Der tschechische Elektro-SUV punktet mit nützlichen Kleinigkeiten und einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Doch wie steht es um die Qualität des Škoda Elroq?
Wenn die Werbung ein Kriterium wäre, hätte Škoda schon gewonnen. Da sitzt ein putziger Waschbär vor einem E-Auto und verspricht, der Stromer könne nachts genauso gut sehen wie er selbst (dank aufpreispflichtigem Matrix-LED-Licht). Ein Streifenhörnchen hamstert Nüsse, denn das Auto biete „reichlich Platz für alles, was mit muss“ (dank umklappbarer Rücksitze und diverser Staufächer). Und ein Flamingo verspricht: „Behalten Sie alles bestens im Blick“ – dank SUV-typisch erhöhter Sitzposition. Die Tiere bewerben auf der Škoda-Website den Elroq – einen SUV, der auf den ersten Blick auch als Kompaktwagen durchgehen könnte. Immerhin ist er 16 Zentimeter kürzer als sein größerer Bruder, der Kombi-ähnliche Enyaq.
Tritt man näher an den Stromer heran, wirkt er dann aber doch deutlich massiger als ein Auto der Golf-Klasse. Außerdem hat er sich optisch von seinem großen Bruder emanzipiert. So gibt es beim Elroq keinen angedeuteten Kühlergrill mehr. Stattdessen zieht sich eine schmale Leiste mit LED-Scheinwerfern über die Front. Sehr hübsch und auch hell. Ob die Insassen dadurch wirklich so gut sehen können wie ein nachtaktives Tier, bleibt Škodas Geheimnis. Leider war gerade kein Waschbär da, den ich fragen konnte.
Ganghebel etwas klein bemessen
Den Elroq gibt es mit drei verschiedenen Batteriegrößen. Das Einstiegsmodell kostet 33.900 Euro und bietet einen 52-kWh-Akku mit einer Normreichweite von 350 Kilometern. Das mittlere Modell (ab 38.680 Euro) soll 394 Kilometer weit kommen. Bei meinem Testwagen handelt es sich um das Spitzenmodell, das ohne Zusatzausstattung 44.180 Euro kostet. Hier sollen sogar 531 Kilometer ohne Ladestopp möglich sein. Ob das stimmt, wird sich später noch zeigen.
Zunächst jedoch ein Blick in den Innenraum. Auch hier hat sich im Vergleich zu den Vorgängern einiges getan. Das Cockpit wirkt aufgeräumt, am Lenkrad haben echte Knöpfe die unhandlichen Touchfelder abgelöst. Auch der 13 Zoll große Hauptbildschirm wirkt nicht mehr wie ein Fremdkörper, so wie es bei früheren Modellen des VW-Konzerns der Fall war. Nicht ganz so gut gefällt mir der kleine Gangwahlhebel, der nicht so recht zu einem SUV passen will. Er ist kleiner als mein Daumen und liegt dementsprechend schlecht in der Hand. Eingelaufen wirken auch die zwei Becherhalter im Fahrerbereich. Sie fallen so klein aus, dass sie sich höchstens für einen Zahnputzbecher eignen.
Bei der Praktikabilität überzeugt der Elroq dafür umso mehr. Überall im Fahrzeug befinden sich versteckte Zubehörteile: ein Regenschirm in der Tür, ein Eiskratzer in der Kofferraumklappe. Zwar gibt es im Fahrzeug keine vollwertige Steckdose wie etwa beim Kia EV3. Dafür aber immerhin einen 12-Volt-Anschluss im Kofferraum, an den zum Beispiel eine Kühlbox passt. Das Ladekabel lässt sich in einem Netz verstauen, das an der Unterseite der Hutablage hängt. Und dann sind da noch die integrierten Sonnenrollos, die sich aus dem Türrahmen ziehen lassen. Alles Kleinigkeiten, aber genau die erleichtern den Alltag zwischen Büro, Kita und Sportplatz.
Positiv: Nichts piept, nichts klappert
Los geht’s! Wohin, versteht das sprachgestützte Navi sofort. Ebenfalls löblich: Es berechnet automatisch Ladestopps, wenn die Batterie nicht bis zum Ziel reicht. Die diesbezügliche Routenplanung ergibt Sinn, lässt sich aber leider nicht nach bestimmten Stromanbietern filtern. Will man also einen Anbieter bevorzugen, weil man dort etwa vergünstigt laden kann, ist dies im Elroq nicht automatisch möglich. Über Umwege allerdings schon: Man kann während der Streckenführung bereits eingeplante Ladestationen manuell abwählen und durch andere ersetzen. Wirklich elegant ist diese Lösung nicht, aber immer noch besser, als an einer Hochpreis-Stromtanke zu enden.
