Der ausgehende Sommer zeigte überdeutlich das, was klimatisch auf uns zukommt. Wirtschaftlich setzte der Wassermangel dem Land deutlich zu. Für manchen Landwirt ist es eine Existenzfrage.
Es regnet endlich, wenn auch nur gelegentlich, dann mit Schauern, punktuellem Starkregen, aber auch Unwettern bis hin zu Tornados. Mehr fallendes Wasser heißt: Der Rhein und andere Flüsse und Bäche in Deutschland füllen sich langsam wieder. Bis sie alte Wasserstände wieder erreicht haben, wird es jedoch noch eine ganze Weile dauern. Die Tatsache, dass dieser Sommer mit teils über 41 Grad Celsius infolge des Klimawandels häufig als „der für lange Zeiten kühlste Sommer“ bezeichnet wurde, lässt aber ahnen, was auf Europa, was auf Deutschland noch zukommt.
Klar ist: Eine länger anhaltende Dürre hätte das zarte Wirtschaftswachstum in Deutschland nahezu abgewürgt, so das Institut der deutschen Wirtschaft. Die Lage werde dramatischer, je länger die schiffbaren Flüsse zu wenig Wasser führen. Wie stark die tatsächlichen Einbußen sind, ist derzeit noch unklar.
Die akuten Folgen waren jedoch bereits im Geldbeutel spürbar, unter anderem beim Tanken. Dies war zeitweise vor allem in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz teurer. Sowohl bei Superbenzin der Sorte E10 als auch bei Diesel gab es dort die höchsten Durchschnittspreise in Deutschland, wie eine Auswertung des ADAC ergab. Der Abstand zum besonders billigen Mecklenburg-Vorpommern liegt teils bei mehr als acht Cent. Auch Berlin und Bayern lagen deutlich unter dem Durchschnitt. Insgesamt stiegen die Preise jedoch leicht an.
„Die höheren Preise in den drei teuersten Bundesländern dürften sich hauptsächlich durch die logistischen Herausforderungen aufgrund des Niedrigwassers am Rhein erklären lassen“, sagt der ADAC-Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer. Und das hat auch Auswirkungen auf den bundesweiten Durchschnitt. „Niedrigwasser ist ein Sonderfaktor, der auch den bundesweiten Durchschnitt um einige Cent nach oben ziehen dürfte“, so Laberer. „Mit Blick auf die Haupteinflussfaktoren, den Ölpreis und den Dollar-Wechselkurs, ist Sprit im Moment deutlich zu teuer.“ In den vergangenen Monaten war Rohöl schon teils deutlich teurer als jetzt. Der Irankrieg und die unklare Lage in der Straße von Hormuz tun ihr Übriges, um den Preis weiter auf hohem Niveau zu stabilisieren.
Die deutsche Bauwirtschaft musste sich ebenfalls schon auf höhere Preise einstellen, mal wieder. Denn auf den deutschen Flüssen wird vor allem Massengut, Schutt- und Stückgüter, darunter auch Baumaterialien wie Sand oder Kies, zu Betonwerken transportiert. Wegen des niedrigen Wasserstandes konnten die Schiffe nur bis zu maximal einem Viertel ihrer ursprünglichen Kapazität beladen werden. Das erhöhte die Menge an notwendigen Fahrten sowie die Transportkosten. Lkw oder Güterwaggons müssen hinzugezogen werden, und dort fehlt es an Kapazitäten und Lastwagenfahrern.
Unterschiedliche regionale Folgen
Auch für die deutsche Landwirtschaft hat die sengende Hitze der vergangenen Wochen teils dramatische Folgen. Bei der Ernte 2026 haben die Mähdrescher weniger Getreide von den Äckern geholt, wie die Branche ermittelte. Zu rechnen ist mit einer leicht unterdurchschnittlichen Getreidemenge von 41,9 Millionen Tonnen, so der Deutsche Bauernverband. Das wären sieben Prozent weniger als im Vorjahr, das aber mit 45 Millionen Tonnen ein starkes Ergebnis gebracht hatte. Außerdem zeigten sich enorme regionale Unterschiede mit Schäden vor allem im Süden. Die Branche fordert Finanzhilfen wegen einer angespannten Lage vieler Höfe – akute Folgen für die Verbraucherpreise erwartet sie eher nicht.
