gegen Schwaig und die Stuttgarter Kickers traf er aus dem Spiel, gegen Vilzing per direktem Freistoß. Majetschak gibt der Zentrale Körperlichkeit. Im Angriff ergänzten sich Marco Wörner und Patrick Hobsch während der Vorbereitung. Als Wörner zum Auftakt passen musste, sprang Lucas Hermes ein.
Der Jahn kann mit aggressiven Anfangsphasen einen Gegner einschnüren. Boujellab und Philipp tauchen zwischen den Linien auf, Fein lenkt den Aufbau, die beiden Spitzen sorgen für Unruhe. Auch bei Standards ist Vorsicht geboten. Fein übernimmt viele ruhende Bälle, Philipp kann direkt abschließen.
Doch die Stärke des Systems ist zugleich seine größte Schwachstelle. Regensburg investiert viel Personal in den ersten Zugriff. Wird das Gegenpressing überspielt, öffnen sich Räume neben der Doppelsechs und hinter den Außenverteidigern. Gegen Schwaig reichte ein langer Ball, um die Restverteidigung auszuhebeln. Vilzing traf nach einem Konter, einem Strafstoß und einem Regensburger Abspielfehler. Auch bei den Stuttgarter Kickers verlor der Jahn nach starkem Beginn zeitweise die Kontrolle. Gegen Ulm musste er nach der Pause fast nur noch verteidigen. Für den FCS liegt darin der Schlüssel. Die Blau-Schwarzen sollten sich nicht auf ein kleinteiliges Duell im zugestellten Zentrum einlassen.
Kein fertiger Aufstiegsfavorit
Entscheidend wird dabei der erste Kontakt sein. Gelingt es Saarbrücken, lange Bälle sauber festzumachen und den zweiten Ball zu sichern, kann der Regensburger Druck ins Leere laufen. Auch eigene Standards versprechen Möglichkeiten. Nach ruhenden Bällen und zweiten Aktionen verteidigte der Jahn in der Vorbereitung nicht immer sauber. Mehrere vergebene Elfmeter zeigten zudem, dass im Abschluss noch nicht alles selbstverständlich funktioniert.
Im Tor hat sich zunächst der 20 Jahre alte Hannes Hermann durchgesetzt. Er begann in den wichtigsten Tests und sicherte den 1:0-Erfolg gegen Ulm mit einer Dreifachparade. Vor ihm zeichnet sich eine Viererkette mit Bauer, Strauss, Wurm und Schönfelder ab.
Davor dürften Majetschak und Fein beginnen, Boujellab und Philipp die Halbräume besetzen sowie Hermes und Hobsch stürmen. Florian Dietz fällt wegen einer Schulterverletzung länger aus. Im Angriff hat der Jahn viele Optionen. Eine davon ist der frühere Saarbrücker Jugendspieler Lucas Hermes, der in der Vorsaison lange pausieren musste, aber die Vorbereitung komplett absolvieren konnte und sich zum Auftakt in einer tollen Form präsentierte. In Köln traf er doppelt und bereitete einen Treffer vor. Auch John Posselt ist jederzeit eine Option. Ein fertiger Aufstiegsfavorit ist der Jahn nicht. Dafür fehlen der Mannschaft noch Stabilität und Selbstverständlichkeit. Unangenehm ist sie trotzdem, wie das Spiel in Köln zeigte. Regensburg hat einen klaren Plan, ausreichend individuelle Qualität und einen Trainer, der genau weiß, welche Art von Fußball in der 3. Liga gespielt werden muss.