13 Punkte aus sieben Spielen: Der neu formierte 1. FC Saarbrücken kann mit seiner ersten Zwischenbilanz zufrieden sein. Der späte 2:1-Sieg gegen Großaspach zeigte dabei eine neue Qualität.
Vier Punkte aus drei Spielen, 13 Zähler nach sieben Spieltagen: Die erste englische Woche der Saison hat beim Drittligisten 1. FC Saarbrücken zwar nicht ausschließlich Zufriedenheit hinterlassen, sie hat aber gezeigt, wie weit die neu zusammengestellte Mannschaft bereits ist – und wo noch Arbeit wartet. Das 2:1 gegen die SG Sonnenhof Großaspach passte dabei fast perfekt ins Bild. Drei Tage zuvor hatte der FCS in Münster über weite Strecken stark gespielt, 3:1 geführt und dennoch nur einen Punkt mitgenommen. Diesmal war es beinahe umgekehrt. Saarbrücken spielte keineswegs überzeugend, biss sich aber durch und belohnte sich tief in der Nachspielzeit mit dem Sieg. „Das Wichtigste ist, dass wir drei Punkte haben“, sagte Philip Fahrner. „Es war nicht unser bestes Spiel. Aber am Ende einer englischen Woche noch einmal so draufzulegen, war pure Mentalität.“ Genau diese Mentalität war nötig. Der FCS kam ordentlich in die Partie, verlor nach einer guten Anfangsphase aber zunehmend den Rhythmus. Das Tempo sank, die Ballbesitzphasen wurden kürzer und zwingende Aktionen seltener. „Wir sind gut reingekommen ins Spiel“, sagte Fahrner. „Dann haben wir ein bisschen die Kontrolle verloren und hatten nicht mehr so viele klare Ballbesitzmomente.“ Immer dann, wenn Saarbrücken den Ball ruhig laufen ließ, das Spiel verlagerte und strukturiert aufbaute, sei die Mannschaft auch zu Chancen gekommen. „Aber natürlich ist noch sehr, sehr viel Luft nach oben.“
Kein Glanz, aber Beharrlichkeit
Das galt an diesem Nachmittag besonders für die Phase nach der Pause. Großaspach nutzte einen Fehler im Saarbrücker Spielaufbau, Niklas Pollex brachte die Gäste in der 52. Minute mit 1:0 in Führung. Es war einer jener Momente, in denen ein ohnehin zähes Spiel endgültig kippen kann. Doch der FCS kam zurück. Nicht mit spielerischem Glanz, sondern mit Beharrlichkeit. Patrick Sontheimer sorgte in der 65. Minute für den Ausgleich. Sein Abschluss wurde noch entscheidend abgefälscht. „Ich glaube, das Tor war ein bisschen sinnbildlich für unser heutiges Spiel“, sagte Sontheimer. „Es war nicht schön, sondern irgendwie erzwungen. Aber das darf es auch mal sein.“ Gerade darin lag einer der Unterschiede zu den vergangenen Partien. Beim 0:1 gegen Ingolstadt war der FCS nach ebenfalls ordentlichem Beginn zunehmend aus dem Spiel geraten und leer ausgegangen. In Münster zeigte die Mannschaft anschließend eine deutlich bessere Leistung, ließ aber eine Zwei-Tore-Führung liegen.
Den Unterschied machte am Ende Siemen Voet. Als fast alles auf ein 1:1 hinauslief, landete der Ball beim belgischen Innenverteidiger. Voet nahm Maß und traf tief in der Nachspielzeit zum 2:1. Der Ludwigspark explodierte. „Unglaublich“, sagte Voet hinterher. Was genau er beim anschließenden Jubel veranstaltet hatte, wusste er selbst nicht mehr. „Ich muss mir erst die Zusammenschnitte anschauen. Mein Jubel wird immer schlimmer.“ Voet ist damit auch eines der Gesichter dieses Saarbrücker Umbruchs. „Von Anfang an war das Gefühl richtig gut hier“, sagte der Belgier: „Manchmal gibt es im Leben einen Moment, in dem alles zusammenkommt. Ich glaube, bis jetzt ist das für mich hier in Saarbrücken so.“
Ähnliches lässt sich nach sieben Spieltagen auch über den gesamten FCS sagen. Der große Kaderumbau hätte problemlos dafür sorgen können, dass sich die Mannschaft erst einmal mehrere Wochen finden muss. Trainer Argirios Giannikis sieht darin einen Reifeprozess. „Wir haben schon Heimspiele gehabt, in denen wir besser gespielt haben und nicht gewonnen haben“, sagte der FCS-Coach. „Wir haben heute nicht alles richtig gemacht, aber wir nehmen mit, dass Einstellung, Wille und Leidenschaft vorhanden sind.“
Fahrner sieht die Mannschaft auf Kurs
Vier Punkte aus der englischen Woche sind am Ende versöhnlich, auch wenn angesichts der 3:1-Führung in Münster mehr möglich gewesen wäre. Giannikis bekommt nun wertvolle Zeit, um an Details zu arbeiten. Die dreiwöchige Spielpause soll nicht nur der Regeneration dienen. „Es ist jetzt auch Zeit, Spieler, die Trainings- und Spielrückstand haben, näher an die Mannschaft heranzuführen“, sagte der Trainer. Damit könnte sich die Konkurrenz im Kader nach der Pause noch einmal verschärfen. Gleichzeitig bietet die Unterbrechung Gelegenheit, jene Dinge zu verbessern, die gegen Ingolstadt, in Münster und auch gegen Großaspach sichtbar wurden: Phasen, in denen die Spielkontrolle verloren geht, fehlende Konsequenz vor dem Tor und die noch nicht durchgehend stabilen Abläufe. Fahrner sieht die Mannschaft dennoch auf Kurs. „Wir haben noch vieles, was wir verbessern müssen. Aber wir sind auf einem guten Weg.“ Und vielleicht war genau deshalb dieser Sieg gegen Großaspach wertvoller, als es die spielerische Leistung vermuten ließ. Mannschaften, die sich noch finden, gewinnen nicht automatisch Spiele, in denen wenig funktioniert. Saarbrücken hat es getan. „So ein Mentalitätssieg klingt richtig gut“, sagte Fahrner. Nach sieben Spieltagen klingt die gesamte Zwischenbilanz ebenfalls ziemlich ordentlich.