Der 1. FC Kaiserslautern startet mit einem teilweise neu formierten Kader und den bekannten Hoffnungen in die Zweitligasaison. Sportdirektor Marcel Klos setzt vor allem auf junge, entwicklungsfähige Spieler, während Trainer Torsten Lieberknecht aus einem stabilen Kern eine konstantere Mannschaft formen soll.
Beim 1. FC Kaiserslautern reicht gewöhnlich schon ein Funke, um eine Aufstiegsdiskussion zu entfachen. Einige verheißungsvolle Transfers, ein überzeugendes Testspiel oder ein junger Spieler, der in der Vorbereitung auf sich aufmerksam macht – und schon richtet sich der Blick in Richtung Bundesliga. Vor der neuen Saison stellt sich deshalb erneut die Frage, ob der Kader stark genug ist, um aus Hoffnung einen ernsthaften Angriff zu machen.
Marcel Klos beantwortet sie mit der notwendigen Vorsicht. „Ob wir aufstiegstauglich sind, sehen wir nach der Saison daran, auf welchem Platz wir gelandet sind“, sagt der Sportdirektor. Das klingt zunächst ausweichend, beschreibt aber die Unberechenbarkeit der 2. Bundesliga ziemlich genau. Namen und Marktwerte entscheiden dort wenig. Wichtiger sind Stabilität, Widerstandsfähigkeit und die Fähigkeit, auch jene Spiele zu gewinnen, in denen der Betzenberg nicht brennt.
In der vergangenen Saison erreichte der FCK mit 52 Punkten den sechsten Platz. Eine solide Bilanz, die den Club im oberen Drittel etablierte, aber zugleich zeigte, was zum wirklichen Aufstiegskandidaten fehlte. Kaiserslautern gewann 16 Begegnungen, verlor allerdings auch 14. Nur vier Spiele endeten unentschieden. Die Mannschaft konnte an guten Tagen jeden Gegner bezwingen, ihre Leistungen schwankten jedoch zu stark.
Der Kader soll deshalb nicht vollständig umgebaut, sondern gezielt verändert werden. Klos verweist darauf, dass mit Luca Sirch lediglich ein regelmäßiger Startelfspieler abgegeben wurde. Der Verteidiger wechselte zur SV Elversberg. Jannis Heuer ging zur SpVgg Greuther Fürth, Florian Kleinhansl nach Darmstadt. Die Leihen von Atanas Tschernew, Kim Ji-soo und Norman Bassette endeten. Auch Daniel Hanslik, der 184 Pflichtspiele für den FCK bestritt und zeitweise die Kapitänsbinde trug, verließ den Betzenberg in Richtung Bochum. Kenny Redondo erhielt keinen neuen Vertrag.
Daneben wurde der Kader von Spielern bereinigt, die sportlich keine entscheidende Rolle mehr spielten. Faride Alidou wechselte nach Kiel, Dickson Abiama nach seiner vorherigen Leihe fest zu Rot-Weiss Essen. Mahir Emreli wurde an Raków Częstochowa verliehen. Mit Jannik Mause und Frank Ronstadt trainieren zwei weitere Rückkehrer bei der U21, weil der Verein nicht mehr mit ihnen plant. Auch diese Entscheidungen gehören zur Neuordnung.
Bei den Zugängen folgt der FCK einer erkennbaren Linie. Anstatt zahlreiche fertige Zweitligaprofis zu verpflichten, setzt der Club auf Geschwindigkeit, Intensität und Entwicklungspotenzial. Der 19-jährige Ibrahim Kanaté wurde vom RSC Anderlecht ausgeliehen, Thierry Tazemeta kam aus dem Nachwuchs von Borussia Dortmund. Innenverteidiger Kelven Frees wurde von der TSG Hoffenheim ausgeliehen, Ivan Knežević wechselte aus der Stuttgarter U19 nach Kaiserslautern. Torwart Yannick Onohiol ergänzt das Team hinter Stammtorhüter Julian Krahl.
