Hertha BSC sorgt für positive Schlagzeilen – nicht nur sportlich. Drei Siege in einer Woche, defensive Stabilität und spürbare Aufbruchsstimmung prägen das Bild im Westend. Auch wirtschaftlich scheint der Club auf dem Weg der Erholung.
Fabian Reese war die Stimmung im Olympiastadion offenbar noch nicht laut genug – gerade hatte er unmittelbar vor dem Pausenpfiff per Foulelfmeter zum 2:0 erhöht, da lief er mit den Händen hinter den Ohren in Richtung des mit 18.000 Fans von Dynamo Dresden gefüllten Bereichs. Am Ecksektor angelangt, entfaltete er dazu die dort befestigte Hertha-Fahne und hielt sie in Richtung des Gästebereichs. Doch es lief auch einfach zu gut für seine Mannschaft und ihn, um nicht etwas berauscht zu sein: Alle drei (Heim-)Partien der englischen Woche konnte Hertha BSC am Ende für sich entscheiden – und das mit insgesamt 6:0 Toren. Beim 1:0 gegen Fortuna Düsseldorf zum Auftakt gelang der Siegtreffer erst tief in der Nachspielzeit. Dann hatte drei Tage später das Topteam der SV Elversberg beim 3:0 um den Einzug ins DFB-Pokal-Achtelfinale recht eindeutig das Nachsehen – und auch im nächsten Ligaspiel setzte sich der positive Trend von Hertha BSC durch gegen ein Dresdner Team, das letztlich zu harmlos gegen gar nicht mal so übermächtige Blau-Weiße agierte.
Sechs Treffer in englischer Woche
Einerseits legte man wieder defensive Stabilität an den Tag, andererseits fielen die Treffer zu den richtigen Zeitpunkten. Bereits nach einer Viertelstunde brachte Michaël Cuisance die Hausherren wie schon gegen Elversberg in Führung. Ein schönes Solo inklusive Doppelpass auf engstem Raum mit Linus Gechter nutzte der Franzose zu einem sehenswerten Abschluss ins lange Eck.
„Ich fand uns in den ersten 20 Minuten unfassbar gut, unfassbar strukturiert“, schwärmte dann auch Stefan Leitl nach Abpfiff besonders von der starken Anfangsphase seiner Schützlinge. Nach dem 1:0 aber taten die Hauptstädter eigentlich nur das Nötigste, hatten auch wenig Probleme mit Dynamos Vorstößen –
und bekamen das 2:0 quasi auf dem Silbertablett serviert. Kammerknecht rannte im eigenen Strafraum Michal Karbownik über den Haufen und verursachte den erwähnten Foulelfmeter, der für eine beruhigende 2:0-Pausenführung sorgte.
In der zweiten Halbzeit erspielte sich Hertha dann nur noch zwei nennenswerte Abschlüsse durch Reese und Cuisance gegen biedere Sachsen. „Ein sehr erwachsener Auftritt – Hut ab vor der Mannschaftsleistung“, lobte Kapitän Toni Leistner den Gesamtauftritt gegen Dynamo Dresden und sprach dazu angesichts der drei Siege binnen acht Tagen obendrein von einem „kleinen Wendepunkt“.
Zwar hatte es dabei im Stadion weit vor Anpfiff bereits eine Auseinandersetzung zwischen Fangruppen gegeben, die die Sicherheitskräfte schnell beenden konnten – ansonsten aber waren sich alle Verantwortlichen einig, dass die knapp 71.000 Zuschauer über die 90 Minuten einen stimmungsvollen und sportlichen Rahmen abgaben.
„Es war eine überragende Kulisse: ausverkauftes Haus, Olympiastadion – das ist dann schon Gänsehaut, viel mehr geht in Deutschland nicht“, fasste Torwart Tjark Ernst die Eindrücke aus dem weiten Rund an diesem Nachmittag begeistert zusammen.
