Hertha bleibt im vierten Spiel in Folge ohne Sieg. Während man auf dem Platz auf Sparflamme kocht, läuft die Gerüchteküche immerhin auf Hochtouren.
Die Situation sprach irgendwie Bände für die aktuelle Situation: sieben Minuten vor Spielende am vergangenen Sonntag beim abstiegsbedrohten 1. FC Magdeburg, der zu diesem Zeitpunkt mit 1:0 gegen Hertha BSC führte, schoss Michaël Cuisance nach energischem Antritt aus aussichtsreicher Position auf das Tor der Gastgeber – doch sein Mitspieler Sebastian Grönning stand im Weg und entschärfte so den Ball. Auf beiden Seiten hatte sich dabei ein ohnehin chancenarmes Spiel entwickelt: Im ersten Durchgang hatte Laurin Ulrich für den FCM die erste Chance nach einer knappen halben Stunde, traf aber nur den Pfosten. Bei den Hauptstädtern konnte Fabian Reese sogar erst unmittelbar vor dem Pausenpfiff mit einem Distanzschuss für Gefahr sorgen. Nach dem Wechsel musste die Elf von Stefan Leitl, der im Vergleich zum 0:1 gegen Holstein Kiel die Startelf nur auf einer Position (Kevin Sessa an Stelle des gelbgesperrten Paul Seguin) geändert hatte, dann zunächst das verletzungsbedingte Ausscheiden von Deyovaisio Zeefuik kompensieren und hatte dazu Pech, als Luca Schuler nach einer Reese-Flanke knapp vorbeiköpfte.
Erfolglose Aufholjagd
Im Gegenzug aber war Ulrich zur Stelle, nachdem Hertha-Torwart Tjark Ernst eine scharfe Eingabe vor dessen Füße abgewehrt hatte, und staubte zum 1:0 ab. Die Aufholjagd der Berliner brachte nun aber immer noch wenig Zwingendes hervor: Einen Schuss von Marten Winkler wehrte FCM-Keeper Reimann mit dem Fuß ab, und Grönning verpasste eine Eingabe von Maurice Krattenmacher im Zentrum knapp. Dann stand der Däne wie erwähnt Cuisance bei der besten Gelegenheit im Weg – und in der Nachspielzeit schoss der Franzose diesmal am Tordreieck vorbei. So gab es am Ende für die Elbestädter wichtige drei Punkte im Kampf um den Klassenerhalt, während Hertha BSC den Abwärtstrend (nur einen Zähler aus den letzten vier Partien) fortsetzte. Es scheint sich demnach zu erweisen, dass der 5. Platz als zuletzt angepasstes Ziel keine Kräfte mehr freizusetzen vermag nach der Enttäuschung des endgültig verpassten Aufstiegs – und so darf sich auch die ebenfalls noch bedrohte SpVgg Greuther Fürth am Sonntag Hoffnungen machen, im Olympiastadion Zählbares mitzunehmen.
