Die BR Volleys dominieren seit Jahren die Volleyball-Bundesliga. Der Erzrivale stellt sich auch in dieser Saison als Herausforderer – und hofft schon zum Auftakt auf einen Coup.
Alleiniger Rekordmeister sind die BR Volleys schon seit dem Vorjahr. Titel Nummer 15, den der deutsche Renommierclub im vergangenen Mai feierte, untermauerte die Dominanz aber noch einmal. Sie soll sich auch im Spieltrikot für die neue Saison wiederfinden, dachten sich die Verantwortlichen. Und so werden auf einem schwarzen Senkrechtstreifen des im klassischen BR-Volleys-Orange gehaltenen Heimjerseys alle 15 Meisterschaftsjahre von 1993 bis 2025 aufgelistet. Dass am Ende der am 21. Oktober beginnenden neuen Spielzeit der deutsche Volleyball-Meister wieder BR Volleys heißen wird, daran zweifelt kaum jemand. Zu stark besetzt scheint der Kader des Titelhamsters auch dieses Mal, zu groß war zuletzt die Lücke zu den größten Rivalen des Hauptstadtclubs. Und diesmal? Eine erste Antwort auf diese Frage gibt schon der Auftakt, wenn der VfB Friedrichshafen in der Max-Schmeling-Halle aufschlägt.
Die Volleys gehen mit gewohnt großen Zielen in die neue Saison. „Wir wollen Meistertitel und Pokalsieg verteidigen“, sagte Geschäftsführer Kaweh Niroomand dem „Tagesspiegel“. Das sei aber „alles andere als selbstverständlich“, denn nicht nur Friedrichshafen habe sich stabilisiert, sondern in Vizemeister Lüneburg ist auch ein zweiter Rivale gewachsen. Außerdem habe sich die Personalpolitik in diesem Sommer leicht verändert. „Wir sind in dieser Saison etwas anders aufgestellt als in den letzten Jahren: Die Nicht-Stammplätze haben wir mit jüngeren Spielern besetzt“, erklärte Niroomand. Und den schmerzhaften Abgang von Nationalspieler Johannes Tille auf der Zuspieler-Position zum Beispiel hat der Club mit dem Finnen Fedor Ivanov aufgefangen. Kein ganz großer Star, aber ein großes Talent. Meistens „kommen Spieler zu uns, die kurz davor sind, den großen Sprung zu machen“, sagte Niroomand. Diesen traut er Angreifer Jake Hanes zu, obgleich der US-Amerikaner schon in der Vorsaison teils herausragende Auftritte im BR-Volleys-Dress abgeliefert hatte.
Perspektiv-Spieler werden verpflichtet
Generell haben die Berliner bewiesen, dass sie Abgänge wie die von Tille oder zuvor von Benjamin Patch und Sergej Grankin immer wieder kompensieren können. „Es ist ja kein Geheimnis, dass Berlin über die letzten Jahre sportlich die bessere Mannschaft war. Das wird auch kommende Saison so sein“, meinte Friedrichshafens Geschäftsführer Thilo Späth-Westerholt. Die Qualität und Breite des Berliner Kaders sei mit nichts zu vergleichen in der Liga, was auch mit dem deutlich höchsten Etat zu tun habe, so Späth-Westerholt: „Natürlich tut das weh, wenn man so oft Zweiter wird. Aber jedes Jahr starten wir einen neuen Versuch.“ Für den früheren Rekordmeister sei es ein „Ansporn“, die Dominanz des Hauptstadtclubs endlich zu brechen. Und der Saisonauftakt in der Max-Schmeling-Halle sei dafür ein sehr guter Anfang, meinte der VfB-Manager: „Wir werden auch gegen die BR Volleys alles reinwerfen, um als Sieger von der Platte zu gehen. Wir fahren nach Berlin, um natürlich auch dort Punkte mitzunehmen.“
