Frauen können mehr erreichen, wenn sie miteinander statt gegeneinander arbeiten. Karoline Herfurth hat das schon lange verinnerlicht und arbeitet seit Jahren, vor und hinter der Kamera, mit tollen Kolleginnen zusammen.
Caroline Herfurth ist mit 41 Jahren nicht nur unglaublich erfolgreich. Sie weiß auch, wo sie selbst steht im Leben, wie sie dahin gekommen ist und wohin ihr Weg sie führen soll. Nämlich in eine Welt, in der Frauen mehr sind als eine schöne Hülle. Was sie selbst gelernt hat – ihre Energie in Ideen und Projekte zu stecken –, gibt sie weiter an ein breites Publikum. Das fühlt sich thematisch immer wieder abgeholt, denn ihre Filme sind regelrechte Kassenschlager mit Wiedererkennungswert der einzelnen Charaktere.
Dafür steht sie schon lange nicht mehr nur vor der Kamera, sondern dahinter, führt Regie, produziert oder schreibt die Drehbücher dafür. Dabei arbeitet sie gern mit Kolleginnen zusammen, die sie seit Jahren begleitet. Wie beispielsweise Nora Tschirner. Für Tschirner schwärmt sie seit ihrer ersten Begegnung. Von Neugier, Humor und einer gemeinsamen Haltung zum Erzählen, bei der Figuren nicht erklärt, sondern ernst genommen werden. Es sind genau diese Allianzen, die Karoline Herfurths Arbeit prägen: Netzwerke statt Konkurrenzdenken, Vertrauen statt Eitelkeit. Eine Arbeitsweise, die in der Filmbranche lange keine Selbstverständlichkeit war – und die Herfurth ganz selbstverständlich lebt.
Schon früh wusste sie, dass Schauspiel für sie mehr ist als das Verkörpern fremder Rollen. Als Kind einer Theaterfamilie schnupperte sie Bühnenluft, lernte ebenso Disziplin und Zweifel kennen. Der große Durchbruch kam schnell, die Erwartungen ebenso. Doch statt sich im System einzurichten, stellte Herfurth Fragen: nach Verantwortung, nach Repräsentation, nach den Geschichten, die erzählt werden – und jenen, die fehlen.
Sie weiß, was sie erzählen will
Ihre Figuren sind keine Heldinnen im klassischen Sinn, sondern Frauen mit Brüchen, Ambivalenzen und einer spürbaren Sehnsucht nach Selbstbestimmung. Ob junge Erwachsene auf der Suche nach Identität, Mütter im Ausnahmezustand oder Freundinnen im emotionalen Ausnahmezustand – Herfurth interessiert sich für innere Prozesse, nicht für perfekte Oberflächen. Dass sich darin viele Zuschauerinnen (und Zuschauer) wiederfinden, ist kein Zufall, sondern Konzept.
Als Regisseurin und Autorin hat sie sich längst eine eigene Handschrift erarbeitet: warm, präzise beobachtend, humorvoll und zugleich politisch, ohne laut zu sein. Ihre Filme stellen Fragen, ohne Antworten vorzugeben. Sie erzählen von weiblicher Solidarität, von der Kraft ehrlicher Gespräche und davon, wie befreiend es sein kann, Erwartungen hinter sich zu lassen – gesellschaftliche wie selbst auferlegte.
Dabei geht es Karoline Herfurth nie um Abgrenzung, sondern um Erweiterung. Um Räume, in denen Frauen komplex sein dürfen, widersprüchlich, laut oder leise. Räume, die sie nicht nur für sich selbst öffnet, sondern bewusst mit anderen teilt – vor und hinter der Kamera. Dass sie damit kommerziell erfolgreich ist, beweist, wie groß das Bedürfnis nach genau solchen Geschichten ist.
Mit 41 Jahren steht Karoline Herfurth an einem Punkt, an dem sie zurückblicken kann, ohne stehen zu bleiben. Sie weiß, was sie erzählen will – und warum. Und sie nutzt ihre Stimme mithilfe ihrer Filme, um etwas zu verändern. Nicht kämpferisch, sondern beharrlich. Nicht gegen andere, sondern gemeinsam. Eine Film-Feministin, die zeigt, dass Haltung und Unterhaltung sich nicht ausschließen. Sondern einander erst richtig stark machen.