COPD ist eine der häufigsten Todesursachen der Welt – und hat somit den Status einer Volkskrankheit inne. Was hat es damit auf sich? Und wie heben Forschende Therapiemöglichkeiten auf ein neues Level? Eine Übersicht.
Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist eine der weltweit häufigsten und schwersten Lungenerkrankungen und betrifft vor allem ältere Erwachsene. Sie zählt zu den führenden Todesursachen. In Deutschland gilt das Rauchen als wichtigster Risikofaktor – und weil das vermeidbar ist, gilt COPD in vielen Fällen als potenziell vermeidbare Erkrankung. Doch auch andere Einflüsse können die Erkrankung begünstigen: Luftschadstoffe wie Feinstaub, bestimmte berufliche Belastungen, häufige Atemwegsinfekte in der Kindheit oder eine genetische Veranlagung. Dazu gehört etwa der Alpha-1-Antitrypsin-Mangel, eine seltene Erbkrankheit, bei der ein schützendes Eiweiß für die Lunge fehlt oder fehlerhaft ist.
Die Erkrankung entwickelt sich meist langsam, aber stetig fortschreitend. COPD entsteht durch eine chronische Entzündung der Atemwege, die zu einer dauerhaften und meist fortschreitenden Verengung der Bronchien führt. Typische Beschwerden sind anhaltender Husten und Auswurf (chronische Bronchitis) sowie eine Überblähung der Lungenbläschen (Lungenemphysem). Beide Veränderungen treten häufig gemeinsam auf. Viele Betroffene leiden im Verlauf unter zunehmender Atemnot, die den Alltag stark einschränkt und selbst einfache Tätigkeiten zur Herausforderung machen kann.
Forscherinnen und Forscher arbeiten intensiv daran, COPD besser zu verstehen und neue Therapien zu entwickeln. Beispielsweise verlieh die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) den Pneumologie-Forschungspreis 2024 an Dr. Cheng Yu Wu von der Justus Liebig Universität Gießen. Er entdeckte ein körpereigenes Molekül, das die Abwehrmechanismen gegen COPD beeinflusst.
Das Molekül CEACAM6 spielt bei der COPD-Resistenz eine entscheidende Rolle
Preisträger Cheng-Yu Wu erklärte: „Zunächst einmal wollte ich mit Blick auf den aktuellen Forschungsstand herausfinden, warum manche Menschen anfälliger für COPD sind.“ Wie es auf dem Portal pneumologie.de heißt, habe der Gießener Forscher deshalb ein neuartiges In-vitro-Modell für zigarettenrauchresistente Zellen entwickelt. Mithilfe dieses Modells verglich er resistente und nicht-resistente Zellen, um herauszufinden, welcher Mechanismus die Resistenz gegen Zigarettenrauch verursachte. „Diese Ergebnisse wurden weiter validiert und waren mit den klinischen Szenarien vergleichbar“, so Wu. Damit konnte er schließlich erstmals das Molekül CEACAM6 identifizieren, welches eine entscheidende Rolle in der körpereigenen Resistenz gegen COPD spielt.
Laut DGP könnten Wus Ergebnisse die klinische Praxis deutlich bereichern. Der Preisträger selbst sagte: „Zum einen könnte auf dieser Grundlage ein Biomarker als Diagnose-Instrument entwickelt werden, um Menschen zu identifizieren, die anfällig für die Entwicklung einer COPD sind. Zum anderen könnte das gezielte Verringern der Aktivität von CEACAM6 als mögliche Therapie zur Stärkung der antioxidativen Abwehrkräfte der Patientinnen und Patienten eingesetzt werden.“
Auf Basis seiner Forschung ließen sich künftig sowohl Biomarker zur Risikoerkennung als auch Therapien zur Stärkung der antioxidativen Abwehr entwickeln. „Wir werden zukünftig noch viele Berührungspunkte mit CEACAM6 haben und sollten uns dabei immer wieder an den heutigen Moment und Dr. Cheng-Yu Wu erinnern“, betonte Professorin Antje Prasse, Chefärztin für Pneumologie am Universitätsspital Basel, Jurymitglied und Vorsitzende der Programmkommission des DGP-Kongresses in Mannheim, wo die Preisverleihung stattfand. Der mit 10.000 Euro dotierte Forschungspreis würdigt Wus grundlegende Arbeiten zu den Abwehrmechanismen des Körpers bei COPD. DGP-Präsident Prof. Wolfram Windisch hob hervor, dass seine Ergebnisse für Pneumologinnen, Pneumologen und Betroffene gleichermaßen wegweisend seien.