Der 13-malige Deutsche Meister gilt erneut als größter Herausforderer der Berliner, auch wenn in der vergangenen Saison die SVG Lüneburg im Play-off-Finale stand. „Natürlich haben wir im letzten Jahr zum ersten Mal ein anderes Finale gesehen seit vielen, vielen Jahren“, sagte Ex-Nationalspieler Georg Klein: „Aber es ist immer noch dieses ewige Duell, gerade für Leute, die schon länger dabei sind. Für die ist es das Topspiel, auf das sich alle freuen.“ Klein hat in seiner aktiven Karriere für beide Topclubs gespielt, er bekam die letzte Phase der Dominanz von Friedrichshafen mit und war beim Aufbau der Erfolgsära der Berliner mitbeteiligt. „Friedrichshafen war für mich die erste ganz große Station in der Bundesliga“, sagte er. Das Angebot zu einem Wechsel in seine Wahlheimat Berlin wollte er damals aber nicht ablehnen. Und er hat diese Entscheidung nie bereut. „Ich konnte miterleben, wie in Berlin zu der Zeit eine Ära aufgebaut wurde. Da ging es wirklich so richtig los“, sagte Klein, der die Atmosphäre in der Max-Schmeling-Halle für das größte Plus des Hauptstadt-Clubs erachtet: „Jeder, der nach Berlin kommt und ein, zwei Heimspiele erlebt hat, der ist schockverliebt und will da nie mehr weg.“
Und Friedrichshafen? Obwohl der Club „keine leichten Jahre“ hinter sich habe, sei er „auf einem sehr guten Weg“, meinte Klein. Das Team von Trainer Adam Swaczyna habe ein gewisses Selbstverständnis, ganz nach dem Motto: „Wir sind immer noch der VfB Friedrichshafen, der große Verein vom Bodensee.“ Dies werde auch den Neuzugängen gleich vermittelt, auch wenn der Gewinn der letzten deutschen Meisterschaft bereits zehn Jahre her ist. „Es war immer sehr unangenehm all die Jahre, gegen sie zu spielen“, erinnerte Klein: „Das waren teilweise sehr hitzige Duelle.“ Selbst wenn die Macher des VfB nicht mehr das große Geld für spielerische Top-Qualität ausgeben können – an der Mentalität werde nicht gespart, so Klein. „Auf richtige Fighter, auf unangenehme Spieler“ setze der Club. „Wenn du sie in deinem eigenen Team hast, sind sie die besten Mitspieler der Welt. Aber du willst auf gar keinen Fall gegen sie spielen.“
„Teilweise sehr hitzige Duelle“
In der neuen Saison greift das Team vom Bodensee wieder mit jungen vielversprechenden Talenten an. Die Abgänge der Leistungsträger Michal Superlak und Mittelblocker Jose Masso sollen die Neuzugänge Kyle Hobus und Gustavo Maciel kompensieren. Hobus wurde zuletzt mit den Alpen Volleys Innsbruck in Österreich Meister und zum Final-MVP gekürt. Er und der Berliner Diagonal-Angreifer Jake Hanes spielen gemeinsam in der US-Nationalmannschaft. „Wir haben versucht, junge Spieler mit viel Potenzial zu uns zu locken. Ich glaube, das ist uns auch gelungen“, meinte Geschäftsführer Späth-Westerholt. Er glaubt, auch die Quantität im Kader gestärkt zu haben. „Ein wesentlicher Unterschied zur Vorsaison ist unsere Kaderbreite. Die letzten Jahre sind wir immer mit zwölf Spielern ins Rennen gegangen“, sagte Späth-Westerholt: „Dieses Jahr haben wir die Möglichkeit, mit 14 Spielern zu starten, was sehr gut ist, weil wir vier Mittelblocker haben, einen zweiten Libero.“
Ein Kräftemessen mit Vorjahresfinalist Lüneburg kommt für Berlin ebenfalls früh in der Saison: Bereits am 12. November reist das neue deutsche Topteam der SVG in die Hauptstadt. Zwischen den Feiertagen können sich die Fans auch mit Volleyball die Zeit vertreiben, denn am 28. Dezember schlagen die WWK Volleys Herrsching in der Max-Schmeling-Halle auf. Gegen die beiden Aufsteiger aus Warnemünde und Ludwigsburg tritt der Titelverteidiger am 29. Oktober beziehungsweise 3. Dezember an – es sind Premieren-Duelle. Durch die auf 15 Teams erhöhte Ligagröße ist der Spielplan straffer gestaltet. Doch nicht nur deswegen: Auch die Vorgabe des Weltverbandes FIVB, den Saisonzeitraum zu verkürzen, sorgt für weniger Pausen. Zumal die BR Volleys auch international wieder in der Champions League antreten. Dort will man die K.-o.-Runde erreichen, auch wenn die Gruppengegner, der amtierenden Champions-League-Sieger Sir Sicoma Monini Perugia, der tschechische Topclub VK Lvi Prag und ein Qualifikant, es in sich haben.