Bauernpräsident Joachim Rukwied sprach von einer enttäuschenden Ernte. „Insbesondere in Süd- und Westdeutschland haben fehlende Niederschläge zu schwachen Erträgen bis hin zu Missernten bei einzelnen Kulturen geführt.“ Der Standort habe in diesem Jahr über den Ertrag entschieden wie selten zuvor. Nach einem zu trockenen Frühjahr setzte in der zweiten Junihälfte noch eine Hitzewelle in der wichtigen Kornbildungsphase ein. Die erwartete Menge läge nun um ein Prozent unter dem Fünf-Jahres-Mittel von 42,5 Millionen Tonnen.
Einbußen zeigten sich etwa bei Winterweizen als wichtigster Getreideart und Winterraps, bei dem Schäden durch Schädlinge hinzukamen. Bei Kartoffeln zeichne sich ein mittleres bis unterdurchschnittliches Ergebnis ab, erläuterte der Bauernverband. Selbst auf Flächen mit künstlicher Bewässerung seien kaum durchschnittliche Erträge zu erwarten. Im Süden und andernorts mit zu wenig Regen gibt es auch Probleme beim Nachschub fürs Tierfutter, denn auf trockenen Wiesen wächst nach dem ersten Mähen kein Gras mehr nach. Da Futterzukäufe teuer seien, müssten teils auch Tiere notgeschlachtet werden. Bei den Ladenpreisen für Brot und Brötchen dürfte die geringere Ernte indes kaum zu spüren sein, dazu sei der Anteil des Getreides zu gering. Gründe für Anhebungen seien eher höhere Kosten für Energie, Löhne und Transport.
Beim Getreide müssen viele Bauern nun mit einer schwierigen Lage umgehen. Schon seit drei Jahren seien nur unterdurchschnittliche Preise zu erzielen, sagte Rukwied – und die Notierungen hängen an den internationalen Märkten. Nicht wenige Betriebe müssten die Ernte jetzt trotzdem direkt verkaufen, um offene Rechnungen zu begleichen und weiter wirtschaften zu können. Andere lagerten Getreide bei Genossenschaften oder auf dem eigenen Hof ein in der Hoffnung, dass die Preise in der zweiten Jahreshälfte anziehen könnten.
Energiepreise belasten enorm
Insgesamt sei die wirtschaftliche Lage wegen hoher Kosten, etwa für Energie, prekär, warnte der Verband. „Unsere Betriebe brauchen aktuell Saatgut und Diesel, später Dünge- und Pflanzenschutzmittel“, sagte Rukwied. Und ohne die notwendige Liquidität könnten sie die kommende Ernte nicht vorfinanzieren. Er fordert deshalb ein „Sofortpaket“ von der schwarz-roten Bundesregierung. So sollten von der EU geplante Düngemittelbeihilfen von 60 Millionen Euro national auf 180 Millionen Euro aufgestockt werden. Bei den Direktzahlungen aus der EU-Agrarfinanzierung sollten 80 Prozent von Dezember auf Oktober vorgezogen werden. Auch brauche es eine schnelle Steuersenkung bei Diesel. Zu Jahresbeginn waren nach Gesetzen der Koalition bereits Steuerentlastungen beim Agrardiesel und den Stromkosten für die Landwirtschaft in Kraft getreten.
Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU) machte deutlich, dass er die schwierige Lage im Blick hat, stellte zu den Forderungen aber zunächst keine konkreten Schritte in Aussicht. Er wies auf bestehende Hilfsinstrumente hin, dabei seien für mögliche zusätzliche Zahlungen wegen Extremwetters zunächst die Länder zuständig, hieß es. Voraussetzung für eine Beteiligung des Bundes ist eine Einstufung als „Ereignis von nationalem Ausmaß“. Nach der Dürre 2018 stellte der Bund 300 Millionen Euro Soforthilfe bereit, doch gab es laut Bundesrechnungshof danach Diskussionen um die Anspruchsberechtigung von Höfen.
Umweltverbände forderten, dass die Landwirtschaft sich stärker für Folgen des Klimawandels wappnen müsse. „Anhaltende Trockenheit im Sommer, die die Ernten bedroht, wird mit der fortschreitenden Erderwärmung immer häufiger auftreten – das bedroht langfristig unsere Ernährungssicherheit“, warnte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Der Naturschutzbund (Nabu) mahnte: „Statt immer neuer Forderungen nach billigem Agrardiesel und dem nächsten Hilfstopf braucht es wirksame Klimaanpassung.“ Die Agrarförderung müsse daher gezielt Anreize für widerstandsfähige Betriebe schaffen – etwa für mehr Vielfalt auf den Äckern, humusreiche Böden und einen besseren Wasserrückhalt.