Durch die mittlerweile verringerte Kapazität der Arena im Westend war die Besucherzahl nur die bislang neuntgrößte bei einem Zweitligaduell. Darunter finden sich nun aber gleich sieben Hertha-Heimspiele (Nummer eins: 77.573 bei 1860 – Stuttgart im April 1977).
Am Samstagabend wartet dann auf dem Betzenberg beim 1. FC Kaiserslautern bereits die nächste besondere Atmosphäre auf Hertha BSC – diesmal wird sie allerdings mehr Gegen- als Rückenwind bedeuten. Die Pfälzer wird man dabei auch im Achtelfinale des DFB-Pokals (2./3. Dezember) wiedersehen, wie die Auslosung am Sonntag ergab.
Positive Finanzentwicklung
Die verbesserte Personalsituation erlaubte Stefan Leitl dabei, während der englischen Woche zum Teil rotieren zu lassen. So blieb Kennet Eichhorn, der die ersten beiden Partien im defensiven Mittelfeld gespielt hatte, gegen Dresden über die gesamte Spielzeit draußen – dafür spielten dann seine jeweiligen vorherigen Partner auf der „Doppel-Sechs“, Diego Demme und Paul Seguin, am Sonnabend Seite an Seite.
Die beiden Routiniers konnten dabei trotz längerer Verletzungspausen unter Beweis stellen, dass sie nicht nur voll regeneriert, sondern auch bereits echte Verstärkungen sind. Gechter wiederum agierte in beiden Ligaspielen als Rechtsverteidiger, rückte jedoch zwischendurch im DFB-Pokal auf seinen eigentlich angestammten Platz in der Innenverteidigung, weil Leistner dort eine Verschnaufpause erhielt.
Gegen Dresden allerdings musste Gechter schon nach einer guten halben Stunde angeschlagen raus und wurde durch Julian Eitschberger ersetzt, der bereits im Pokal die rechte Defensivseite bezogen hatte. Nach seinem „Joker“-Tor gegen Düsseldorf spielte Maurice Krattenmacher dazu zweimal von Beginn an. Sebastian Grönning und Luca Schuler besetzten abwechselnd den einzigen Platz im Sturm.
Der nach dem Düsseldorf-Spiel wiederum wegen seines spektakulären Fehlschusses in den Fokus geratene Jon Dagur Thorsteinsson wurde in den beiden folgenden Partien erst spät von der Bank gebracht –
gegen Elversberg überließ Stammschütze Reese ihm den Elfmeter in der Nachspielzeit, nach dessen erfolgreicher Ausführung der Isländer spürbar ausgelassen seinen ersten Treffer für Hertha BSC feierte. Also: Bei aller Rotation und Konkurrenz scheint aktuell auch die Chemie im Kader der Blau-Weißen zu stimmen.
Die momentan sehr positive Gesamterscheinung im Westend rundete vergangene Woche dazu Finanzvorstand Ralf Huschen mit seinem Bericht zum Geschäftsjahr 2024/25 ab. Denn die Summe der Verbindlichkeiten belief sich zwar immer noch auf rund 51 Millionen Euro, konnte in dem betreffenden Zeitraum aber weiter um fast sechs Millionen gedrückt werden.
Auch die anderen Parameter zeigen eine positive Entwicklung auf dem Weg der schrittweisen Stabilisierung des Vereins. Das Minus des Netto-Jahresergebnisses etwa konnte gegenüber dem Vorjahr mehr als halbiert werden (nun 15,6 Millionen), bei den Sachkosten wurden vier Millionen eingespart, sodass das operative Ergebnis sogar ein geringes Plus ausweist. „Das positive operative Ergebnis ist ein deutliches Zeichen dafür, dass wir mit Hertha BSC wirtschaftlich auf dem Weg der Gesundung sind“, erklärte Huschen dazu in einer Mitteilung des Clubs. „Wir haben in den vergangenen Jahren intensive Restrukturierungsarbeit geleistet – diese Maßnahmen greifen nun sichtbar. Trotz weiterhin anspruchsvoller Marktbedingungen konnten wir unsere Ausgaben weiter reduzieren und das Jahresergebnis spürbar verbessern.“