Etwa 20 Kilometer von Kaiserslautern entfernt liegt die „Mühle am Schlossberg“. Das Familienunternehmen in dritter Generation ist nicht nur optisch ein Highlight, sondern hier dürfen sich die Gäste auch kulinarisch rundum verwöhnen lassen.
Einen Abend am Chef’s Table verbringen? Damit habe ich wirklich nicht gerechnet – schon gar nicht nach nur einer Stunde Autofahrt von Saarbrücken. Gemeinsam mit meinem Küchenabschnittsgefährten bin ich zu Gast in der „Mühle am Schlossberg“ in Wartenberg-Rohrbach in der Pfalz, nur etwa 20 Minuten von Kaiserslautern entfernt. Am Eingang werden wir herzlich empfangen und direkt zu unserem Tisch begleitet. In meiner Vorstellung würden wir mitten im Kreuzgewölbe – einem der schönsten Räume des Restaurants – sitzen. Falsch gedacht! Stattdessen dürfen wir den Abend in ruhiger, entspannter Atmosphäre ganz in der Nähe der Küche verbringen. Nur ein großes Fenster trennt uns vom Sous-Chef-Posten, sodass wir einen direkten Blick auf das Geschehen haben. Und wie uns Geschäftsführerin Anna-Lisa Scharff verrät, macht der Souschef den Gästen am Chef’s Table auch gern mal den ein oder anderen Spaß. Den Chef’s Table – einen etwas vom Restaurant abgetrennten Raum – kann man vorab reservieren. Dort wählt man entweder à la carte oder genießt eines der Menüs. Ich fühle mich sofort pudelwohl und freue mich riesig auf den Abend.
Auf die „Mühle am Schlossberg“ wurde ich vor einigen Jahren durch eine Hochzeit aufmerksam, zu der ich eingeladen war. Der große, naturbelassene Park, der zur Mühle gehört, hat mich damals nachhaltig beeindruckt. Auch die Festscheune, in der gefeiert wurde, war richtig toll. Später habe ich erfahren, dass Mama und Papa Köstlich früher ebenfalls häufiger dort zu Gast waren. Damit stand für mich fest: Über diese besondere Location mit ihrer langen Geschichte muss ich schreiben.
Stück für Stück alles restauriert
Es gibt ja immer wieder die klassischen, alteingesessenen Saarländer, die mit der Pfalz nicht viel am Hut haben möchten. Ich gehöre definitiv nicht dazu. Ich bin super gern dort – wegen der Natur, der Weine und der herrlichen Gelassenheit, die die Region ausstrahlt. Deshalb ist die „Mühle am Schlossberg“ für mich ein perfekter Ort, um in die kulinarische Welt der Pfalz einzutauchen. Hier wird sehr viel Wert auf gute Weine gelegt – das sieht man auch an der liebevollen Deko im Chef’s-Table-Raum: viele leer getrunkene Flaschen, die Geschichten erzählen. Nicht nur hervorragende französische Tropfen stehen dort, sondern auch bekannte regionale Weine, etwa vom „Weingut Knipser“ oder „Weingut Reichsrat von Buhl“. „Mit diesen Flaschen haben viele unserer Gäste schöne Abende verbracht“, erzählt die 27-jährige Geschäftsführerin.
Seit April 2024 teilt sich Anna-Lisa Scharff die Geschäftsführung mit ihrer Mutter Anja Scharff, und die beiden ergänzen sich wunderbar: Anna-Lisa ist gelernte Veranstaltungskauffrau und hat BWL mit Schwerpunkt Eventmanagement studiert. Ihre Mutter Anja ist gelernte Köchin und hat die Hotelfachschule in Heidelberg besucht. Ein echtes Dreamteam an der Spitze der „Mühle am Schlossberg“.
Mit dem Einstieg von Anna-Lisa wird die Mühle nun bereits in dritter Generation als Familienunternehmen geführt. Ihr Großvater – heute 86 Jahre alt – hatte der Mühle damals neues Leben eingehaucht. „Als er sie übernahm, war alles komplett marode und bestand eigentlich nur noch aus aufeinandergestellten Steinen“, erzählt Anna-Lisa. Ihm war es eine Herzensangelegenheit, das Gebäude als Architekturprofessor Stück für Stück zu restaurieren.
Seine Tochter Anja Scharff wollte dort damals eigentlich eine Kneipe eröffnen. Während ihrer Zeit an der Hotelfachschule lernte sie ihren späteren Ehemann Martin Scharff kennen – in der Gastrobranche kein unbekannter Name. Mit nur 27 Jahren wurde er als jüngster Küchenchef eines Sternerestaurants in Deutschland mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. 2001 entschieden sich die beiden, die „Mühle am Schlossberg“ offiziell zu eröffnen – mit vier Hotelzimmern, dem Restaurant im Kreuzgewölbe und einem Bistro, beide mit gleicher Küchenphilosophie. So hielt die gehobene Küche Einzug in Wartenberg-Rohrbach. 2012 trennten sich Anna-Lisas Eltern. Ihr Vater wechselte ins Heidelberger Schloss, ihre Mutter führte die Mühle weiter.
