Herfurth ist eine herausragende Schauspielerin und zudem eine Regisseurin und Drehbuchautorin, die mit ihren Filmen den Zeitgeist trifft. Vor allem vielen Frauen spricht sie aus dem Herzen. Bisher kamen fünf abendfüllende Spielfilme von ihr ins Kino.
Ihre allererste Regiearbeit präsentierte sie 2012 auf den Hofer Filmtagen mit dem Kurzfilm „Mittelkleiner Mensch“. Mit der romantischen Komödie „SMS für Dich“ gab sie dann 2016 ihr Regiedebüt für einen abendfüllenden Spielfilm. Bei diesem Projekt schrieb sie außerdem noch am Drehbuch mit und war, neben Nora Tschirner und Friedrich Mücke, in einer Hauptrolle zu sehen. Dieser Liebesfilm ist die Adaption des gleichnamigen Romans „SMS für Dich“ von Sofie Cramer; den Stoff hatte Karoline Herfurth exklusiv vom damaligen Warner Bros.-Boss Willi Geike angeboten bekommen. Sie nahm diese einmalige Chance dankend an und begründete ihre Zusage folgendermaßen: „Die Geschichte hat einen starken emotionalen Grundboden, der sehr ernsthaft und sehr tiefgründig ist. Darauf kann man humorvoll und romantisch sein. Man kann eine große Liebesgeschichte mit komödiantischen Elementen haben, die genau die richtige Balance bildet, die ich mir gewünscht habe.“
Von Presse und Kritik hochgelobt
Der Film, der durchaus Anklänge an Hollywooderfolge wie „Schlaflos in Seattle“ oder „E-Mail für Dich“ aufweist, wurde vom Publikum sehr wohlwollend aufgenommen. Und auch die Kritiken waren überwiegend positiv. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ befand, dass der Film „das Niveau vieler amerikanischer Vorbilder“ erreiche. Andere Zeitungen sprachen von dem „längst fälligen Befreiungsschlag für deutsche RomComs“ und attestierten Karoline Herfurth ein „herausragendes Regiedebüt“. „SMS für Dich“ bekam 2023 mit „Love Again“ sogar eine US-Adaption, in der unter anderem auch Céline Dion mitspielte. Mit „SMS für Dich“ etablierte sich Karoline Herfurth mit einem Schlag als eine der erfolgreichsten jungen Regisseurinnen im deutschsprachigen Kino.
In ihrem nächsten Film „Sweethearts“ (2019) trat sie auch wieder in Personalunion als Regisseurin, Co-Autorin und Schauspielerin in Erscheinung. In diesem tragikomischen Actionfilm spielt sie die Rolle der Fanny, die nach einem Diamantenraub auf der Flucht von der Diebin Mel (Hannah Herzsprung) als Geisel genommen wird. Trotz aller widrigen Umstände werden diese beiden sehr unterschiedlichen Frauen schließlich zu Freundinnen. Die „Süddeutsche Zeitung“ bezeichnete die Produktion als „ausgelassene Abenteuerkomödie“, in der ein „gefühlvolles, aber nie sentimentales Herz“ schlage. Unter dem Strich ist „Sweethearts“ eine wirklich sehr vergnügliche, frische, freche und mit viel Tempo und Spielfreude inszenierte Gauner-Posse, die Karoline Herfurths Ruf als talentierte und hochoriginelle Regisseurin festigte.
Oft lustig und tiefgründig zugleich
2022 kamen dann gleich zwei Filme unter ihrer Regie ins Kino, nämlich „Wunderschön“ und „Einfach mal was Schönes“. Mit „Wunderschön“ gelang Karoline Herfurth ein echter Coup. Durch die Corona-Pandemie kam der Film zwar ein Jahr später als geplant ins Kino, war dafür dann aber ein Riesenhit: Über 1,7 Millionen Zuschauer ließen sich diesen bittersüßen Episodenfilm nicht entgehen. Karoline Herfurth schickt darin fünf Frauen unterschiedlicher Generationen auf einen Selbsterkenntnis-Trip und lässt sie – mit warmherzigem Humor und viel Biss garniert – unterschiedliche weibliche Rollenbilder reflektieren. Mit von der Partie bei diesem Ringen um den ganz alltäglichen Schönheitswahn sind, neben Karoline Herfurth selbst, die sich für ihre Rolle sogar ganze zehn Kilo anfutterte, auch Nora Tschirner, Dilara Aylin Ziem, Emilia Schüle und Martina Gedeck. Herfurth inszenierte „Wunderschön“ mit einer großen Sensibilität und viel Empathie für die Verletzlichkeiten und Unsicherheiten dieser Frauen in ihren unterschiedlichsten Lebenslagen. Ein Kritiker schrieb damals, Herfurth wisse „virtuos auf der Klaviatur der Emotionen zu spielen“. Dem kann man nur voll und ganz zustimmen. Genau wie auch Karoline Herfurths Kernaussage, sozusagen die Quintessenz von „Wunderschön“: „Du bist so schön, wie du bist. Das Leben ist zum Leben da, nicht um sich ständig verbessern zu wollen.“ Das bringt es absolut auf den Punkt.
Beim Deutschen Filmpreis 2022 wurde dieser Film in der Kategorie „bester Spielfilm“ nominiert und gewann den Preis für die beste Filmmusik aus der Feder von Annette Focks. Auch Karoline Herfurth ging bei „Wunderschön“ nicht leer aus: Im Rahmen der Verleihung des Günther Rohrbach Filmpreises wurde sie mit dem Preis „für ihre Gesamtleistung als Darstellerin, Co-Autorin, Regisseurin und Produzentin“ ausgezeichnet.
