Die Saarlouis Royals sind nach einem Befreiungsschlag zurück auf internationaler Bühne. Auch dort wollen sie an die starke Vorsaison anknüpfen.
Die vergangene Saison war für die Saarlouis Royals so etwas wie ein Befreiungsschlag. Der Damen-Basketball-Bundesligist hat sich mit dem Pokalsieg und der Deutschen Vizemeisterschafen nicht nur eine Marke auf die nationale Landkarte gesetzt, sondern nach langer Abstinenz auch wieder auf die europäische. Durch ihre Teilnahme am EuroCup sind die Basketballerinnen des BC Saarlouis neben dem 1. FC Saarbrücken Tischtennis die einzige in einem internationalen Wettbewerb vertretene saarländische Mannschaft. Schon am kommenden Mittwoch erwartet sie hier ein erstes Highlight: Um 18 Uhr empfangen die Königlichen den türkischen Vertreter Emlak Konut SK Istanbul in der heimischen Stadtgartenhalle. Außerdem treffen die Royals in der Gruppenphase auf TTT Riga und den Verlierer der Qualifikationsspiele zur EuroLeague Women zwischen Umana Reyer Venezia (Italien) und Roter Stern Belgrad (KKZ Crvena Zvezda) aus Serbien. Vorher steht das erste Bundesliga-Heimspiel auf dem Plan. Nach dem Auftakt beim Syntainicy MBC gastieren am kommenden Sonntag ab 17 Uhr die Girolive Panthers in Saarlouis.
Erfolgsgarant Matiss Rozlapa
Die weiter von Matiss Rozlapa trainierte Saarlouiser Mannschaft hat allerdings ein neues Gesicht. Beziehungsweise sechs neue Gesichter (Stand jetzt). Aus der vergangenen Saison sind Führungsspielerin Magaly Meynadier (33 Jahre) aus Luxemburg, die US-Amerikanerin Martha Burse, die Finnin Roosa Lehtoranta (28), die deutschen Nationalspielerin Jessika Schiffer (24), die Polin Monika Jasnowska (32) sowie die saarländischen Talente Marie Simon (22) und Gloria Kunisch (16) bei den Royals geblieben. Taya Corosdale, Hayley Frank, Erika Davenport, Victoria Majekodunmi, Gabija Meskonyte und Marusa Senicar haben den Verein verlassen. „Nach dem Pokalsieg und einer starken Vorsaison lagen die Erwartungen hoch. Nicht alle Spielerinnen konnten gehalten werden, auch weil die FIBA im internationalen Wettbewerb nur zwei Nicht-EU-Spielerinnen zulässt“, erklärt Royals-Sportdirektor Hermann Paar: „Das zwang zu Umstellungen, eröffnet aber zugleich die Möglichkeit, im Saisonverlauf flexibel nachzuverpflichten.“ „Die letzte Saison ist Geschichte“, stellt Trainer Rozlapa klar: „Jetzt zählt die neue Spielzeit. Wir arbeiten täglich, um konkurrenzfähig zu sein.“
Ein wesentlicher Faktor ist dabei auch weiterhin die Topspielerin der Vorsaison, Martha Burse. „Das ist keine Selbstverständlichkeit“, betont Paar: „Unser Ziel war es, Martha ein Umfeld zu bieten, in dem sie sich wohlfühlt und weiterentwickeln kann. Entscheidenden Anteil daran hatte die Professionalisierung der Strukturen und der Entschluss, erneut auf europäischer Bühne anzutreten.“ Bereits im Jahr 2000 (damals „Ronchetti Cup“) und in der EuroCup-Saison 2009/2010 mischten die Royals auf internationaler Bühne mit. „Wir bringen kaum Erfahrung in diesem Wettbewerb mit – organisatorisch wie sportlich ist das eine Mammutaufgabe“, weiß Hermann Paar und kündigt an: „Für uns geht es zunächst darum, Erfahrungen zu sammeln. Wir bauen neue Strukturen auf, sportlich wie organisatorisch. Das braucht Zeit, aber wir sind ehrgeizig.“ Das bestätigen die offiziell erklärten Saisonziele: Das Erreichen der Halbfinals – beziehungswiese des „Final Fours“ – in Pokal und Liga. „Wenn wir das schaffen, ist nach oben alles möglich“, findet Matiss Rozlapa, der aber auch weiß, dass Kleinigkeiten entscheiden können: „Jedes Ligaspiel wird umkämpft sein – das macht die Bundesliga so interessant“, sagt er und gibt mit Blick auf die Dreifachbelastung aus Pokal, Liga und Europapokal zu: „Es ist schwer abzuschätzen, ob wir dafür schon bereit sind.“ Um diese Bereitschaft herzustellen, will der Trainer einen Spielstil entwickeln, „der die individuellen Stärken der Spielerinnen bestmöglich zur Geltung bringt. Wir entwickeln uns stetig weiter, bleiben unseren Zielen treu und wachsen als Team. Wenn wir diesen Weg konsequent gehen, können wir Großes erreichen.“