Chance für Talente aus den eigenen Reihen
Die größte Investition tätigte der FCK in Paul Joly. Der französische Außenverteidiger, in der vergangenen Saison bereits ausgeliehen, wurde fest von AJ Auxerre verpflichtet. Er kennt die Mannschaft, den Trainer und die Anforderungen auf dem Betzenberg und benötigt deshalb kaum Eingewöhnungszeit. Jan Elvedi kehrte nach seiner Leihe aus Fürth zurück. Hinzu kommen Talente aus den eigenen Reihen. Besonders David Schramm hinterließ in der Vorbereitung einen guten Eindruck und wird von Klos als „gefühlter Neuzugang“ bezeichnet.
Für den Angriff sicherte sich Kaiserslautern außerdem Erencan Yardımcı. Der 24 Jahre alte Mittelstürmer kommt auf Leihbasis von der TSG Hoffenheim. In der vergangenen Saison erzielte er für Eintracht Braunschweig fünf Tore in 32 Ligaspielen. Yardımcı wurde allerdings nicht allein als Vollstrecker verpflichtet. Seine Geschwindigkeit, Laufbereitschaft und intensive Spielweise sollen dem Angriff eine zusätzliche Dimension verleihen. Klos spricht von jenem „Stürmertyp“, nach dem der Verein gezielt gesucht habe.
Damit verändert sich die Rollenverteilung in der Offensive. Ivan Prtajin, mit elf Ligatreffern erfolgreichster Lautrer Angreifer der vergangenen Saison, bleibt der verlässlichste Strafraumspieler – befindet sich aber immer noch nicht im Mannschaftstraining. Mergim Berisha verfügt über große Erfahrung, muss nach einer schwierigen Phase aber Rhythmus und Vertrauen zurückgewinnen. Kanaté und Tazemeta bringen Tempo und Unbekümmertheit mit, müssen sich im Profifußball jedoch erst durchsetzen. Die Auswahl ist interessant, ihre tatsächliche Durchschlagskraft aber noch schwer einzuschätzen.
Im Zentrum besitzt der FCK mit Fabian Kunze, Semih Şahin, Marlon Ritter und Naatan Skyttä unterschiedliche Spielertypen. Ritter bleibt der kreative und emotionale Fixpunkt, Skyttä soll den nächsten Entwicklungsschritt machen. In der Defensive stehen mit Simon Asta, Mika Haas, Maxwell Gyamfi, Jacob Rasmussen, Joly und den jungen Zugängen zahlreiche Möglichkeiten bereit. Was noch fehlen könnte, ist ein weiterer Spieler, der im Mittelfeld Ruhe und Kontrolle erzeugt, oder eine sofort belastbare Verstärkung für den Defensivverbund.
Klos bezeichnet eine solche Verpflichtung als mögliches „i-Tüpfelchen“, setzt aber klare Grenzen: „Wir haben als Zweitligist auch unsere Grenzen, wir haben ein Budget, und das werden wir nicht überschreiten.“ Der FCK wolle keine Paniktransfers tätigen. Gerade in einem durch die Weltmeisterschaft verzögerten Transfersommer kann Geduld sinnvoll sein. Sie birgt allerdings ein Risiko, denn der Saisonstart wartet nicht auf die letzte günstige Gelegenheit. Kaiserslautern beginnt beim Bundesliga-Absteiger VfL Wolfsburg, empfängt anschließend den Karlsruher SC und reist danach zum FC St. Pauli. Dazwischen liegt das
Pokalderby bei Waldhof Mannheim.
Wie sauber der FCK durch dieses Programm kommt, hängt davon ab, wie schnell Potenzial in Verlässlichkeit übersetzt werden kann. Kaiserslautern gehört hinter den wirtschaftlich stärkeren Bundesliga-Absteigern zum erweiterten Kreis der Anwärter. Die Mannschaft verfügt über Tempo, Physis, Talent und mehrere Spieler, die eine Partie entscheiden können. Ein klarer Favorit ist der FCK dennoch nicht. Dafür sind die jungen Neuzugänge noch zu schwer einzuschätzen und die Schwankungen der vergangenen Saison zu präsent. Entscheidend werden nicht allein die großen Spiele auf dem Betzenberg sein, sondern jene Wochen, in denen eine gute Mannschaft beweisen muss, dass sie auch eine konstante ist.