Der 1. FC Kaiserslautern hat sich in einem dramatischen Pokalderby beim SV Waldhof Mannheim mit 1:0 nach Verlängerung durchgesetzt. Doch das Spiel wird noch lange nachwirken.
In der letzten Minute der Verlängerung zog Ibrahim Kanaté von links nach innen und schlenzte den Ball zum 1:0 ins Mannheimer Tor. Der Treffer bewahrte den FCK vor dem Elfmeterschießen und machte den Angreifer zum Helden eines Abends, an dem das Sportliche zeitweise aus den Fugen geriet. „Wir sind eine Runde weitergekommen. Das war heute alles, was zählt. Wir durften auf gar keinen Fall ausscheiden“, sagte Kapitän Marlon Ritter.
Torsten Lieberknecht musste seine Startelf erstmals in dieser Saison verändern. Für die verletzten Naatan Skyttä und Simon Asta begannen Paul Joly und Thierry Tazemeta. Lautern übernahm die Kontrolle, während Mannheim auf Fehler und Umschaltmomente wartete.
Der erste Abschluss gehörte dennoch Waldhof, doch Julian Krahl war zur Stelle. Danach wurde der FCK gefährlicher. Ritter kam zweimal zum Abschluss, auch Jan Elvedi und Semih Sahin nutzten ihre Möglichkeiten nicht. Die besten Lautrer Chancen vor der Pause folgten kurz nacheinander: Tazemeta traf in der 40. Minute den Pfosten, Mergim Berisha scheiterte an Torhüter Thijmen Nijhuis.
Nach dem Seitenwechsel wurde die Partie zerfahrener. Zweikämpfe, Unterbrechungen und Nervosität ließen kaum Spielfluss zu. Die größte Chance hatte Mannheim, als Gonçalo Gregório nach 74 Minuten den Pfosten traf. Erst spät wurde Lautern wieder zwingender. Alex Murphy und der eingewechselte Kanaté verfehlten das Tor knapp, Ritter scheiterte an Nijhuis.
Eskalation vor der Verlängerung
Vor der Verlängerung eskalierte die Situation. Nach einer Rudelbildung flogen Raketen, Mannheimer Anhänger versuchten, in den Innenraum zu gelangen. Ritter war zuvor von einem Bierbecher an Schulter und Kopf getroffen worden. Die Polizei sicherte das Spielfeld, die Partie stand vor dem Abbruch. Erst nach 35 Minuten setzte Schiedsrichter Robert Schröder das Spiel fort. Es gab Dutzende Verletzte, darunter 35 Polizistinnen und Polizisten. Beide Vereine verurteilten die Ausschreitungen, der DFB kündigte eine Aufarbeitung an.
Nach der langen Unterbrechung blieb die erste Hälfte der Verlängerung ereignisarm. Im zweiten Abschnitt drängte Kaiserslautern stärker auf die Entscheidung. Rasmussen scheiterte per Kopf, Kanaté fand zunächst zweimal in Nijhuis seinen Meister. Als vieles bereits auf ein Elfmeterschießen hindeutete, traf der Angreifer doch noch und entschied das Derby mit der letzten Gelegenheit.
Ritter empfand gerade diesen späten Erfolg als besonders wertvoll: „Schöner als so zu gewinnen, das geht gar nicht. Nach den ersten beiden Ligaspielen, die man gewinnen und verlieren konnte, war dieser Sieg heute umso wichtiger. Nicht nur für uns, sondern für die ganze Region. Wenn wir jedes Spiel so angehen wie dieses, dann sind wir schwer zu bespielen. Wir haben wieder kein Gegentor bekommen und hätten selbst das eine oder andere machen können, wo wir es wieder nicht gut ausspielen. Daran müssen wir arbeiten.“
Auch Lieberknecht verurteilte die Gewalt, wollte den sportlichen Wert des Erfolges aber nicht aus dem Blick verlieren. „Solche Szenen wollen wir alle nicht sehen. Mein großer Dank gebührt denen, die dann hier für Ordnung gesorgt haben, der Polizei und dem Ordnungsdienst. Es ist bei aller Rivalität nicht nachvollziehbar, wenn das Spiel hier kurz vor dem Abbruch steht“, sagte der Trainer. Seine sportliche Bilanz fiel deutlich positiver aus: „Derbys sind zum Gewinnen da. Und wir haben es heute gewonnen. Mit Leidenschaft und der Bereitschaft, vieles zu investieren.“ In der Liga geht es auf St. Pauli weiter.