Vorausgesetzt, die Integration der bisher sechs Neuzugänge gelingt reibungslos. Zuletzt wurde zwei Wochen vor dem Saisonstart die Verpflichtung der US-Amerikanerin Brynn Shoup-Hill verkündet. Die 23-Jährige stammt aus Goshen im US-Bundesstaat Indiana und spielte zuletzt für die University of Illinois in der NCAA Division I. Sie misst 191 Zentimeter, wird als Power Forward (deutsch: kraftvolle Angriffsspielerin) eingesetzt im Team, die für mehr Präsenz unter den Körben sorgen soll. Zudem bringt Shoup-Hill auch Qualitäten im Distanz- und Freiwurf mit. Mit einer Quote von 29,1 Prozent von der Drei-Punkte-Linie und 80,4 Prozent von der Freiwurflinie zeigte sie, dass auch Distanzwürfe für sie eine gute Option sind.
Spannende Verpflichtungen
Ebenfalls eine gute Option – wenn nicht sogar ein bisschen mehr – ist die neue Centerin der Royals, Nogaye Lo Sylla. Die 29-jährige Spanierin (192 Zentimeter groß) spielte zuletzt in Spanien für Azul Marino Sant Josep Palma de Mallorca und bringt internationale Erfahrung mit aus dem EuroCup (2019 bis 2021 für Lointek Gernika Bizkaia) und sogar dem höchsten europäischen Vereinswettbewerb, der EuroLeague Women (2021/2022), in der sie mit Perfumerias Avenida Salamanca das Final Four erreicht hatte. Auch Elina Koskimies aus Finnland hat internationale Erfahrung vorzuweisen. Die 29-jährige Flügelspielerin ist Nationalspielerin ihres Landes und kommt als finnische Meisterin von Kotka Peli-Karhut an die Saar. Die deutsche Bundesliga kennt sie bereits von ihren Gastspielen bei den Eigner Angels Nördlingen (2021 bis 2023) und den Rutronik Stars Keltern (2023/2024), mit denen sie im EuroCup vertreten war. Luize Sila aus Lettland ist ebenfalls Nationalspielerin. Die 21-Jährige wird als Power Forward und Centerin eingesetzt und kam vom spanischen Erstligist Celta Zorka nach Saarlouis. Schon in der Saison 2020/2021 debütierte sie beim kommenden EuroCup-Gegner TTT Riga in der EuroLeague. 2024 gewann sie mit Riga die nationale Meisterschaft, erreichte das Viertelfinale im EuroCup und wurde vom lettischen Basketballverband mit dem Nachwuchspreis „Hope of the Year“-Award ausgezeichnet.
Zwei deutsche Spielerinnen runden die Riege der Neuzugänge ab: Mit Hannah Biwersi hat sich den Royals ein 18-jähriges Talent angeschlossen, das familiäre Wurzeln in Saarbrücken hat. Aufgewachsen ist sie allerdings im schwedischen Södertälje, wo sie vor Kurzem ihr Abitur ablegte. Biwersi besitzt sowohl die deutsche als auch die schwedische Staatsbürgerschaft. Ihre basketballerische Ausbildung erhielt Biwersi beim traditionsreichen Club Södertälje BBK, einem der erfolgreichsten Vereine Schwedens. Dort lernte sie den zweiten deutschen Neuzugang der Royals kennen, Nationalspielerin Emma Eichmeyer. Sie hatte zuvor lange in Osnabrück gespielt, bevor sie in der Saison 2023/2024 nach England zu den Westfield Health Sheffield Hatters und zur vergangenen Saison eben nach Södertälje wechselte. Die 25-Jährige stand nach Vereinsangaben schon länger auf der Wunschliste von Trainer Matiss Rozlapa.