Einsamkeit ist ein subjektives, oft unerträgliches Gefühl. Etwa ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland leidet darunter. Wird sie chronisch, kann das paradoxerweise zum Rückzug führen.
Diese Leere im Innern, das Gefühl von Hoffnungslosigkeit und Erschöpfung – das kann in Menschen vorgehen, die von Einsamkeit betroffen sind. Kurze Phasen der Einsamkeit kennt fast jeder. Doch wenn dieser Zustand länger anhält, chronisch wird, kann er zum Risikofaktor für die Gesundheit werden. Einsamkeit ist ein sehr subjektives Gefühl. Etwa ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland fühlt sich zumindest teilweise einsam, knapp 20 Prozent fühlen sich sogar sehr einsam. Chronische Einsamkeit kann durch Lebensveränderungen, Traumata, Depressionen oder einfach das Gefühl, nicht in diese Welt zu passen, entstehen. Betroffene können diese Isolation in ihrem Innern sogar inmitten von Hunderten anderen Menschen spüren. Paradoxerweise kann chronische Einsamkeit zu Rückzug führen. Weil Betroffene unter einer „kognitiven Verzerrung“ leiden können, wie es Professor André Hajek beschreibt. Das kann zu Misstrauen gegenüber anderen führen, so der Einsamkeitsexperte. Dann wird es schwer, sich zu öffnen, Kontakte zu knüpfen. Auch, weil unser biologisches System Einsamkeit als Bedrohung wahrnimmt.
Trauma kann Ursache sein
Der Mensch ist von seinem evolutionären Ursprung ein Herdentier. Die Gruppe schützt. Das isolierte Wesen ist Gefahren hilflos ausgeliefert. Körper und Geist schalten auf Alarmstufe. Es kann zu ernsten körperlichen und psychischen Problemen kommen. Doch es gibt Wege aus der Einsamkeit. Eine Psychotherapie kann zum Beispiel helfen, der eigenen Einsamkeit auf den Grund zu gehen, Muster aufzubrechen und Neues zu versuchen. Ist man bereit, auf die Welt noch mal zuzugehen, findet man viele Angebote über Vereine, Sportgruppen, ehrenamtliche Tätigkeiten. Oder einfach sich im Park der Tai-Chi-Gruppe anschließen. Wer sich einen Hund halten möchte, kann mithilfe des Vierbeiners mit anderen Menschen ins Gespräch kommen. Hunde sind bekanntermaßen sehr wirkungsvolle Kommunikations-Brücken. In allen Bundesländern gibt es auch verschiedene Initiativen, die sich Angebote gegen Einsamkeit auf die Fahne geschrieben haben. Der erste Schritt ist oft schwer, auch weil Einsamkeit meistens von Schamgefühlen besetzt ist. Hier kann eine passende Selbsthilfegruppe Unterstützung geben. Dann machen Betroffene eine wichtige Erfahrung: Sie fühlen sich einsam, sind aber nicht allein.