Hollywoodstar Bradley Cooper hat für seine neue Regiearbeit „Is This Thing On?“ ein großartiges Schauspieler-Ensemble zusammengestellt, das seiner Tragikomödie eine wunderbar lockere und intime Atmosphäre verleiht.
Alex (Will Arnett) und Tess (Laura Dern) Novak sind seit über 20 Jahren verheiratet und wohnen, zusammen mit ihren beiden zehnjährigen Söhnen, in einem Vorort von New York. Alex arbeitet im Finanzwesen und Tess versucht, die Dinge zu Hause am Laufen zu halten. Allerdings hängt der Haussegen bei den Novaks schon seit Längerem gefährlich schief. Beim nächtlichen Zähneputzen schlägt Tess deshalb ihrem Ehemann ganz nonchalant vor, diese Ehe zu beenden. Alex stimmt dem ohne Federlesen zu. Die Trennung, obwohl ziemlich verkrampft, geschieht ohne Bitterkeit oder gar Hass. Man hat sich schlicht und ergreifend auseinandergelebt. Alex nimmt sich ein eigenes Apartment in New York. Tess bleibt zu Hause bei den Kids.
Unverhofft kommt oft
Als Alex eines Abends dann alleine durch das Künstlerviertel Greenwich Village schlendert, kommt er an einem Comedy-Club vorbei, in dem gerade Open-Mic-Night ist. Aus einem Impuls heraus geht er auf die Bühne und improvisiert eine Stand-up-Comedy-Nummer, die zu seiner Überraschung ganz gut beim Publikum ankommt. Schnell werden diese Stand-up-Auftritte zu seinem Hobby, das er mit großer Leidenschaft pflegt. Denn nur dabei kann er endlich Dampf ablassen und völlig ungehemmt über seine gescheiterte Ehe, das frustrierende Sexleben mit Tess und sein neuentdecktes Single-Dasein – inklusive eines One-Night-Stands – räsonieren und dafür sogar 15 Dollar Gage und ein paar Lacher kassieren. Für Alex hat dieses öffentliche „Hosen herunterlassen“ einen therapeutischen Mehrwert: Es hilft ihm vor allem dabei, sein doch ziemlich ramponiertes Selbstwertgefühl wieder aufzubauen.
Dumm nur, dass eines Nachts ausgerechnet Tess auch Zeugin seiner Performance wird. Sie ist davon extrem abgestoßen und stellt Alex daraufhin zur Rede. Sehr schnell entwickelt sich daraus ein hitziges Wortgefecht. Doch bald sind die Wogen wieder geglättet und die beiden haben noch in derselben Nacht Versöhnungssex. Schon am nächsten Morgen kehren allerdings sämtliche Zweifel und Probleme wieder zu ihnen zurück. Was für ein Dilemma. Es dauert lange, bis sie sich eingestehen, dass sie immer noch starke Gefühle füreinander haben. Oder doch nicht? Da offenbart Alex seiner Tess, dass er in der gemeinsamen Ehe eigentlich gar nicht unglücklich war und immer noch mit ihr zusammen sein will. Wird es für die beiden etwa doch noch ein Happy End geben?
Beißender Humor und Melancholie
Der amerikanische Schauspieler und Regisseur Bradley Cooper ist mit seiner dritten Regiearbeit – nach seinem großartigen Remake von „A Star Is Born“ (2018) mit Lady Gaga in der Hauptrolle und dem dunklen Leonard-Bernstein-Biopic „Maestro“ (2023) – nun ein bittersüßes Feel-good-Scheidungs-Movie gelungen. Mit viel Gefühl sowohl für die tragischen als auch für die heiteren Momente lässt er seinen handverlesenen Schauspielern viele künstlerische Freiheiten, damit sie sich voll und ganz in die Geschichte einbringen können. Das verleiht dem Film eine wunderbar leichte und entspannte Atmosphäre, die sich stellenweise fast wie improvisiert anfühlt. Zum Beispiel in einer Szene, in der Alex und Tess nach dem Genuss eines Hasch-Plätzchens völlig bekifft U-Bahn fahren und in der auch ein explodierender Hafermilch-Tetra-Pack eine Rolle spielt. Überhaupt ist es eine Freude, den vielseitigen Darstellern Laura Dern und Will Arnett dabei zuzusehen, wie sie sich gegenseitig die Bälle zuwerfen. Arnetts Gefühl für das richtige Timing und Derns einfühlsames Spiel fängt Cooper geschickt ein, mit einem beinah voyeuristischen Blick.
Bradley Cooper spielt selbst die Rolle als Bells, den besten Freund von Alex, einen arbeitslosen Schauspieler, der laut darüber nachdenkt, ob er sich nicht an Alex ein Beispiel nehmen und sich von seiner Frau Christine, gespielt von der scharfzüngigen Andra Day, scheiden lassen sollte. Was Christine wiederum anscheinend nur recht ist, wie Bells verblüfft feststellen muss. Vieles in „Is This Thing On?“ bleibt für die Zuschauer lange in der Schwebe, und man weiß nie so genau, wohin sich die Story noch entwickeln wird.
Doch gerade das macht diesen Film so reizvoll und unterhaltsam. Der Titel des Films bezieht sich übrigens darauf, dass Alex während seines Auftritts irrtümlich denkt, das Bühnenmikrofon wäre nicht eingeschaltet. Das Drehbuch zu „Is This Thing On?“, das Bradley Cooper und Will Arnett zusammen verfasst haben, basiert lose auf den Erinnerungen des britischen Comedians John Bishop, der selbst während einer depressiven Phase nach seiner Scheidung in die Stand-Up-Comedy-Szene eintauchte. Neben den durchweg erstklassigen Schauspielern in „Is This Thing On?“ treten auch echte Stand-up-Comedians auf, die dem Film noch einen zusätzlichen Kick geben.
Es ist schon ein kleines Kunststück, dass der Film von Anfang bis Ende diese Mischung aus beißendem Humor, Melancholie und emotionaler Ehrlichkeit beibehält. Doch das kennt man ja bereits aus Bradley Coopers früheren Regiearbeiten, wo es ihm immer gelang, Aspekte der Menschlichkeit, Empathie und Spaß intelligent zusammenzufügen. Für Laura Dern, die sofort zusagte, als Bradley Cooper ihr anbot, die weibliche Hauptrolle in seinem nächsten Film zu spielen, war die Zusammenarbeit mit ihm und ihrem Co-Star Will Arnett reine Freude. Selten habe sie sich bei Dreharbeiten dermaßen wohl gefühlt. Und mit einem süffisanten Lächeln meint sie noch: „‚Is This Thing On?‘ ist auch ein sexy Date-Night-Film. Und ich hoffe, dass Paare, die ihn gesehen haben, nach Hause gehen und wilden Sex haben werden!“