Er kleidete Stars wie Elvis Presley und Kevin Costner ein: Jack A. Weil, ein pfälzischer Auswanderer, legte den Grundstock für die Rockmount Ranch Wear und gründete damit eine Dynastie. Heute gibt es den kleidsamen Western-Stil in aller Welt.
Seine Hemden haben die berühmtesten Schauspieler und Musiker getragen: Elvis Presley, Bob Dylan, Anne Hathaway, Eric Clapton, Ronald Reagan, Robert Redford und Kevin Costner. Doch was hat es mit den Rockmount Snap-Shirts, den Hemden mit den besonderen Perlmutt-Druckknöpfen und Sägezahntaschen, überhaupt auf sich?
Erfunden wurden sie von dem 1901 geborenen Jack A. Weil und seiner Frau, die als pfälzische Auswanderer 1926, vor hundert Jahren, in die USA kamen. Jack verdiente den Unterhalt für seine Familie als Cowboy und Rodeo-Reiter im amerikanischen Westen. 1946 setzte er mit der Gründung von Rockmount Ranch Wear in Denver, Colorado, seinen großen Traum von praktischer Ranch-Kleidung in die Tat um. Dazu passte der „Bolo-Tie“. Diese legendäre Schnur-Krawatte trugen Cowboys damals nicht nur in den Saloons, sondern zu allen festlichen Anlässen.
Im Jahr 1926 aus der Pfalz in die USA
Noch heute verkörpern die sogenannten Snap-Shirts und Bolo-Schlipse die Ära des Wilden Westens wie kaum eine andere Mode. Uns erinnert sie nicht nur an John Wayne und die Helden aus Bonanza, sondern auch an die modernen Film-Epen aus dem Wilden Westen, die beispielsweise in den letzten Jahren monumental von Kevin Costner in Szene gesetzt wurden.
Die heimlichen Stars der amerikanischen Cowboy- und Wildwest-Filme waren die Druckknopf-Hemden. Ein beispielloser Modestil eroberte damit nicht nur den amerikanischen Westen, sondern auch das lässige Stilgefühl von Männern und Frauen weltweit. Bis heute werden die einst von Weil erfundenen Hemden und Krawatten rund um den Globus getragen.
Kein Western ist mehr ohne die Rockmount-Hemden denkbar. Typisches Merkmal des markanten rustikalen Looks sind die Taschen mit Klappen, die spitz zulaufend und gezackt verarbeitet sind. Bis heute tragen sie nicht nur Filmstars, sondern auch Country-Musiklegenden.
Zu verdanken haben sie ihren Boom Jack Weil, der sich immer wieder ärgerte, dass ihm und seinen Cowboy-Buddys bei der Arbeit die Hemden zerrissen. Kuh-Hörner schlitzten den Stoff auf, da das Material nicht nachgab. So kam er auf die Idee, sie mit anderen Verschlüssen als mit festsitzenden Knöpfen zu versehen. Das war schließlich die Geburtsstunde der Druckknöpfe. So entstanden die mittlerweile international bekannten Rockmount-Hemden.
Jack Weil kaufte mitten in Denver ein fünfstöckiges Gebäude und gründete 1946 die Rockmount Ranch Wear Manufacturing Company. Noch heute gibt es das Geschäft in Denvers Wazee Street 1626 und zieht jede Menge Touristen an.
Das Ladengeschäft ist auch heute noch voll mit ausgefallenen Modellen rund um den Western Style. Für Besucher der Hauptstadt des Bundesstaates Colorado ist der Abstecher ein Muss. Und nicht selten verlassen sie mit Original-Cowboyhüten, modischen Western-Stiefeln und allen Arten von Oberbekleidung das Geschäft.
Steve Weil, der Enkel von Jack, kommt gerade von der Gassi-Runde mit Hund Humboldt zurück. Er hat sein Büro auf der offenen Galerie über dem Verkaufsraum und damit mitten im geschäftigen Treiben. „Mein Großvater arbeitete hier bis zum Alter von 107 Jahren. Rockmount war sein Baby“, sagt der 68-Jährige. „Wirtschaftliche Not prägte damals seinen Auswanderungsgedanken.“
Die Modelle werden weltweit verkauft. Hohe Absatzmärkte finden sich laut Weil in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das Stichwort „Urban Cowboy“ fällt. Denn tragbar sei der Rockmount-Stil auch im Dschungel der Großstädte. „Mein Vater war für das Design der Hemden verantwortlich, die John Travolta im Film ‚Phenomenon – Das Unmögliche wird wahr‘ trug“, erinnert sich Weil. Der Film startete am 3. Oktober 1996 in den deutschen Kinos, und das Outfit sorgte für den ikonischen Look Travoltas.
„Produziert werden die Teile in den USA, doch die feine Lochstickerei mit den Verzierungen kommt aus Indien“, ergänzt der bekennende Gustav-Klimt-Fan. Auf Werbung verzichtet das Unternehmen bis heute. „Die Kunden kaufen direkt im Geschäft oder online. Unser Bekanntheitsgrad hat viel mit den Stars, den Filmen und einer einfachen Mund-zu-Mund-Propaganda zu tun.“
Bevor Humboldt, der achtjährige Golden Retriever, zur nächsten Gassi-Runde drängt, gibt Weil zu, dass ihm das Oktoberfest in München sehr gefällt. „Ich habe dafür sogar die passende Lederhose!“ Pfälzische Gene und deutsches Brauchtum finden sich auch jenseits des großen Teichs.