Demokratie als Staatsform steht weiter hoch im Kurs, und die Veränderungsbereitschaft ist größer als vermutet. Gleichzeitig gibt es einen beträchtlichen Teil von Menschen mit populistischen und autoritären Einstellungen. Der „Deutschland-Monitor“ liefert ein differenziertes Bild.
Es ist einmal mehr eine Studie, die zeigt, dass Deutschland, oder korrekter: die hier lebenden Menschen, durchaus etwas anders ticken, als es verbreitete Diskussionen vermuten lassen.
Die Menschen sind Veränderungen gegenüber erheblich aufgeschlossener und es gibt nach wie vor eine sehr hohe Zustimmung zur Demokratie. Das sind Ergebnisse des Deutschland-Monitors 2025, der diesmal schwertpunktmäßig herausfinden wollte, wie veränderungsbereit die Menschen in Deutschland sind. Hinter grundsätzlich positiven Einstellungen gibt es allerdings mehr als nur ein Aber, wie der Blick in Einzelergebnisse der umfangreichen Studie zeigt.
Während es eine sehr hohe grundsätzliche Zustimmung zur Demokratie (98 Prozent) gibt, sind nur 60 Prozent zufrieden mit dem Funktionieren der Demokratie. Der Wert für Westdeutschland (62 Prozent) ist in den letzten drei Jahren, seitdem der Deutschland-Monitor erstellt wird, konstant geblieben. Für Ostdeutschland zeigt sich – entgegen dem allgemeinen Eindruck – eine Überraschung: Dort ist der Grad der Zufriedenheit mit 51 Prozent zwar geringer als im Westen, aber er hat sich deutlich positiv verändert. 2023 lag er in Ostdeutschland nur bei 43 Prozent.
Zufriedenheit ist ausbaufähig
Grundsätzlich stellt die Studie fest: „Die Zufriedenheit mit der Demokratie, ihren Akteuren und Institutionen hängt insgesamt stark von der wahrgenommenen wirtschaftlichen Lage der Gesellschaft, der wahrgenommenen individuellen Anerkennung sowie den persönlichen Zukunftserwartungen ab.“
Die Vermutung, dass Populismus die Skepsis gegenüber der Demokratie verstärkt, wird durch die Studie deutlich bestätigt. Während es insgesamt den Eindruck gibt, dass sich die Entwicklung der Demokratie eher verschlechtert hat, gibt es einen klaren Unterschied: “Populistisch eingestellte Personen sehen die Entwicklung der Demokratie signifikant häufiger negativ (85 Prozent) als Personen, die keine populistischen Einstellungen teilen (67 Prozent).“
Gut ein Fünftel der Bevölkerung hat populistische Einstellungen, der Wert liegt in Ostdeutschland mit 28 Prozent etwas höher. Insgesamt sind die Anteile aber im Jahresvergleich gleich geblieben. Um dies festzustellen, wurden den Befragten sieben Statements vorgelegt, was bei mehrheitlicher Zustimmung eine populistische Einstellung ergab. Dabei waren Aussagen wie „Politiker reden zu viel und machen zu wenig“ oder „Politiker kümmern sich nur um die Interessen der Reichen und Mächtigen“ und „Ein einfacher Bürger würde meine Interessen besser vertreten als ein Berufspolitiker“. Einerseits teilt ein Fünftel der Bevölkerung solche Meinungen, aber „das bedeutet umgekehrt, dass knapp vier von fünf Menschen in Gesamtdeutschland keine populistischen Einstellungen teilen“, betonen die Autoren der Studie ausdrücklich.
Interessant ist die Verteilung populistischer Einstellungen bezogen auf Parteinähe der Befragten. Besonders verbreitet sind populistische Einstellungen bei AfD-Anhängern (61 Prozent) und BSW-Anhängern (39 Prozent). Bei CDU/CSU, SPD, FDP und Linken liegt der Anteil im knapp zweistelligen Bereich (zwischen elf und 14 Prozent), den deutlich geringsten Anteil weisen Grünen-Anhänger (vier Prozent) aus. Außer Parteipräferenz spielen aber auch andere Faktoren wie Beurteilung der wirtschaftlichen und persönlichen Lage eine Rolle.
