Der FC 08 Homburg steht überraschend vor dem nächsten großen Umbruch. Damit müssen Trainerstab und Team jetzt irgendwie arbeiten. Dass das funktionieren wird, da ist man optimistisch – doch die Ziele müssen entsprechend angepasst werden.
Beim FC 08 Homburg ist Kontinuität aktuell ein Fremdwort. Nach dem großen Umbruch vor einem Jahr hatten sich Trainer und Mannschaft etwas mehr Ruhe erhofft, doch nun folgt gleich der nächste. Wieder mussten zahlreiche Leistungsträger ersetzt werden, wieder gilt es, eine nahezu neue Mannschaft zu formen. Für Cheftrainer Roland Seitz ist deshalb klar: Große Versprechen wären hier absolut fehl am Platz.
Der Aufstieg sei nicht das klar definierte Ziel. „Wir wollen oben mitspielen“, betont der 61-Jährige aber deutlich. „Wir wissen aber auch, dass es eine harte Liga ist.“ Die Ausgangslage ist kompliziert: Seitz sind nicht weniger als 14 Spieler weggebrochen – darunter einige, mit denen er für die kommende Saison eigentlich fest geplant hatte. „Es war eigentlich schon geklärt, dass wir mit unserem Kapitän Marten Ristl verlängern, ein Nils Röseler hatte noch einen Zweijahresvertrag und auch dass Markus Mendler seine Karriere beendet, hatten wir nicht auf dem Plan“, so Seitz. „Ein Umbruch in dieser Größenordnung war nicht geplant.“
Denn eigentlich zeigte sich Seitz trotz einiger Rückschläge zufrieden mit seinem Team aus der vergangenen Spielzeit. Nach einer schwierigen Hinrunde habe sich die Mannschaft stabilisiert. „Insgesamt war es eine ordentliche Saison“, sagt er mit Blick auf Platz vier in der Regionalliga Südwest und den Einzug ins Saarlandpokal-Finale. In der Rückrundentabelle belegte man den zweiten Platz, doch das reichte nicht aus, die Fehler der Hinrunde auszugleichen. „Da haben wir einfach zu viele Punkte liegen lassen“, so Seitz. Auch spielte das Schicksal nicht immer für die Saarpfälzer: Nach dem längeren Ausfall von Hilal El-Helwe folgte in der Rückrunde der Schicksalsschlag für Markus Mendler, dessen Frau Tamara mit gerade einmal 32 Jahren nach kurzer, schwerer Erkrankung verstarb. „Das hat uns natürlich alle getroffen“, betont Seitz. „Und in den vier Spielen, in denen wir auf Markus verzichten mussten, konnten wir dann auch nur zwei Punkte holen.“
Doch der Blick der Mannschaft, die zum Zeitpunkt dieses Gesprächs gerade ihr Sommertrainingslager im österreichischen Hirschegg verbrachte, richtet sich nun klar in die Gegenwart. „Der Kader hat sich nun nach und nach mehr gefüllt“, sagt Seitz, der inzwischen elf Neuzugänge zu verbuchen hat. „Die ersten Wochen der Vorbereitung waren schwer, weil wir nur wenig Personal hatten. Aber so seit ein paar Tagen bin ich, was die Breite des Kaders betrifft, wirklich zufrieden.“
Auch innerhalb der Mannschaft zeigt man sich angesichts der neuen Gesichter zufrieden. „Charakterlich haben wir super Jungs dazubekommen“, sagt Innenverteidiger Phillipp Steinhart. Die Zeit im Trainingslager wolle die Mannschaft nun vor allem auch dazu nutzen, als Team zusammenzuwachsen. „Wir hatten hier zuvor schon einen guten Kern“, sagt er. „Von daher denke ich, wird das schnell und reibungslos funktionieren.“
„Wichtig, dass wir eine Einheit werden“
Auch Trainer Seitz betont die Notwendigkeit: „Es ist immer das Wichtigste, dass wir eine Einheit werden, dass wir ein Team werden“, sagt er. Denn mit dem Weggang einiger Führungsspieler müssen sich auch erst einmal wieder neue Hierarchien finden und entwickeln. „Das ist aber für jeden auch noch mal ein Entwicklungsschritt und die Chance, mehr Verantwortung auf und neben dem Platz zu tragen“, sagt Steinhart.
FCH bekommen Unterstützung von Julian Günther-Schmidt - Foto: IMAGO/Picture Point
Zwei dieser Personalien, denen man gewiss mehr Verantwortung zutrauen würde, sind Nicolas Andermatt und Julian Günther-Schmidt, die die Homburger ab dieser Saison verstärken werden. Andermatt spielte zuletzt bei der Spielvereinigung Bayreuth in der Regionalliga Bayern, sammelte davor mit dem SV Meppen und den Bayreuthern bereits Erfahrung in der 3. Liga. Mit Steinhart spielte der 30-Jährige in der Saison 2017/18 beim TSV 1860 München. „Es war schön, Nicolas wiederzusehen“, sagt Steinhart. „Er hat im Vorfeld schon mal bei mir nachgefragt, wie die Gegebenheiten in Homburg sind, und es hat mich echt gefreut, dass das dann auch geklappt hat.“
Auch Günther-Schmidt ist kein Unbekannter für Steinhart. „Ich habe zwar nie mit ihm zusammengespielt, aber im Laufe unserer Karriere schon sehr oft gegen ihn“, sagt er. Günther-Schmidt spielte zuletzt bei Erzgebirge Aue. Im Saarland erreichte der Pforzheimer allerdings Bekanntheit während seiner langen Zeit beim 1. FC Saarbrücken, für den er insgesamt 164 Pflichtspiele bestritt.
„Uns haben viele erfahrene Spieler verlassen“, sagt Seitz, der mit El-Helwe und Steinhart nur zwei verbleibende Spieler jenseits der 30 zur Verfügung hat. „Da sind dann Andermatt und Günther-Schmidt natürlich aufgrund ihres Alters und ihrer Erfahrung gefragt und müssen die Mannschaft auch mitführen.“
Der Kader, so Seitz, sehe nun „auch nach einem Kader aus“. Lediglich einen weiteren Offensivspieler würde er gerne noch ergänzen. Demnach blickt er zuversichtlich auf den Saisonstart, der am 8. August gegen den 1. FSV Mainz 05 II auf heimischem Rasen ausgetragen wird. Die Konkurrenz in der Liga ist gewohnt hart, mit den Drittliga-Absteigern SV Sandhausen und dem SSV Ulm nun auch noch einmal ein gutes Stück härter. „Das wird schwer“, sagt auch Phillipp Steinhart. „Aber dennoch sollte unser Ziel sein, um die vorderen Plätze mitzuspielen.“ Entscheidend werde sein, dass „der gute Charakter und der gute Spirit innerhalb der Mannschaft“ schnell zu einer Stärke würden, betont er.