Schon die Focaccia macht süchtig
Das Niveau der Küche blieb. Die Mühle ist heute offizieller „Slow-Food“-Partner und konnte vor neun Jahren Küchenchef Michael Krennrich gewinnen – zuvor tätig in „Uwe’s Tomate“, einem der besten Restaurants Deutschlands. Das Credo: „Tolle, gehobene Küche – ehrlich, offen und ohne Chichi.“
Die Mühle ist aktuell im Wandel. Das Team ist jung, engagiert und voller Leidenschaft. Anna-Lisa will einen Ort schaffen, der nicht nur Gäste glücklich macht – für die Zukunft sind beispielsweise Saunen und ein Outdoor-Pool geplant –, sondern auch ein echtes Zuhause für Mitarbeiter ist. „Mir ist es wichtig, meine Leidenschaft für Hotellerie und Gastronomie auch in meiner Generation weiterzutragen“, sagt sie. Genau das spürt man. Die Servicekräfte wirken nicht aufgesetzt freundlich – sie sind einfach herzlich. Viele Gäste kommen deshalb immer wieder. Einige sind im Laufe der Jahre sogar zu Freunden geworden.
Wir starten mit dem Hausaperitif in den Abend: ein Pfälzer Secco vom Weinkontor Edenkoben mit hausgemachtem Himbeermark. Was uns gleich erwartet, wissen wir noch nicht – wir haben uns für ein Überraschungsmenü entschieden. Die Menüs liegen zwischen 54 und 78 Euro für drei bis fünf Gänge. Eine Weinbegleitung kann natürlich dazugebucht werden. Los geht’s mit einer Amuse-Gueule aus Melone, frischer Minze und Mango-Passionsfrucht-Sorbet. Die Melone überrascht mit einer leichten, aber angenehmen Schärfe – sie wurde in Chili und Balsamico eingelegt. Dazu gibt es frisches Brot und hausgemachte Focaccia mit leichter Tomatennote. Und dieses Olivenöl! Von der Focaccia würde ich mir am liebsten ein ganzes Blech einpacken lassen – so gut.
Als Vorspeise gibt’s Feldsalat mit Auberginencreme, Falafel und Pfirsichen aus dem eigenen Garten der Mühle. Die dunkelpinken Pfirsiche sind ein optisches Highlight. Die Falafel-Bällchen werden mit scharf eingelegter Ananas getoppt, dazu passt die Tomatensalsa einfach perfekt. Eine Vorspeise genau nach meinem Geschmack – davon hätte ich locker die doppelte Portion essen können. Meine Begleitung meint: „Hier fehlt kein Fleisch.“ Und genau das ist der Slow-Food-Gedanke der Mühle: Gemüse und Obst stehen im Mittelpunkt, Fleisch und Fisch werden bewusst kleiner portioniert und mit Respekt verarbeitet.
17 Zimmer laden zum Bleiben ein
Der Zwischengang ist eine wärmende Karotten-Ingwer-Suppe mit Kräutern und Croûtons – perfekt für das regennasse Winterwetter. Leicht, schaumig und einfach lecker. Dann kommt der Hauptgang: Rinderbraten auf Kartoffelpüree mit Rotkraut und Pfifferlingen. Die Pilze sind auf den Punkt gegart und haben eine leichte Zitrusnote. Der Rinderbraten zerfällt förmlich – ein Traum. Dazu kommt meine ganz persönliche Rotkraut-Premiere! Ich habe vorher tatsächlich noch nie Rotkraut gegessen. Es duftet aber so schön vorweihnachtlich, dass ich nicht widerstehen kann. Ich bin begeistert – vor allem, weil noch eine Spur Trüffel darüber gehobelt wird. Meine Begleitung genießt dazu einen samtigen Merlot, ich entscheide mich für einen trockenen Riesling vom Weingut Knipser aus dem Jahr 2022. Der erste Duft gefällt mir nicht besonders, aber der Kellner rät mir, dem Wein eine Chance zu geben. Und er hat Recht: Nachdem der Wein etwas atmen durfte, entfaltet er eine fruchtige Note, die wunderbar mit dem Hauptgang harmoniert.
Zum Abschluss gibt es hausgemachten Apfelstrudel mit Vanilleeis – die Äpfel stammen ebenfalls aus dem Garten. Ohne Rosinen, zum Glück für mich! Dazu ein Beerenragout und ein Tupfen weiße Schokoladencreme. Wer mich kennt, weiß: Desserts sind meine Leidenschaft. Und dieses hier würde ich jederzeit wieder bestellen – himmlisch.
Ganz beseelt und angenehm satt beenden wir einen Abend voller Überraschungen. Die Fahrt zur „Mühle am Schlossberg“ lohnt sich wirklich. Man spürt in jedem Detail, wie viel Liebe und Herzblut hier hineinfließen. Ein Familienbetrieb, wie man ihn sich wünscht: bodenständig, herzlich, leidenschaftlich. Hier ist der Gast wirklich noch König oder Königin. Wir kommen definitiv wieder – und beim nächsten Mal bleiben wir direkt über Nacht in einem der 17 Hotelzimmer.