Ausdauersport liegt im Trend. Marathon und Triathlon sind für viele ambitionierte Hobbysportler ein großes Ziel. Doch wie geht man das Training richtig an? Die Sportler-App Enduco nutzt künstliche Intelligenz, um adaptive Pläne zu erstellen, die auf den individuellen Alltag der Nutzer eingehen. Ein innovatives Start-up aus dem Saarland.
Wenn Lennard Schäfer, Benedict Strube und Tessa Menges über Sport reden, über kleine und große Ziele und ganz persönliche Erfolge, über Trainingsplanung und Trainingssteuerung, über die Verbindung von Leidenschaft und Gesundheit, dann fangen ihre Augen an zu leuchten. Lennard, Benedict und Tessa sind die Köpfe hinter Enduco, einer innovativen Trainingsplan-App für Ausdauersportarten wie Laufen, Radfahren und Triathlon, die Künstliche Intelligenz nutzt. Eine Idee, die ihre Wurzeln im Saarland hat und von der inzwischen Tausende Laufbegeisterte profitieren. „Wir haben Enduco entwickelt als einen digitalen Begleiter, quasi einen Trainer, der alles kann, außer einem nach dem Training auf die Schulter zu klopfen“, sagt Lennard Schäfer. „Unsere Inspiration waren all die Sportler – egal auf welchem Level –, die mit harter Arbeit, Leidenschaft und Ausdauer ihre Ziele verfolgen. Und natürlich unsere eigene Leidenschaft zum Ausdauersport.“
Der Startschuss für Enduco fiel bereits 2018 bei einer Gründungsveranstaltung an der Saarbrücker Universität, wo Lennard Schäfer Betriebswirtschaft und Wirtschaftspsychologie studierte. „Ich habe immer schon nebenbei gearbeitet und hatte die Idee, mich irgendwann mal selbstständig zu machen“, beschreibt der 28-Jährige seine damalige Motivation. Bei der Veranstaltung lernte er einen ehemaligen Triathleten kennen, der inzwischen als Trainer arbeitete und auf der Suche nach einer Lösung war, das Training zu automatisieren. „Es gibt so viele Trainingspläne, die aber in den seltensten Fällen zu den Lebensrealitäten der Nutzer passen. Die Aufgabe eines Trainers ist es, die Tagesform, die verfügbaren Zeiten und viele andere Parameter mit einzuberechnen. Das ist sehr aufwendig und die Idee war, diesen Prozess zu automatisieren.“
Lennard Schäfer war begeistert von der Idee und wusste auch sofort, wen er als Nächstes anrufen würde. Seinen besten Freund aus Kindertagen, Benedict Strube. Die beiden waren zwei Straßen voneinander entfernt aufgewachsen, hatten viel Zeit miteinander verbracht und teilten auch eine gemeinsame Leidenschaft fürs Rennradfahren. „Er brachte die Nutzerperspektive mit, benutzte schon einige Apps zur Routenplanung und Trainingsdokumentation. Aber in Richtung Trainingsplanung gab es damals noch nichts – das war absolutes Neuland.“
Und Benedict Strube brachte nicht nur die Nutzerperspektive mit – der heute 30-Jährige hat seit seiner Kindheit eine Leidenschaft für logisches Denken und Programmieren. Folgerichtig studierte er zu diesem Zeitpunkt Informatik. „Ich erinnere mich noch genau, wie Lennard mir in einem Café von der Idee erzählte. Ich war mitten in meiner Masterarbeit und hatte großen Respekt vor dem Schritt ins Unbekannte. Fast hätte ich abgesagt – aber zum Glück habe ich mich schnell begeistern lassen, sonst säßen wir heute nicht hier“, fügt er lachend hinzu.
