Nach dem 2:0-Erfolg im Südwestderby gegen den SV Waldhof Mannheim hat Drittligist 1. FC Saarbrücken nur noch ein großes Ziel: den Gewinn des Saarlandpokals und damit das Erreichen des DFB-Pokals. In Sachen Personal gibt es derweil erste Tendenzen.
Es war wieder einmal Ausnahmezustand in Saarbrücken. Dass Spiele in der saarländischen Landeshauptstadt im Vorfeld zu sogenannten Rotspielen erklärt werden, ist längst keine Besonderheit mehr. Beim Derby zwischen dem 1. FC Saarbrücken und dem SV Waldhof Mannheim mag das aufgrund der Rivalität nachvollziehbar sein. Dass jedoch bei einem sportlich letztlich bedeutungslosen Spiel die halbe Innenstadt lahmgelegt wurde, mehrere Straßen gesperrt waren und eine Zufahrt zum Stadion bereits Stunden vor dem Anpfiff kaum noch möglich war, wirkte überdimensioniert. Die Erfahrung aus einer kompletten Saison zeigt, dass es auch anders geht – kleiner, gelassener und mit weniger Eingriffen.
Giannikis lobt die Moral des Teams
Warum die Polizei sich zudem bemüßigt sah, den Einlass der Heimfans zu kontrollieren und damit einen Eklat riskierte, bleibt offen. Erst nach einem Kooperationsgespräch betrat die organisierte Fanszene rund eine halbe Stunde vor dem Anpfiff das Stadion. Die geplante Ehrung der Aufstiegsmannschaft von 1976 musste infolgedessen in die Halbzeitpause verschoben werden.
Sportlich sicherte sich der FCS mit dem 2:0 gegen biedere Kurpfälzer auch rechnerisch den Klassenerhalt. Trainer Argirios Giannikis sagte: „Als wir angefangen haben, hatten wir einen Punkt Vorsprung auf Aue. Es gibt Mannschaften, die wären an solchen Situationen zerbrochen. Wir hatten schwierige Phasen, haben auch von außen einiges abbekommen. Aber wir haben uns gewehrt. Ich bin stolz auf das Erreichte.“ Vor 15.000 Zuschauern im ausverkauften Ludwigsparkstadion traf Kai Brünker nach 20 Minuten mit der ersten klaren Offensivaktion zur Führung. „Wir haben etwas gebraucht, um ins Spiel zu kommen. Nach dem Tor hatten wir Kontrolle und hätten nachlegen können“, ordnete Giannikis ein. Unmittelbar nach der Pause erhöhte Florian Pick per umstrittenem Foulelfmeter auf 2:0. Gästetrainer Luc Holtz zeigte sich verärgert: „Ich habe mir die Szene mehrfach angesehen und erkenne keinen Elfmeter. In dieser Phase wollten wir zurück ins Spiel kommen. Am Ende fühlen wir uns benachteiligt, müssen Saarbrücken aber dennoch zum Sieg gratulieren.“
Für die Blau-Schwarzen endet eine insgesamt unbefriedigende Saison damit zumindest halbwegs versöhnlich. Gewinner der vergangenen Wochen ist unter anderem Philip Fahrner, der sich auf der rechten Abwehrseite festgespielt hat und sogar Routinier Calogero Rizzuto verdrängte. „Ich habe an mich geglaubt und weitergearbeitet. Jetzt ist meine Zeit gekommen“, sagte der 23-Jährige, dessen Vertrag wie der von vielen anderen ausläuft und der sich einen Verbleib gut vorstellen kann.
Auch Sebastian Vasiliadis steht vor einer offenen Zukunft. In Topform ist er einer der Schlüsselspieler, seine Verletzungshistorie spricht jedoch gegen ihn. „Ich fühle mich fit und bin bereit für Gespräche. Was am Ende dabei herauskommt, wird man sehen“, erklärte er.
Kommt Schleusener vom KSC?
Im Hintergrund laufen die Planungen bereits auf Hochtouren. Giannikis hat intern klare Vorstellungen geäußert und plant mit 23 Feldspielern sowie drei Torhütern. Gleichzeitig zeichnet sich ab, dass mehrere Spieler den Verein verlassen könnten. Lasse Wilhelm steht in Kontakt mit dem 1. FC Kaiserslautern, während Joel Bichsel mit einem Wechsel zu Dynamo Dresden in Verbindung gebracht wird, wo sein früherer Trainer Thomas Stamm tätig ist. „Das gehört zum Geschäft“, sagte Giannikis.
Auch im Tor könnte es Bewegung geben. Phillip Menzel betonte zwar seine Verbundenheit zum Verein, steht jedoch vor einem möglichen Wechsel. Nach FORUM-Informationen soll sich Eintracht Braunschweig intensiv mit dem Schlussmann auseinandersetzen. Selbst Co-Kapitän Patrick Sontheimer ist keine „sichere Bank“. Trotz Vertrag wird er mit 1860 München, dem FC Ingolstadt und Greuther Fürth in Verbindung gebracht. Parallel dazu werden erste Namen gehandelt. Tore Jacobsen gilt als interessanter Kandidat. „Das war damals ein sehr guter Transfer“, sagte Giannikis mit Blick auf die gemeinsame Zeit bei 1860 München.
Im Angriff deutet sich ebenfalls Bewegung an. Fabian Schleusener vom Karlsruher SC liegt ein Angebot des FCS vor. Ihn wollte Sportchef Markus Thiele bereits vor einem Jahr nach Ulm lotsen. Dominic Baumann und Luca Wollschläger sollen den Verein verlassen, dafür sollen zwei junge Angreifer kommen. Auch Patrick Schmidt dürfte es sportlich schwer haben.
Sportlich gilt es nun, die Spannung hochzuhalten. Zwei Ligaspiele stehen noch an, bevor das Pokalfinale gegen den FC Homburg folgt. „Wir wollen im Flow bleiben“, sagte Giannikis. Fahrner ergänzte: „Wir haben die Chance, die Saison doch noch versöhnlich abzuschließen.“
Danach beginnt in Saarbrücken eine neue Zeitrechnung. Rund 20 Verträge laufen aus – der Umbruch ist unausweichlich. Gespräche wurden unter anderem mit Maurice Multhaup und Kaan Caliskaner geführt. Beide möchte Giannikis gerne halten, beide können sich einen Verbleib grundsätzlich vorstellen.