Die Fahrt verläuft im positiven Sinne unspektakulär. Nichts piept, nichts klappert. Gut gedämmt und gefedert wirkt der Elroq obendrein. Die Assistenzsysteme arbeiten so zurückhaltend, dass sie kaum zu bemerken sind. In diesem Punkt zeigt sich Škoda durchaus spendabel: Abbiege- und Ausweichhilfen, Spurhalter, Verkehrszeichenerkennung, Spurwechsel-Assistent und Rückfahrkamera sind selbst bei der günstigsten Variante serienmäßig an Bord. Auf den einen oder anderen Helfer ließe sich vermutlich sogar verzichten, wenn stattdessen das Navi kostenlos wäre. Doch das legt Škoda erst bei der teuren „85“-Variante serienmäßig bei. Ansonsten muss der Käufer es im Paket mit Sitz- und Lenkradheizung für 1.510 Euro zubuchen. Das ist schade, denn selbst Kleinwagen wie der Hyundai Inster haben mittlerweile ein Navigationssystem integriert. Nur aufs Handy verlassen? Bei der deutschen Netzabdeckung keine gute Idee. Beim Tritt auf die Bremse befürchte ich kurz, das falsche Pedal erwischt zu haben. Während bei anderen Autos schon ein Antippen zu einem kräftigen Ruck führt, muss der Fahrer beim Elroq kräftig durchtreten, bevor etwas passiert – ein bisschen wie bei einem Fahrrad, dessen Bremsen man so stark ziehen muss, dass sie fast an die Griffe stoßen. Laut ADAC hat dieses „Pedalgefühl ohne klaren Druckpunkt“ aber keinen Einfluss auf den Bremsweg. Nach zwei, drei Tagen hat man es ohnehin verinnerlicht und sich daran gewöhnt.
Fahrgefühl wie beim Ford Explorer
Die erste Ladepause. Hier läuft alles problemlos: Die Batterie ist nach einer halben Stunde von acht auf 80 Prozent gefüllt. Das ist kein Rekordwert, sondern klassenüblich. Gut aber, dass der Elroq auch dann diesen Wert erreicht, wenn der Akku zuvor nicht warmgefahren wurde. Viele E-Autos brauchen dann deutlich länger. Bei der zweiten Pause vor einem Supermarkt erledige ich den Wocheneinkauf gleich mit –
die perfekte Gelegenheit, um die Ladung von null auf hundert Prozent zu testen. Nur kommt es nicht dazu. Nach 80 Prozent bricht der Elroq automatisch ab, um den Akku zu schonen. „Battery-Care-Mode“ heißt diese Funktion, die ich später in einem Untermenü versteckt finde. Sie ist voreingestellt und muss deaktiviert werden, wenn man die Batterie vollmachen will. Natürlich hat dieser „Schongang“ seine Berechtigung. Aber bitte nicht ohne deutliche Vorwarnung!
Bleibt die Frage, wie weit eine Ladung reicht. Erfahrungsgemäß kann man etwa ein Drittel vom versprochenen Normwert abziehen, um eine realistische Reichweite zu erhalten. Insofern ist es nicht ungewöhnlich, dass meinem Testwagen auf der Autobahn nach 398 Kilometern (statt der angegebenen 531 Kilometer) der Strom ausgehen würde. Tut er natürlich nicht, weil ich vorher eine Ladestation ansteuere.
Insgesamt zeigte sich der Škoda Elroq als zuverlässiger Kompakt-SUV, der sich bedenkenlos als Erstwagen nutzen lässt. Akku, Ladeleistung und Ausstattung machen ihn familien- und urlaubstauglich. Im Vergleich mit den Wettbewerbern bietet der tschechische Stromer weder große Sprünge nach oben noch Ausreißer nach unten.
Der Kofferraum (470 Liter) ist fast genauso groß wie beim Hyundai Kona (466 Liter) und beim Kia EV3 (460 Liter), wobei der Elroq keinen Stauraum unter der Motorhaube (Frunk) hat. Auch die Ladezeiten ähneln sich. Das Fahrgefühl wiederum erinnert an den Ford Explorer – kaum verwunderlich, da dieses Modell dank einer Kooperation dieselbe Bauplattform nutzt wie der VW-Konzern.
Wer auf Spielereien wie drehbare Bildschirme (BYD Atto 3) oder eine 230-Volt-Steckdose verzichten kann, ist mit dem Elroq gut bedient. Zumal er durch seine vielen kleinen Zubehörteile ein gewisses Alleinstellungsmerkmal hat.
Obendrein ist er in seiner Einstiegsvariante sogar günstiger als die oben genannten Modelle. Auch auf dem (vermeintlichen) Hochlohn-Kontinent Europa lassen sich also durchaus günstige E-Autos produzieren. Das überrascht mich am Ende sogar mehr als die Matrix-LEDs, mit denen man so gut sieht wie ein Waschbär.