Nur vier von 27 Punkten: Eine Leistungssteigerung reicht nicht, um gegen RW Essen zu punkten. Der 1. FC Saarbrücken blickt nach unten.
Manchmal scheint es, als wäre Fußball so einfach wie ein Märchen. Ein ungeliebter Trainer wird gefeuert, ein Urgestein des Vereins übernimmt und schon stellen sich die Erfolge ein. Man muss die Äußerungen von Stadionsprecher Christoph Tautz wohl entsprechend deuten, als er den rund 13.000 Zuschauern im Ludwigspark am Samstag mitgab: „Es war bisher schon eine gute Woche, lasst uns heute eine richtig gute daraus machen.“ Ob man die Freistellung eines Vereinsmitarbeiters und die dafür ursächliche Misserfolgsserie von acht sieglosen Spielen in Serie als „gut“ einordnen mag, ist sicher eine Frage des Geschmacks. Am Ende aber auch müßig, denn aus dem Traum von einer der „guten Woche“ wurde eher ein Albtraum.
Negative Tordifferenz
Trotz einer über weiten Strecke couragierten Leistung unterlag der strauchelnde Drittligist am Samstagmittag Rot Weiss Essen und hat aus dem letzten neun Spielen magere vier Punkte eingefahren. Erstmals seit gefühlt einer Ewigkeit hat das Team eine negative Tordifferenz. Daran änderten auch die Maßnahmen von Neu-Trainer Jürgen Luginger nichts. Er stellte von Dreier- auf Viererkette um und beorderte Ex-Kapitän Manuel Zeitz als zentralen, defensiven Mittelfeldspieler vor die Abwehr. Defensiv ein 4-1-4-1, offensiv ein 4-3-3 – so wollte Luginger, bislang Sportdirektor, im Team mehr Struktur verbessern. „Es geht in einem ersten Schritt um Stabilität“, hatte Luginger vor dem Spiel angekündigt. Das Resultat ist ernüchternd. „Es ist paradox. Wir verteidigen eigentlich über weite Strecken gut, bekommen aber drei Gegentore. Das ist viel zu viel. Um erfolgreich zu sein, müssen wir dringend die Anzahl an Gegentoren reduzieren, und wir müssen dringend anfangen, Spiele zu gewinnen“, brachte es Zeitz auf den Punkt. Der 35-jährige Comebacker stand dabei sinnbildlich für die Saarbrücker Problematik. Sein Einsatz verlief vor allem defensiv durchaus ordentlich, drei Gegentore konnte er aber nicht verhindern.
In der ersten Halbzeit hätte der FCS führen müssen. Einmal hatte Angreifer Patrick Schmidt bereits Gästetorwart Jakob Golz umspielt, scheiterte aber an einem Essener auf der Torlinie. Dann profitierten die Gastgeber von einem Ballverlust, schafften es aber nicht, eine Überzahlsituation vernünftig auszuspielen. „In dieser Phase haben wir es versäumt, in Führung zu gehen. Da muss ich mir auch an die eigene Nase fassen“, sagte Schmidt selbstkritisch. Es war keine gute erste Halbzeit im nasskalten Ludwigspark. Das Spitzenteam aus Essen hatte viel Ballkontrolle, aber wenig Ideen und bot defensiv recht viel an. Profitieren konnte der FCS davon aber nicht.
Nach dem Wechsel brachte Schmidt den FCS nach einer Ecke in Führung. „Das Tor tut mir natürlich gut, aber ganz ehrlich, dafür können wir uns nichts kaufen“, sagte der 31-Jährige mit Blick auf den weiteren Verlauf des Nachmittags. Nur zehn Minuten später glich Torben Müsel für die Gäste aus. Nicht nur in dieser Szene sah Rechtsverteidiger Philip Fahrner schlecht aus. Allerdings stimmte auch die Zuordnung im Zentrum nicht. Einen Moment sah es so aus, als würde Essen die Kontrolle übernehmen, bis Florian Pick die Gastgeber noch einmal in Führung brachte: „Das Spiel ist dann wild geworden, aber der Ablauf hat uns in die Karten gespielt. Wir sind zweimal in Führung gegangen. Am Ende sind wir sehr naiv gewesen“, monierte Zeitz. Sechs Minuten vor dem Ende verursachte Fahrner einen Handelfmeter, den der eingewechselte Ahmet Arslan sicher verwandelte. Ein Unentschieden wäre wohl leistungsgerecht gewesen, aber in der letzten Minute ließ sich der FCS nach einem eigenen Eckball klassisch auskontern, Franci Boeubari besorgte den Essener Sieg. „Wir hatten ein paar Minuten vorher die Chance wieder in Führung zu gehen. Da hält deren Torwart super. Auf der Gegenseite geht der Ball genau neben den Pfosten. Das ist maximal bitter. Natürlich müssen wir uns fragen, ob wir da zuviel Risiko gegangen sind“, sagte Zeitz und fügte mit Blick auf das Auswärtsspiel in Mannheim am Sonntag hinzu: „Egal, wer jetzt kommt, wir müssen punkten. Der Verein hat jahrelang nicht in diesen Tabellenregionen gestanden, es wird Zeit, dass wir der Realität ins Auge blicken.“
„Das sind nicht unsere Ansprüche“
Angreifer Patrick Schmidt befand, dass man auf der Leistung aufbauen könne. Aber: „Am Ende steht das neunte Spiel ohne Sieg. Das sind nicht unsere Ansprüche, wir müssen dringend den Bock umstoßen.“ So bleibt die Erkenntnis, dass für Coach Luginger viel Arbeit ansteht. Die Suche nach einer defensiven Struktur geht weiter. „Vom Invest her kann ich der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Der Gegner macht aus wenig viel. Wir haben unsere Chancen nicht genutzt. Aber auf der Leistung können wir aufbauen“, sagte er. Und so bleibt das Fazit das Statement des früheren FCS- und heutigen RWE-Trainers Uwe Koschinat: „Es wäre blödsinnig, von einem verdienten Sieg zu sprechen. Aber das ist manchmal auch egal.“