Befeuert von den Worten des Hertha-CEO Peter Görlich („Es wird die größte Transformation im Fußball geben“) konzentrierte sich die Berichterstattung um Hertha BSC zuletzt zunehmend – eben auch mangels noch interessanter sportlicher Ziele – auf das bevorstehende Transferkarussell bei den Berlinern. Schließlich ist bekannt, dass man auch im Sommer wieder einen Transferüberschuss im zweistelligen Millionenbereich erzielen muss, um selbst handlungsfähig zu bleiben. Der Abgang von Kennet Eichhorn etwa ist dadurch längst eingepreist – der (immer noch nur) 16-jährige, hoch veranlagte defensive Mittelfeldspieler avancierte gerade durch seine Perspektive schnell zum wertvollsten Spieler der 2. Liga aller Zeiten. Die „üblichen Verdächtigen“ aus dem nationalen wie internationalen Fußball haben ihr Interesse bereits hinterlegt, und er allein könnte dadurch im Sommer eine Ablösesumme von etwa zwölf Millionen Euro in die Kassen der klammen Alten Dame spülen. Die vage Hoffnung auf eine sofortige Rückleihe für noch ein weiteres Jahr bei Hertha BSC hat sich mit dem verpassten Aufstieg jedoch zerschlagen. Da der talentierte Teenager zwischen attraktiven Angeboten wählen kann, ist die konkrete Entscheidung allerdings noch nicht unmittelbar zu erwarten. Tjark Ernst hat ebenfalls großes Interesse bei vielen Clubs geweckt, etwa beim SC Freiburg als Nachfolger des abwanderungswilligen Noah Atubolu. Im Fall des 23-jährigen Torwarts gibt es aber auch andere Spuren, die den „Berliner Kurier“ veranlasste zu melden: „Ernst ist als Erster weg“. Dabei stellte sich aber heraus, dass der vermeintliche Vollzug noch gar nicht vermeldet werden konnte – und auch die heiße Spur, die nach England führen soll, auf der Interpretation eines Instagram-Posts des Schlussmanns fußte. Darin hatte Ernst eine Bilderserie von sich mit dem Kommentar „Difficult“ versehen, was wohl auf die Entscheidung über seine Zukunft anspielt.
Viele Spieler mit Fragezeichen
In jedem Fall zählt auch Herthas Stammtorwart zu den sicheren Abgangskandidaten und würde gemäß einer für diesen Sommer festgelegten Ausstiegsklausel fünf Millionen Euro einbringen. Kuriose Resultate lieferte auch die Onlinerecherche zu Marton Dardais Zukunft – „Augsburg wieder an Dardai interessiert“ meldete etwa der „LigaInsider“, während „Transfermarkt.de“ nur wenige Stunden später verkündete: „Hertha-Verteidiger kein Thema beim FC Augsburg.“ Tags darauf hieß es dann bei der für gewöhnlich ebenso gut informierten „SportBild“ wiederum: „Bundesligaclub will Marton Dardai“. Im Grunde lautet das Motto also aktuell noch bezüglich der Wechsel der entsprechenden Kandidaten bei den Hauptstädtern: Genaues weiß man nicht. So wartet der im Sommer ablösefreie Michal Karbownik auch weiterhin offenbar noch darauf, dass Interessent Werder Bremen endgültig den Klassenerhalt in der Bundesliga sichert. Im Fall von Fabian Reese scheint dabei noch am ehesten Hoffnung auf einen Verbleib zu bestehen – obwohl dieser als Topverdiener den zukünftig schmaleren Etat so noch bis zum Vertragende 2030 belasten könnte. Ein vom Unterschiedsspieler forcierter Abgang zur kommenden Saison scheint aktuell aber nur ein Thema zu werden, wenn Reese sich bezüglich des neuen Kaders keine sportliche Perspektive – sprich: eine reelle Aufstiegschance – verspricht. Für ein Aufhorchen sorgten dabei die in einer Medienrunde von Ralf Huschen geäußerten Worte: „Wir werden rein umsatztechnisch immer im vorderen Drittel aller Clubs der 2. Liga sein“, so Herthas Finanzgeschäftsführer, und „immer ein Budget haben, das (…) uns natürlich auch ermöglicht, unter die Top 3 zu kommen.“ Das hatte sich in Peter Görlichs Ausführungen bei der Mitgliederversammlung am 26. April noch ein wenig anders angehört. „Wir werden monetarisieren müssen“, schwor Herthas oberster Geschäftsführer die Runde da auf eine schwierigere Zukunft ein – sicher sei: „Es wird Abgänge geben – die Chance, dass wir junge Spieler auf einem langen Weg begleiten, haben wir verspielt.“ Konkretes hinsichtlich des neuen Kaders konnte er jedoch ebenfalls nicht verkünden: „Wir wissen nicht, was in diesem Sommer passiert“, so der 59-Jährige.