Kathrin Rauschkolb, Pflegeberaterin bei der IKK Südwest und Jurorin des Wettbewerbs „Kreativ und inklusiv“ weiß, wie sehr Kunst Menschen begeistern und beflügeln kann.
Frau Rauschkolb, Sie waren als eine von fünf Jurorinnen für die Auswahl der Werke des Wettbewerbs „Kreativ und inklusiv“ zuständig. Aus 1.320 eingereichten Kunstwerken haben Sie 13 Bilder für den Kalender plus rund 130 für die Wanderausstellung ausgewählt. Wie haben Sie das gemacht beziehungsweise geschafft?
Die Auswahl der Bilder ist immer eine aufregende Sache. Das Jurytreffen findet in den Räumlichkeiten des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung in Mainz statt. Dort sind dann alle eingereichten Kunstwerke schon für uns Juroren vorbereitet. Und das sind nicht nur sehr viele, sondern auch sehr unterschiedliche Werke, in allen Techniken, Formen und Größen. In diesem Jahr hatte das kleinste eingereichte Kunstwerk das Format 12,6 x 14,9 Zentimeter, das größte 83 x 75 Zentimeter. Die Menschen, die sie gemalt haben, haben verschiedene Beeinträchtigungen und verleihen ihren Gefühlen in der Kunst auch auf vielfältige Art und Weise Ausdruck. Es ist wirklich nicht leicht, die Werke miteinander zu vergleichen. Auch wir Jurymitglieder kommen alle mit vollkommen unterschiedlichen persönlichen und beruflichen Hintergründen. Demensprechend schaut auch jeder von uns mit einem anderen Blick auf die eingereichten Bilder. Für mich zum Beispiel ist immer ganz wichtig das Gefühl, das man beim Betrachten eines Bildes bekommt. Wir verbringen sehr viel Zeit mit der Sichtung der Werke, es wird viel diskutiert und debattiert, bis wir uns letztendlich auf die Bilder für den Kalender und die Wanderausstellung einigen. Aber wir finden in jedem Jahr aufs Neue eine interessante, ausgewogene Mischung.
Sie haben die Vernissage in der IKK Südwest moderiert. An welchen Moment der Veranstaltung erinnern Sie sich besonders gerne?
Die Veranstaltungen zur Eröffnung der Wanderausstellung sind immer ganz besonders. Ich beziehe alle anwesenden Künstlerinnen und Künstler in die Moderation mit ein. Jeder, der mag und sich traut, darf sein Bild dem Publikum vorstellen. Diese Anerkennung zu erfahren und anderen zeigen zu können, was sie geschaffen haben, ist für die meisten von ihnen hochemotional. Ihre Reaktionen und Aussagen sind immer völlig unverfälscht, ganz offen und ehrlich. Manchmal sprudeln dann auch die Gefühle richtig über. Deswegen ist keine Vernissage wie die andere und man kann sich nur bedingt darauf vorbereiten. Bei der Eröffnung in Saarbrücken war beispielsweise ein Künstler anwesend, der multiple Beeinträchtigungen hat und seine Gefühle nicht sprechend ausdrücken kann. Als er sein Bild auf dem Monitor erkannt hat, war seine unbändige Freude darüber aber trotzdem so deutlich, dass das alle im Saal angesteckt hat. Dieser Stolz, diese Begeisterung! Das war ein wunderbarer Moment, der gezeigt hat, dass die Sprache des Herzens keine Worte braucht.
Einige Bilder haben einen roten Punkt und sind bereits verkauft. Wissen Sie Genaueres?
Ja, viele der Bilder finden recht schnell einen Käufer. Und das ist großartig, denn der Erlös aus dem Verkauf kommt den Künstlerinnen und Künstlern zugute. Schon bei den Vorbereitungen zur Vernissage in Saarbrücken gab es beispielsweise einen IKK-Kollegen, der sich für ein Werk ganz besonders begeistert hat und es erwerben wollte; ich hoffe, er hatte Glück und ist zum Zuge gekommen. Wie es ganz aktuell um die Verkäufe bestellt ist, kann ich aber leider nicht sagen – am besten überzeugt man sich vor Ort, ob ein Bild noch zu haben ist.