2019 erstes Gründerstipendium
„Wir hatten eher unbewusst alles mitgebracht, was gut zu der Idee passte: das Know-how, die Leidenschaft, einfach alles“, blickt Lennard Schäfer zurück. „Im Prinzip hat die Idee uns gefunden – durch Zufall war es ein perfektes Match.“ Gemeinsam entwickelten sie eine erste Idee, um den Vorgang des menschlichen Trainers zu automatisieren. 2019 erhielt das Gründerteam ein einjähriges Gründerstipendium und damit die entsprechende finanzielle Unterstützung, um das Projekt anzugehen. „Es war eine sehr explorative Phase. Wir haben viele unterschiedliche Prototypen einer App gebaut. Am Ende der Stipendienphase, Anfang 2020, hatten wir noch kein finales Produkt, aber einen Investor gefunden, dessen Chef selbst passionierter Ausdauersportler war.“ Zu diesem Zeitpunkt stieß Tessa Menges zum Team. Die jetzt 31-Jährige hatte gerade ihr Sportwissenschaftsstudium beendet und war auf die Stellenanzeige des Start-ups aufmerksam geworden. Seit der Grundschule ist sie begeisterte Leichtathletin. „Mein Ziel ist es, mit Athleten zusammenzuarbeiten, das Beste aus ihnen herauszuholen und zu sehen, wo noch Optimierungspotenzial besteht. Ich gehe selbst gern an meine Grenzen und möchte andere dabei unterstützen, dasselbe zu tun.“ Und so bastelte das Team an der ersten Version ihrer App. „Die Frage hinter allem war: Wie würde ein Trainingsplan aussehen, wenn ein ‚echter‘ Trainer ihn erstellt?“, beschreibt Lennard Schäfer den Ansatz. „Die eigentliche Problematik ist es ja, den Plan alltagstauglich zu machen und an die jeweiligen individuellen Bedürfnisse anzupassen.“ Und Benedict Strube ergänzt: „Das ist ein sehr vielschichtiges Problem, wenn man versucht, menschliche Regeln und intuitives Wissen zu automatisieren, um zum Beispiel Ermüdungszustände zu modellieren.“
2023 Insolvenz, 2024 ganz neu angefangen
Die erste Version von Enduco kam 2021 auf den Markt. Es wurde viel investiert in Mitarbeiter und Marketing und es gab eine erste, schnell wachsende Community. Doch das Team merkte schnell: „Das Produkt war noch nicht perfekt. Das Nutzerwachstum stagnierte trotz intensiver Bemühungen; die Marketingkanäle wurden nicht optimal genutzt.“ Ende 2023 kam der Dämpfer: Das Unternehmen bestand mittlerweile aus 18 Mitarbeitern, war auf Wachstum angelegt, aber nicht profitabel. Enduco musste Insolvenz anmelden. „Das war hart“, erinnert sich Lennard Schäfer zurück. „Wir wussten, dass der Bedarf groß ist, unsere Nutzer haben uns das immer wieder bestätigt. Aber wir hatten noch nicht die richtigen Voraussetzungen geschaffen, um dieses Potenzial auch gut zu nutzen. Es war eine Kombination aus den falschen Schwerpunkten im Produkt, einem noch nicht optimal aufgestellten Team und Marketingkanälen, die wir erst noch finden mussten.“
Doch Aufgeben war keine Option. Lennard Schäfer und Benedict Strube überlegten, wie sie das Unternehmen neu aufstellen könnten. „Mit dem Wissen der vergangenen Jahre haben wir 2024 noch mal ganz neu angefangen. Wir haben uns viel Zeit genommen, die Feedbacks und Wünsche der Nutzer zu berücksichtigen. Die meisten Start-ups scheitern, und auch wir sind krachend gegen die Wand gefahren. Aber wir haben die Probleme identifiziert, und die Erfahrungen der Vergangenheit haben uns zuversichtlich gemacht, dass wir mit einem neuen Versuch Erfolg haben könnten.“
Inzwischen war auch Thomas Bruckmann zum Team gestoßen. Gemeinsam mit Benedict Strube kümmert er sich um die IT-Infrastruktur und bringt das technische Fundament für innovative Lösungen mit. In der Phase des Neustarts nahm er neben Lennard Schäfer, Benedict Strube und Tessa Menges ebenfalls eine zentrale Rolle ein. Als begeisterter Triathlet kennt er die Herausforderungen und Anforderungen, die Athleten jeden Tag antreiben. „Die Kombination aus Ausdauer, Technologie und Präzision treibt mich an – sowohl im Sport als auch in der Entwicklung bei Enduco.“