Neben populistischen Einstellungen hat der Demokratie-Monitor auch „diktaturaffine Einstellungen“ gemessen. Die Daten ergeben einen marginalen Anteil (ein Prozent) von selbst erklärten Anti-Demokraten. „Das bedeutet jedoch nicht unbedingt, dass innerhalb der Bevölkerung Deutschlands niemand eine autokratische beziehungsweise autoritär-staatliche Transformation der Demokratie unterstützt.“ Der Deutschland-Monitor nennt das den „Grenzbereich von demokratiegefährdenden Einstellungen“. Und der ist alles andere als marginal.
Trotz Zumutungen offen für Veränderungen
Um das festzustellen, wurden die Befragten mit drei Aussagen konfrontiert: „Unter bestimmten Umständen ist eine Diktatur die bessere Staatsform“ – „Politische Entscheidungen sollten von einer starken Führungspersönlichkeit getroffen werden, die keine Rücksicht auf das Parlament nehmen muss“ und „Was Deutschland jetzt braucht, ist eine einzige starke Partei, die den Willen des Volkes insgesamt verkörpert.“
Bei Zustimmung zu allen drei Punkten sei „davon auszugehen ist, dass diese ein Gesellschaftsbild haben, das mit der rechtsstaatlichen und pluralistischen Demokratie unvereinbar ist“.
Ergebnis: Ein durchaus beträchtlicher Teil, nämlich gut ein Fünftel (21 Prozent) ist „für autoritäre Ideen zumindest in Teilen empfänglich“. Eine weitere Analyse der Daten hat als Erklärungsmuster gezeigt: „Die Wahrnehmung eines gesellschaftlichen Kontrollverlusts, eine schlechte Beurteilung der deutschen Wirtschaftslage und die Sorge vor gesellschaftlichen Statuseinbußen sind wichtige Faktoren zur Erklärung diktaturaffiner Einstellungen. Der stärkste Erklärungsfaktor ist allerdings die politische Selbstverortung im radikal rechten Spektrum. Unter Personen, die sich sehr weit rechts verorten, sind 61 Prozent wenigstens teilweise empfänglich für diktaturaffine Einstellungen. Damit übereinstimmend geht auch die Nähe zur AfD mit größerer Empfänglichkeit für diktaturaffine Einstellungen einher.“
In der Frage nach Bereitschaft zu Veränderungen ergibt sich ein differenziertes Bild: Ein Viertel ist offen für Veränderungen, ein weiteres Viertel steht Veränderungen skeptisch bis ablehnend gegenüber, und die Hälfte sieht es ambivalent, also weder klar positiv noch klar negativ. Dabei hängt die Einstellung eng mit der persönlichen Lage und Lebenserfahrung zusammen. Wer in weniger guten Verhältnissen lebt und früher schon negative Erfahrungen mit Veränderungsprozessen gemacht hat, ist erwartungsgemäß skeptischer.
Dabei werden einzelne Bereiche sehr unterschiedlich eingeordnet. Weil Veränderungen auch Zumutungen mit sich bringen, hat die Studie danach gefragt, wie groß Zumutungen in einzelnen Bereichen empfunden werden und wie groß die Bereitschaft wäre, Zumutungen hinzunehmen.
Deutlich über die Hälfte (58 Prozent) fände es eine zu große Zumutung, wenn man für die gleiche Rente länger arbeiten müsste. Höhere Steuern für Verteidigungsausgaben, Verzicht auf den Verbrenner-Motor für den Klimaschutz, ein Arbeitsplatzwechsel oder Digitalisierung der Erledigung alltäglicher Dinge werden zwar von gut einem Drittel (zwischen 31 und 38 Prozent) als Zumutung betrachtet, trotzdem mehrheitlich mitgetragen. Etwas überraschend würden es lediglich 22 Prozent der Befragten als Zumutung empfinden, wenn in ihrer Nähe eine Flüchtlingsunterkunft eingerichtet würde.