Mit „Wunderschön“ zeigte Karoline Herfurth, dass der Schwerpunkt ihres künstlerischen Schaffens als Filmemacherin auch zukünftig auf dem Themenkreis um die Rolle der Frau in der Gesellschaft liegt. In ihrem nächsten Film, der Komödie „Einfach mal was Schönes“, gelingt es ihr auf überaus amüsante Art und Weise, die gängige Vorstellung von Familie auf den Kopf zu stellen. Sie spielt darin die Radiomoderatorin Karla, die versucht, nach langen, aber vergeblichen Bemühungen nun den passenden Mann für die Gründung einer Familie zu finden. Mit fast 40 entscheidet sie sich dann dafür, alleine ein Kind zu bekommen. Doch wie es das Schicksal so will, lernt sie ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt den Krankenpfleger Ole (Aaron Altaras) kennen, der eigentlich ihr Traummann ist. Doch Ole ist erst 28 und will noch keine Kinder. Karla verliebt sich trotzdem in ihn. Turbulenzen sind vorprogrammiert. Auch dieser Film zeichnet sich wieder durch eine fabelhafte Besetzung aus: In den Frauenrollen glänzen, neben Herfurth, ebenfalls Nora Tschirner, Milena Tscharntke und Ulrike Kriener, die beim Deutschen Filmpreis 2023 für ihre Nebenrolle nominiert wurde.
Im vergangenen Jahr kam dann das Sequel „Wunderschöner“ ins Kino. Im Interview (siehe auch Seite 28) erzählt Karoline Herfurth, warum sie nach längerem Zögern doch noch eine Fortsetzung machen wollte: „Ich hatte das Gefühl, die Thematik von ‚Wunderschön‘ doch noch etwas weiterführen zu können, um noch mehr in die Tiefe zu gehen.“ Daher gibt es in diesem Female-Empowerment-Movie 2.0 nun ein Wiedersehen mit Sonja (Karoline Herfurth), Vicky (Nora Tschirner), Julie (Emilia Schüle) und Co. Auch ein prominenter Neuzugang ist diesmal mit dabei: Die „Polizeiruf 110“-Kommissarin Anneke Kim Sarnau. Sie spielt die Karrierefrau Nadine, deren Selbstbewusstsein einen gefährlichen Knacks bekommt, als ihr Ehemann (Godehard Giese) sie mit einer Prostituierten betrügt. Und auch Sonja gerät in eine ausgewachsene Lebenskrise, als sie herausfindet, dass ihr Ex Milan (Friedrich Mücke) – von dem sie allerdings mittlerweile schon seit einem halben Jahr getrennt lebt – eine Poledance-Trainerin datet. Zu allem Überfluss wird auch noch Julie, die ihre Influencerin-Karriere inzwischen aufgegeben hat, in ihrem neuen Job als Aufnahmeleiterin einer TV-Show von einem übergriffigen Kollegen sexuell belästigt.
Nicht zynisch, sondern hellsichtig auf den Punkt
In „Wunderschöner“ geht Herfurth nicht etwa auf Nummer sicher, sondern weitet die Kampfzone mutig aus. Statt Kuschel-Komfort lieber Frontal-Konfrontationen. Und der Humor kommt dabei natürlich auch nicht zu kurz. Zum Beispiel Vicky, die lässig in der Schlafzimmertür steht und ihre Freundin Sonja nonchalant fragt: „Masturbierst du gerade? Dann würde ich hier kurz zumachen.“ Selbstironie ist immer ein zuverlässiges Anzeichen für Souveränität und Stärke. Zwischen all dem toxischen Beziehungsstress, den Sexkapaden und dem Sehnen nach echter Liebe schaut man diesen fünf Frauen sehr gern dabei zu, wie sie ihr Leben und ihr Selbstwertgefühl endlich nicht länger danach ausrichten wollen, begehrenswert zu sein. „Wunderschöner“ war ebenfalls ein großer Erfolg und lockte knapp 1,3 Millionen Zuschauer ins Kino. Karoline Herfurths Regiearbeiten beinhalten alle einen klugen, durchaus feministischen Touch und sind dabei auch erfrischend frei von Kitsch oder Klischees. Und immer am Puls der Zeit. Herfurth scheut sich auch nicht davor, den Finger mitten in seelische Wunden zu legen – dorthin, wo es wirklich weh tut. Sie ist dabei allerdings weder destruktiv noch zynisch, sondern vielmehr hellsichtig und auf den Punkt. Außerdem kann man sich bei ihren Filmen auch über die Abwesenheit ganz bestimmter Aspekte freuen: Anders als in etlichen anderen deutschen RomComs gibt es hier keine zotigen Witze, keine abgestandenen Gags und kein postpubertäres Nabelschau-Gelaber.
An dieser Stelle gilt es auch noch, mit einem anderen Vorurteil aufzuräumen: Ihre Regiearbeiten sind alles andere als die typischen Chick-Flicks; sie eignen sich tatsächlich ganz wunderbar als Date-Movies. So können auch die Herren der Schöpfung endlich einmal viele Dinge über Frauen in Erfahrung bringen, die sie bislang noch nicht wussten und sich in dieser Form vielleicht niemals hätten träumen lassen.