Über ein Jahr nahmen sich die vier Zeit, um ein in ihren Augen optimales Produkt zu entwickeln. Im August vergangenen Jahres kam dann die neue Version auf den Markt. „Es ist ästhetischer im Design und einfacher in der Bedienung. Aber vor allem konzentrieren wir uns nun auf das, was uns von anderen abhebt – einen für den Nutzer idealen Trainingsplan zu finden. Die Idee, die von Anfang an dahinterstand. Egal, ob jemand für seinen ersten Fünf-Kilometer-Lauf trainiert, den Marathon in einer neuen Bestzeit schaffen will, den Traum vom Langdistanz-Triathlon verfolgt oder einfach nur seine Fitness verbessern und seine Schnelligkeit erhöhen möchte – anhand der Ziele, der individuellen Zeitplanung und weiterer Parameter lassen wir den Algorithmus den Weg aufzeichnen.“ Anhand der Vitalwerte wird dieser Plan dann aktuell angepasst: Der Nutzer soll nicht überlastet, aber auch nicht unterfordert werden. Mit einem täglichen Briefing weiß er immer ganz genau, wo er gerade steht. „Der Chatbot ist quasi die Schnittstelle zwischen Nutzer und Technik und erklärt, warum welche Anpassungen vorgenommen wurden.“
Sportwissenschaftlerin Tessa Menges integrierte ein zusätzliches Mobility-Training und Athletikübungen, zudem Dehnungsübungen und ein Lauf-ABC in die neue App-Version. „Das gehört unbedingt dazu, um den Sport lange gesund ausüben zu können”, betont die 31-Jährige. Eine weitere Neuerung: die Einbindung von spannenden Persönlichkeiten, Fitness-Influencern und Profi-Athleten. Extremläuferin Maren Schiller, Triathletin Paula Enzweiler, Ironman-Gewinnerin Anne Haug und Lauf-Influencerin Frederike Meier stehen nun in der App als „virtuelle Trainingspartner“ den Nutzern zur Seite. „Sport ist emotional. Jeder hat seine ganz eigene Geschichte und Motivation, warum er morgens aufsteht und trainiert“, erklärt Lennard Schäfer. „Mit den virtuellen Trainingspartnern schaffen wir eine Beziehung zu bekannten Rollenvorbildern sowie Alltags- und Profisportlern, die unsere Nutzer täglich motivieren und unterstützen.“ Das soll ausgebaut werden, mit möglichst unterschiedlichen Personen aus verschiedenen Bereichen.
2025 und 2026 erste Community-Läufe
Auf den Social-Media-Kanälen werden zudem persönliche Erfolgsgeschichten von Nutzern erzählt – sei es eine neue Bestzeit oder eine erste erfolgreiche Teilnahme an einem Stadtlauf. „Wir wollen eine Gemeinschaft schaffen, in der Athleten sich gegenseitig inspirieren.“ Aus diesem Gemeinschaftsgedanken heraus gab es beim Berliner Halbmarathon 2025 und beim Marathon 2026 die ersten Community-Läufe, bei denen sich die Nutzer der App trafen, um gemeinsam zu laufen. „Es ist toll, unsere Nutzer persönlich kennenzulernen und die Verbundenheit durch den Sport auch live zu erleben“, erzählt Lennard Schäfer. Natürlich nutzen die Macher hinter Enduco ihr eigenes Produkt auch selbst. Tessa Menges lief 2023 ihren ersten Marathon. Lennard Schäfer, der zu Beginn des Projektes noch kein passionierter Läufer war, entdeckte vor ein paar Jahren seine Leidenschaft. „Ich habe zwischenzeitlich in Berlin gelebt. Und da das Radfahren in einer Großstadt keinen Spaß machte, habe ich mit dem Laufen angefangen“, ergänzt er lachend. „So konnte ich meine eigene App ausprobieren, und es hat wunderbar funktioniert – bis hin zum Marathon.“ Benedict Strube ist nach wie vor am liebsten mit dem Fahrrad unterwegs. „Nur im Winter laufe ich, denn da macht sich das Fahrradfahren nicht so gut.“ Für die Zukunft hat das Team noch viele Ideen und Ziele. „Der Trainingsalgorithmus kann noch um viele weitere Parameter und Funktionen erweitert werden, wie etwa individuelle Stärken-Schwächen-Profile, Hitzetraining, individuelle Trainingspräferenzen und vieles mehr, um das Training noch genauer steuern zu können.“ Aber momentan sind sie vor allem froh, dass sie nie aufgegeben haben und endlich ein Produkt haben, auf das sie sehr stolz sind. „Wir sehen tagtäglich, wie die Nutzer von Enduco profitieren und Fortschritte machen. Das ist unser Ansporn und unsere Motivation.“