Für Rudolf Fries Acevedo geht ein Traum in Erfüllung: Der im Saarland geborene Squash-Spieler feiert am kommenden Wochenende sein Nationalmannschafts-Debüt. Allerdings nicht für Deutschland.
Möglicherweise ist er der erste Saarländer, der an den Panamerikanischen Meisterschaften teilnimmt: Rudolf Fries Acevedo. Der 25-jährige gebürtige Saarlouiser startet bei den Kontinentalspielen, die vom 21. bis 27. August in der brasilianischen Hauptstadt Rio de Janeiro ausgetragen werden, für die Dominikanische Republik. Es ist gleichzeitig sein Debüt im Nationaldress des einen seiner zwei Heimatländer. In Deutschland gehört Fries Acevedo, der als Kapitän für Bundesligist Squash Factory Saar-Pfalz und als Gastspieler für Regionalligist SRC Illtal sowie für den luxemburgischen Meister Squash Club Pétange startet, zu den besten 30 Besten. In der Dominikanischen Republik gehört er zur Top drei.
Entscheidung fiel gegen Baseball
Seine Mutter Aravelly stammt aus der Dominikanischen Republik, sein Vater Harald ist Deutscher – „Rudi“ hat daher beide Staatsbürgerschaften. Die Eltern haben sich über Freunde in der „Dom. Rep.“ kennengelernt. Im Alter von neun Jahren kam die Familie nach Deutschland, genauer gesagt: nach Saarlouis. „Mein Vater wollte, dass ich hier zur Schule gehe“, erklärt Fries Acevedo. Erst im Alter von 15 Jahren fing er mit dem Squashspielen an. Inspiriert von seinem Vater, der als leidenschaftlicher Hobbyspieler im Breitensportbereich des Squash Club Saarlouis in Ensdorf aktiv war. Schon bevor die Familie nach Deutschland kam, trieb er Sport und bis zu seinem 20. Lebensjahr spielte Rudi Baseball. „Das ist in der Dom. Rep. Nationalsport“, erklärt er. Im Saarland fand er Anschluss bei den Saarlouis Hornets, für die er sogar in der 1. und 2. Bundesliga aktiv war. Doch wie so oft musste er sich irgendwann für eine der beiden Lieblingssportarten entscheiden. Warum die Entscheidung für Squash fiel? „Beides war einfach zu viel. Squash hatte ich zu der Zeit mit dem Nationalspieler Johannes Voit, der damaligen Nummer drei Deutschlands. Er hatte mir schon als ich 17 Jahre alt war gesagt, er sehe Talent in mir. Damals hatte ich aber noch Baseball bevorzugt“, antwortet er: „Der Mannschaftssport hatte mich damals begeistert. Dass du alleine nicht erfolgreich sein kannst, sondern nur, wenn die anderen auch mitziehen.“ Im Squash ist man – abgesehen vom Doppel – auf sich selbst gestellt. „Man muss viel laufen und dabei nachdenken, schnell reagieren und wissen, was man macht, wie der nächste Schlag ist. Das ist schon etwas Besonderes, was es so nicht in jeder Sportart gibt“, beschreibt er seine Faszination für den Einzelsport und schiebt mit einem Lächeln nach: „Und man verbrennt viele Kalorien.“
Als sich die Wege von Voit und Fries Acevedo Jahre später noch einmal kreuzten, brach sich diese Faszination für diese Reize Bahn: „Da ging es richtig los. Ich hatte nach einer Pause wieder mit ihm trainiert, und meine Leistungen sind schnell angestiegen“, erinnert sich Fries Acevedo. Fast zeitgleich wechselte er zu Bundesligist Squash Factory nach Saarbrücken. Die Leistungskurve stieg weiter an und hat gerade ihren bisherigen Höhepunkt erreicht. Im Mai dieses Jahres wurde er nach einer knappen Finalniederlage gegen Tobias Baab (SRC Wiesental) saarländischer Vizemeister. Hinzu kommen Erfolge bei internationalen Turnieren. An so einem Event wie der Panamerikanischen Meisterschaft hat er bisher allerdings noch nicht teilgenommen. „Ich habe letztes Jahr in der Dom. Rep. Urlaub gemacht und gesehen, dass dort ein Squashturnier stattfindet. Ich habe mit dem Trainer abgeklärt, dass ich daran teilnehmen durfte und habe das Turnier gewonnen“, berichtet er. Im Finale hatte er sich dabei gegen die aktuelle Nummer eins des karibischen Inselstaates durchgesetzt. „Danach wurde ich direkt gefragt, ob er sich vorstellen könnte für das Land zu spielen“, erzählt er stolz. Und das kann er. Bei allem Talent ist ein Platz in der deutschen Nationalmannschaft zu weit entfernt für den 25-jährigen Saarländer, der zweisprachig aufgewachsen ist und somit keine Verständigungsprobleme mit seinen Spanisch sprechenden Teamkollegen hat.
Leistungskurve geht weiter nach oben
Auch in der Dominikanischen Republik ist Squash eine Randsportart – allerdings derzeit auf dem Vormarsch befindlich. Auch dank des Weltranglistenturniers, das Mitte Juni 2025 öffentlichkeitswirksam in einem Einkaufszentrum der Hauptstadt Santo Domingo ausgetragen wurde. „Es wird schon populärer, das Problem ist meiner Meinung nach nur, dass Squash vor allem in Fitnessclubs gespielt wird, wo vor allem die wohlhabenderen Leute verkehren“, sagt Rudi Fries Acevedo.
Wenn er nicht gerade Squash spielt oder trainiert, arbeitet der ausgebildete Industriemechaniker im Drei-Schicht-System als Maschinen- und Anlagenführer bei einer Firma in Fraulautern. Vier- bis fünfmal pro Woche greift er für das Training zum Schläger, hinzukommt mindestens eine Laufeinheit. Obwohl die Freizeit unter der Kombination Vollzeitjob und Leistungssport leidet, findet seine Freundin Michelle die sportliche Performance „cool. Sie kann auch zu den Turnieren mitreisen – auch jetzt nach Brasilien“, freut er sich.
Zum 24. September geht es dann – allerdings ohne die Freundin – nach Graz, wo Fries Acevedo mit dem SC Pétange als amtierender luxemburgischer Mannschaftsmeister an den European Squash Club Championships teilnimmt. Deren Wertigkeit er mit jener der Champions League im Fußball vergleicht. Im November nimmt er mit der Nationalmannschaft an einem Turnier in Jamaika teil, wo sie sich mit Nationalteams aus anderen mittel- und südamerikanischen Ländern messen wird. 2026 stehen dann die Karibischen Spiele an. Bevor er dort aufschlagen wird, will Rudi Fries Acevedo bei den Panamerikanischen Spielen abliefern. „Wir sind drei Spieler in der Nationalmannschaft. Ich werde erst mal an Position drei starten – es kennt mich ja noch gar keiner auf der internationalen Bühne“, sagt er und ergänzt: „Da nehmen 19 Nationalmannschaften teil mit vielen starken Spielern aus der Weltrangliste. Ich kann das gar nicht richtig abschätzen, wie es für uns laufen wird.“ Seine Ziele für die Karriere in Deutschland sind da schon klarer: „Ich will auf jeden Fall noch in die Top 20 kommen, in der Bundesliga Stammspieler werden und dauerhaft mein Niveau halten“, stellt er klar. Sein persönlicher Berater und Squash Factory-Manager Johannes Wessela glaubt fest daran und weiß: „Durch unbändigen Willen, Entbehrungen und viel Fleiß hat sich Rudolf schon mit der Nominierung selbst belohnt.“