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WAS MACHT EIGENTLICH...

Mit Axel Bunz, Leiter der Deutschen Vertretung in der Europäischen Kommission, demonstrierte Pack 1998 an einem Computer den direkten Zugang zur Datenbank der Europäischen Union in Brüssel
Foto: picture-alliance / dpa

Doris Pack?

Sie startete ihre politische Karriere als Gemeinderätin in Bübingen, später war sie Stadträtin in Saarbrücken. Mit zweijähriger Pause war sie von 1974 bis 1989 Mitglied im Deutschen Bundestag.

Ihrer Partei, der CDU, trat sie mit 20 Jahren bei. Ihre Politkarriere nahm fünf Jahre später Fahrt auf, als sie parallel zu ihrem Beruf als Grund- und Hauptschullehrerin in Ottweiler und Bübingen Gemeinderätin in Bübingen wurde. Nach der Gebiets- und Verwaltungsreform 1974 wirkte sie bis 1976 im Saarbrücker Stadtrat mit. Mit einer zweijährigen Pause – als Rektorin im saarländischen Kultusministerium – war sie von 1974 bis 1989 Mitglied im Deutschen Bundestag. Dort gehörte sie ab 1981 zur Parlamentarischen Versammlung des Europarates in Straßburg. 1989 wurde sie erstmals ins Europäische Parlament gewählt. Dort war sie auch als Vorstandsmitglied der EVP-Fraktion (Europäische Volkspartei als Vereinigung konservativer Parteien im Europäischen Parlament) aktiv. Nach fünf Wahlperioden beendete Pack 2014 ihre Arbeit im Europäischen Parlament. Dort war sie Vorsitzende des EU-Ausschusses für Kultur, Jugend, Bildung, Medien und Sport, zusätzlich ab 1989 zuständig für die Integration der Balkanstaaten.

Sponsorensuche wird schwieriger

Das Saarland, wo auch ihr Sohn lebt, ist ihr Ruhepol. Auf dem Bübinger Berg – mit Blick ins benachbarte Frankreich – bewohnt die „Lehramtsstudierte“ ein großes Haus mit vielen Büchern und Gemälden. Doris Pack ist viel unterwegs: Neben ihren Reisen in die deutsche oder französische Hauptstadt besucht sie – aus ihrer Zeit im Europa-Parlament resultierend – vor allem die Balkan-Staaten. Fundraising ist das „Geschäft“ der heute 84-jährigen Doris Pack. Sie selbst sieht das etwas weiter ausholend, denn: „Ich sorge dafür, dass kulturelle Organisationen über Grenzen funktionieren.“ Das bedeutet: Die ehemalige Europa-Abgeordnete kümmert sich um die finanzielle Ausstattung in kulturellen Aktivitäten.

„Ich will gebraucht werden“, sagt die 84-jährige Doris Pack
„Ich will gebraucht werden“, sagt die 84-jährige Doris Pack - Foto: Wolfgang Willems

Die Stiftung für die deutsch-französische kulturelle Zusammenarbeit beispielsweise hat den Auftrag, kulturelle Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich zu unterstützen. Seit 2002 ist Doris Pack Stiftungsvorsitzende. Zur Stiftung gehört auch der Deutsch-Französische Kulturrat (DFKR). 1988 von Bundeskanzler Kohl und Präsident Mitterrand gegründet, hat er die Aufgabe, die beiden Regierungen in kulturellen Fragen zu beraten. Die mehrfach mit Ehrendoktorwürden ausgezeichnete Pack ist gemeinsam mit dem französischen Generalkonsul im Saarland, Jérôme Spinoza, Generalsekretärin des in Saarbrücken angesiedelten DFKR.

Bei der Arbeit der Stiftung hat Pack vielfältige Aufgaben. Die Sponsorensuche sei schwierig, aber: „Wir haben gute Spender, könnten allerdings weitere brauchen.“ Als Vorsitzende, Präsidentin oder Generalsekretärin verschiedenster Organisationen kümmert sich Doris Pack um Kontakte und Unterstützung. So auch an der Spitze der Europäischen Kinder- und Jugendbuchmesse sowie des deutsch-französischen Jugendbuchpreises. „Die eigentliche Arbeit machen wunderbare Mitarbeiter“, betont sie. Sie  arbeitet oft im Hintergrund. „Alles mache ich nebenher!“

Erst die Aufzählung ihrer Verantwortlichkeiten zeigt, dass das Saarland von den Aktivitäten der früheren Europa-Abgeordneten profitiert. So war die trinationale Jugendzeitung „Extra“ ein Projekt der deutsch-französischen kulturellen Zusammenarbeit in der Stiftung. Als Bildungspolitikerin wollte Pack Jugendliche über regionale Grenzen hinweg miteinander ins Gespräch bringen. Das geschah über diese gemeinsame dreisprachige Beilage der „Saarbrücker Zeitung“, des „Luxemburger Tageblatts“ und des „Le Républicain Lorrain“. Das Festival Perspectives, das 2028 50 Jahre alt wird, ist fester Bestandteil der Stiftungsarbeit. Die neue künstlerische Leiterin Kira Kirsch aus Österreich ist für Pack ein „Traumfang“. Ein weiteres grenzüberschreitendes Theater-Festival für Kinder ist „Loostik“.

Auf dem Balkan gern gesehen

25 Jahre als Präsidentin des Volkshochschulverbandes mit der Erwachsenenbildung verbunden, setzte sich Pack Anfang der 90er-Jahre dafür ein, dass das Saarländische Weiterbildungsgesetz zur Grundlage des kroatischen Weiterbildungsrechts wurde. Die im Saarland entwickelte Zieldefinition der Erwachsenenbildung ist dort bis heute verankert. Im Dezember 2025 gab Pack als „Personifizierung des Weiterbildungsgedankens“ ihre Präsidentschaft beim Volkshochschulverband auf.

Aufgegeben hat Pack bereits 2024 den Vorsitz der europäischen Frauenunion, einer Vereinigung innerhalb der EVP. „Man muss auch abgeben können“, erklärt sie. Von 2014 bis 2025 war Pack Präsidentin des Robert-Schumann-Instituts, das 1995 von der EVP in Budapest gegründet wurde, um jungen Menschen aus Ost- und Südosteuropa Gelegenheit zu geben, Demokratie und ihre Institutionen zu erfahren. Pack ist auch nach Ende ihres EU-Mandats noch immer eine gern gesehene Gesprächspartnerin auf dem Balkan.

Doris Pack hat keine Zeit, aus ihrem Haus in Bübingen nach Frankreich zu schauen. Viel lieber erlebt sie Europa live. „Ich will gebraucht werden“, sagt sie. Sie will ihr Wissen und ihren Enthusiasmus für Europa weitergeben – durch ihr Engagement im kulturellen Bereich. Als Organisatorin in so vielen Institutionen setzt sie sich dafür ein, dass Künstler arbeiten können. „Ich bin dankbar, dass ich das machen darf!“ 

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