Um einen besseren Rückhalt geht es auch Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD), allerdings eher beim Koalitionspartner CDU. Die von ihm angestoßene Debatte um die Aufnahme der notwendigen Klimaanpassungen als Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern ins Grundgesetz geht weiter. Der neue Staatsminister im Kanzleramt, Philipp Amthor (CDU), stellte sich dagegen, stattdessen forderte er, bestehende Maßnahmen und Handlungsmöglichkeiten besser auszuschöpfen. Es gäbe bereits zahlreiche Fördermaßnahmen für Länder und Kommunen, etwa für den Waldumbau oder die klimagerechte Ausstattung sozialer Einrichtungen.
Dies kann auch als eines der Hauptargumente für ein Festschreiben der Gemeinschaftsaufgabe gelten: eine sichere und klar definierte finanzielle Beteiligung des Bundes, rechtssicher und ohne ständige Einzelermächtigungen. Zudem bleiben meist solche Maßnahmen örtlich und zeitlich begrenzt, die Verantwortung dafür ist über unterschiedliche politische Ebenen und Ressorts verteilt. Ein solcher Schritt könnte dem Klimaschutz, der mittlerweile Verfassungsrang hat, zu neuem und schwererem Gewicht verhelfen.
Dagegen spräche, dass eine Zweidrittelmehrheit im Bundestag für eine Grundgesetzänderung derzeit schwierig zu organisieren sein könnte. Die Linke hat in Person von Parteichefin Ines Schwerdtner bereits Entgegenkommen signalisiert, wenn sich die beiden Koalitionspartner denn einigen sollten. Kritiker bemängeln jedoch auch, dies sei reine Symbolpolitik, stattdessen brauche es konkrete, durchfinanzierte Programme mit klaren Zielen.
Wissenschaftler haben mögliche Gegenmaßnahmen für die Landwirtschaft bereits vorgeschlagen. „Um die Landwirtschaft dauerhaft klimafester zu machen, müssen die Betriebe in ihrer Vorsorge- und Anpassungsfähigkeit gestärkt werden“, sagt Dr. Til Feike, Leiter des Julius-Kühn-Instituts für Pflanzenbau und Bodenkunde. Dazu gehören bessere Möglichkeiten zur betrieblichen Eigenvorsorge, tragfähige Mehrgefahrenversicherungen und ein vielfältigeres Kulturartenspektrum, um das Risiko besser zu streuen. Schon jetzt werden auf deutschen Äckern neue Sorten gesät und geerntet, die wetterbeständiger sind.
Auch Bewässerung könne regional Teil der Lösung sein, aber nicht die alleinige Antwort. Wasser ist begrenzt und in längeren Trockenphasen sind die Nutzungsansprüche auch in anderen Bereichen hoch, wie Trinkwasser, Energie, Verkehr und Umwelt. Zudem ist Bewässerung häufig mit hohen Kosten verbunden und nicht auf allen Flächen ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll.
Anpassungen unvermeidlich
„Wir haben hier kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem“, stellt Tobias Gaugler, Professor für Management in der Ökobranche an der TH Nürnberg, fest. „Staatliche Förderungen müssen so aufgebaut sein, dass Regionen auf das nächste Extremwetterereignis, aber auch auf die nächste geopolitische Krise, besser vorbereitet sind und die Versorgungssicherheit gewährleistet ist. Wir brauchen regionale, resiliente Ernährungssysteme, in denen Landwirtinnen und Landwirte auch in Zeiten multipler Krisen ein auskömmliches Einkommen erwirtschaften können, ohne die Natur auszubeuten.“ Aber nicht nur auf Seiten der Landwirtschaft müsse sich etwas tun. Auch Konsumenten könnten dazu beitragen, indem sie ihre Ernährungsgewohnheiten anpassen. „Die Bürgerinnen und Bürger sollten dafür begeistert werden, sich im Einklang mit Ernährungsempfehlungen wie der Planetary Health Diet der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und der Vereinten Nationen zu ernähren. Aber auch politische Maßnahmen wie die Reduktion der Mehrwertsteuer für gesunde und nachhaltige Lebensmittel wären ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt Gugler.
Klar ist, Wirtschaftssysteme wie die Landwirtschaft oder die Binnenschifffahrt werden sich transformieren müssen angesichts von Dürren, die laut Monitoring des Helmholtz-Instituts in den vergangenen Jahren immer häufiger auftraten. Sie werden nicht in jedem der kommenden Jahre so drastisch ausfallen wie in diesem. Aber der Kampf um eine Anpassung an das, was da in Zukunft noch kommt, wird mit jedem Dürrejahr härter und auch teurer.