In den „Goldenen Zwanzigern“ war Berlin Party-Metropole. Auch heute hat die Stadt noch einiges zu bieten für Menschen, die Glamour mögen.
Berlin kann lässig und cool. Aber die Stadt kann auch chic und glamourös – nur eben auf ihre eigene Art. Nicht steif und elitär, sondern großzügig, manchmal übermütig, gern farbenfroh und mit viel Glitzer. Für einen Abend darf es ein bisschen mehr sein. Man zieht sich schöner an als sonst, bleibt vor einem beleuchteten Eingang stehen und schaut, wer noch kommt. Raus aus dem Alltag, rein in eine Welt, in der große Gesten ausdrücklich erlaubt sind. Berlin hat dafür wundervolle Orte, die diese Lust am Auftritt mit Leben füllen.
Als die Nächte kein Ende kannten
Im Friedrichstadt-Palast gehört Zurückhaltung eindeutig nicht zum Konzept. Schon vor Beginn sammeln sich die Besucher vor der beleuchteten Glasfront, drinnen öffnet sich ein Raum, der für opulente Bilder geschaffen wurde. Der Palast verfügt nach eigenen Angaben über die größte Theaterbühne der Welt. Entsprechend üppig fallen die Grand Shows aus. Ensembles füllen die Bühne, Kostüme funkeln bis in die hinteren Reihen. Die aktuelle Produktion „Blinded by Delight“ bleibt noch bis Juni 2027 im Programm. Mehr als 100 Künstlerinnen und Künstler erzählen die Geschichte von Luci und ihrer Reise in eine Welt zwischen Traum, Glück und Wirklichkeit. Es geht um Sehnsucht, um die Lust, sich dem Glück hinzugeben, und am Ende um eine Frage, die sich auch mit nach Hause nehmen lässt: Haben wir den Mut, unsere Träume zu leben?
Im Wintergarten-Varieté ist der Abend intimer. Dunkelroter Samt, kleine Tische und der Sternenhimmel über dem Saal schaffen eine Atmosphäre zwischen Theater und Nachtleben. Auf der Bühne verbinden sich Akrobatik, Musik und Tanz mit klassischer Varietékunst. Ab 26. August läuft „Disco – Acrobatics, Dinner, Dance“. Die Show erinnert an eine Zeit, in der Tanzflächen voll waren und Nächte scheinbar kein Ende kannten. Bunte Retro-Looks und bekannte Songs holen die Disco-Ära zurück, spektakuläre Artistik gehört natürlich dazu. Die Produktion läuft bis Februar 2027. In diesem Herbst gehört die Bühne für ein paar exklusive Termine zudem Désirée Nick. Zu ihrem 70. Geburtstag präsentiert die Grand Dame des scharfen Witzes „Reflection – Désirée Nick & guests“: In acht Vorstellungen im September und Oktober verschmelzen Cabaret und Varieté zu einem sehr besonderen Bühnen-Event.
Clärchens Ballhaus braucht weniger Glitzer, um glamourös zu wirken. Hier erzählen selbst die Wände von rauschenden Festen der Vergangenheit. Seit 1913 wird in dem Haus getanzt, und dem Spiegelsaal sieht man die vielen Jahrzehnte an. Gerade das macht ihn so schön. Die Spiegel sind längst blind geworden, die Wände haben Patina, doch der Kronleuchter funkelt. Nichts sieht so aus, als hätte es gerade ein Ausstatter auf alt getrimmt. Der Raum ist alt. Und er lebt. Montag bis Donnerstag gehört der Spiegelsaal den Tanzschulen, unter anderem mit Salsa, Swing und Tango. Wer lieber zuhört, kommt zu den Sonntagskonzerten in den Spiegelsaal. Dann sitzen die Besucher zwischen den alten Spiegeln, hören Mozart oder Brahms und erleben einen Raum, der wie geschaffen scheint für Musik und lange Abende. Glamour bedeutet hier nicht makellosen Hochglanz. Er steckt in einem Raum, der schon Tausende rauschender Nächte gesehen hat – und offenbar noch lange nicht genug davon hat.
Eine „Hommage an die Sinne“ verspricht der Palazzo Berlin. Gastgeber sind Kolja Kleeberg und Hans-Peter Wodarz, die den Spiegelpalast für einige Monate im Jahr in eine Welt verwandeln, in der Traum und Wirklichkeit ineinanderfließen. Hunderte Kerzen spiegeln sich im Raum, an festlich gedeckten Tischen wird ein Vier-Gänge-Menü serviert. Dazwischen bespielen internationale Artisten, Comedians und eine Live-Band die Manege. Rund drei Stunden lang wechseln Show und Genuss einander ab. Es darf gestaunt, gelacht und geschlemmt werden, der Trubel der Stadt bleibt draußen. Die neue Spielzeit beginnt im November 2026 und läuft bis März 2027.
Von der Staatsoper bis zum Ballhaus
Die Staatsoper Unter den Linden braucht keine Showeffekte. Ihr Auftritt beginnt schon am Bebelplatz. Die rosafarbene klassizistische Fassade mit ihrer markanten Säulenhalle wirkt fast feierlich. Am Abend liegt warmes Licht auf dem Gebäude, vor den Türen treffen sich die Besucher. Kurz vor Vorstellungsbeginn wird es ruhiger – als würde das Haus selbst den Ton für den Abend setzen. Dann das Stimmen des Orchesters, noch ein Rascheln im Saal –
und irgendwann dieser Moment des Innehaltens, bevor das Spiel beginnt. Die Saison 2026/27 liefert einige gute Gründe, sich wieder einmal elegant zu kleiden. Sechs Opernpremieren stehen auf dem Programm. Den Anfang macht am 26. September Spontinis „La Vestale“, ein Werk von 1807, feierlich, monumental und voller Leidenschaft. Im Laufe der Spielzeit kommen große Stimmen nach Berlin, darunter Cecilia Bartoli und Anna Netrebko. Hier liegt das Mondäne weniger im Glitzer als im Ritual eines Opernabends. Und in diesem wunderbaren Gefühl, wenn mit den ersten Takten für ein paar Stunden eine andere Welt beginnt.
Und Berlin wäre nicht Berlin, wenn der glamouröse Teil des Tages nur auf Bühnen und Tanzparkett stattfinden würde. Schon vorher lässt sich das passende Gefühl finden. Der Kurfürstendamm empfiehlt sich für einen Einkaufs- oder Schaufensterbummel, vorbei an den großen Namen der Modewelt. Wer die historische Kulisse bevorzugt, flaniert über den Gendarmenmarkt. Wenn Konzerthaus und die beiden Dome am Abend beleuchtet sind, wirkt Berlin überraschend vornehm. Und wer den Tag stilvoll ausklingen lassen möchte, hat reichlich Auswahl: In den eleganten Bars der Stadt warten Champagner, raffinierte Cocktails und eine Atmosphäre, die lässig, mondän und voller Lebenslust ist.