Für seine Untersuchungen analysierte Wu in biologischen Proben – einschließlich Sputum, Lungengewebe und Blut – aus vier verschiedenen Kohorten die Mechanismen im Körper von COPD-Patientinnen und -Patienten und verglich diese mit gesunden Kontrollproben. Diese Untersuchungen zielen darauf ab, körpereigene Mechanismen zu identifizieren, die sich günstig auf das Voranschreiten einer COPD auswirken – oder der Entwicklung eines Emphysems entgegenwirken.
Zudem wurde im vergangenen Jahr ein neues klinisches Entscheidungshilfesystem (Clinical decision support system, CDSS) gestartet, wie das „Deutsche Ärzteblatt“ berichtet. Es soll die COPD- Behandlung verbessern, Risiken früher erkennen und Krankheitsverläufe verlangsamen. Das Projekt „PerMed COPD“ wird von der Universitätsmedizin Marburg koordiniert und mit fünf Millionen Euro gefördert. Beteiligt sind dabei Universitäten in Heidelberg, München und Münster sowie ein mittelständisches Unternehmen.
Projektleiter ist Claus Vogelmeier, Direktor der Klinik für Innere Medizin mit Schwerpunkt Pneumologie am Universitätsklinikum Marburg. Er sagte: „Leider wird eine COPD-Erkrankung oft erst diagnostiziert, wenn sie schon fortgeschritten ist.“ Zudem betonte er, dass COPD-Patienten oft auch andere behandlungspflichtige Erkrankungen hätten. Diese müssten in einem guten Behandlungskonzept berücksichtigt werden. COPD war 2015 die weltweit dritthäufigste Todesursache. Daraus ergebe sich sowohl mit Blick auf jeden einzelnen Patienten als auch in Hinsicht auf die Gesamtbevölkerung eine hohe Belastung, die aufgrund der alternden Bevölkerung in Zukunft mutmaßlich weiter ansteigen werde.
Die Erkrankung verursacht hohe Kosten: In Deutschland werden pro Patient durch Behandlung sowie Minderung der Arbeitskraft bis zu 37.000 Euro jährlich veranschlagt, europaweit rund 48 Milliarden Euro. Die Diagnose ist oft schwierig, da COPD komplex verläuft und von anderen Erkrankungen überlagert werden kann. Rund die Hälfte der Fälle bleibt in frühen Stadien unentdeckt. Aufgrund des umfassenden Krankheitsbildes stellen eindeutige Diagnosen sowie individuell passende Behandlungsansätze häufig eine große Herausforderung dar.
Bis zu 37.000 Euro pro Jahr fallen pro COPD-Patienten an
Das Projekt „PerMed COPD“ soll zeigen, wie moderne wissenschaftliche Erkenntnisse die Diagnostik und Klassifizierung verbessern können, um individuellere Therapien zu ermöglichen. Dafür arbeitet ein multidisziplinäres Team aus Kliniken, Forschungseinrichtungen, Informatik, Patientenvertretungen und einem Unternehmen zusammen. Unterstützt wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.
Atemwegsinfekte gehören zu den häufigsten Auslösern akuter Verschlechterungen einer COPD. Rund 70 Prozent aller Exazerbationen gehen auf solche Infektionen zurück, etwa ein Drittel davon auf Viren. Deshalb spielen Impfungen für Menschen mit COPD eine besonders wichtige Rolle, wie der Lungeninformationsdienst erklärt – ein Gesundheitsportal von Helmholtz Munich in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL).
Eine aktuelle Auswertung zeigt, dass Impfungen das Risiko schwerer Krankheitsverläufe deutlich senken können. Besonders wichtig ist die jährliche Grippeimpfung, da sie das Risiko für Komplikationen und damit verbundene Verschlechterungen erheblich reduziert. Die Pneumokokken-Impfung schützt vor verschiedenen bakteriellen Infektionen, darunter Lungenentzündungen, die bei COPD-Betroffenen oft besonders schwer verlaufen.
Auch die Impfung gegen das Coronavirus bietet einen wirksamen Schutz vor schweren Covid-19-Verläufen und kann somit wichtig für COPD-Patienten sein. Die Keuchhusten-Impfung schützt vor Bordetella pertussis, das bei COPD-Patientinnen und -Patienten ausgeprägte Atemwegsprobleme verursachen kann. Zudem wird die Varicella-Zoster-Impfung gegen Gürtelrose empfohlen, da auch sie bei COPD-Betroffenen zu Komplikationen führen kann. Für ältere Menschen kann darüber hinaus eine RS-Virus-Impfung sinnvoll sein, da sie ein erhöhtes Risiko für schwere Atemwegsinfektionen haben.