Vier starke Museen, östlich des Hauptbahnhofs gelegen, arbeiten nun zusammen. Sie präsentieren sich als „MuseumsMeileMitte“ und feiern das mit einem Nachbarschaftsfest.
Wissen, Kunst, Zukunft. Eine gute Kombination, findet Johannes Vogel. „Wenn wir Wissenschaft, Kultur und Öffentlichkeit eng verzahnen, schaffen wir Orte, an denen demokratischer Diskurs gestärkt und evidenzbasiertes Handeln sichtbar wird“, sagt der Direktor des Museums für Naturkunde. Also das Handeln, das auf der Basis empirisch zusammengetragener und bewerteter wissenschaftlicher Erkenntnisse erfolgt. „Gerade in Zeiten großer Transformationen“ brauche es solche Räume. Sein Museum ist einer davon. Aber in unmittelbarer Nähe gibt es weitere: das Futurium, den Hamburger Bahnhof und das Medizinhistorische Museum. Diese vier Institutionen arbeiten von nun an als „MuseumsMeileMitte“ zusammen.
Diese Museums-Meile, sagt Vogel, „ist ein Bekenntnis zur offenen Gesellschaft“. Und sie hat einiges zu bieten. Zwei Millionen Besucherinnen und Besucher zählen die vier Museen in der Nähe des Hauptbahnhofs zwischen Invalidenpark und Humboldthafen, von der Südpanke bis zur Spree in den Bezirken Mitte und Moabit, jedes Jahr. Während die Museumsinsel am Berliner Dom gerade ihr 200-Jähriges feiert, hatten diese vier Museen bisher wenig Berührungspunkte. Das soll sich nun ändern. Die neue Meile lädt am Samstag, 13. Juni, von 10 bis 21 Uhr zum ersten Nachbarschaftsfest ein. An diesem Tag ist in den vier Museen der Eintritt frei.
Rund zwei Millionen Besucher im Jahr
Mit einem Programm von über 20 Ausstellungen im Jahr und 6.000 Führungen auf über 20.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche vermittelt die „MuseumsMeileMitte“ Wissen und Kultur von den Anfängen des Sonnensystems über die Gegenwart bis in die Zukunft. Bei „Spazierführungen“ können die Besucherinnen und Besucher über den Tag des Nachbarschaftsfests hinaus künftig nicht nur die Institutionen, sondern auch bislang unbekannte Ecken rund um die Invalidenstraße kennenlernen – wie den Invalidenfriedhof, den kleinen Fluss Südpanke oder die „Gedenkstätte Mauer“ am Berliner Mauerweg. Die Gäste erkunden auf dem „Spaziergang MMM“ also auch den Stadtraum zwischen den Museen, die jeweils fünf bis zehn Minuten Fußweg auseinanderliegen.
In den Ausstellungen und Gärten bietet das Nachbarschaftsfest der „MuseumsMeileMitte“ Workshops, Rundgänge, Suchspiele und Filmprogramme zu unterschiedlichen Themen: von der Zukunft von Rohstoffen, über den berühmten T-Rex Tristan Otto, Berlins Stadtökologie und Insektenwelten, über die Sichtbarkeit von Frauen in der Medizin oder der Geschichte des Krankenbetts, bis hin zu zeitgenössischer Lichtkunst und einem Malkurs auf Rollschuhen.
Das Medizinhistorische Museum ist eine Einrichtung der Charité, also der Universitätsklinik. Es lädt Besucherinnen und Besucher ein, die Entwicklung der Medizin der vergangenen 300 Jahre zu entdecken. Eine etwa 750 Objekte umfassende Sammlung pathologisch-anatomischer Feucht- und Trockenpräparate sowie Modelle aus zentralen medizinischen Aktionsräumen wie dem Anatomischen Theater, dem Labor und dem Krankensaal geben Einblicke in Arbeitsweisen und Denkmodelle. Sonderausstellungen zeigen, wie Medizin, Kultur und Geschichte miteinander verbunden sind, und regen dazu an, diese Zusammenhänge neu zu betrachten. Das Futurium versteht sich als „Haus der Zukünfte“, in dem die Frage „Wie wollen wir leben?“ im Mittelpunkt steht. Es will ein Ort des Nachdenkens und Austauschs über die großen Herausforderungen und Chancen unserer Zukunft sein. In der Dauerausstellung können Besucherinnen und Besucher Zukunftsszenarien entdecken. In den Denkräumen Mensch, Natur und Technik werden Optionen für die Zukunft aufgezeigt und dazu angeregt, eigene Haltungen zu kontroversen Fragestellungen zu entwickeln. Ergänzt wird das Angebot durch ein breites Spektrum digitaler Formate und ein vielseitiges Veranstaltungsforum, in dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Künstlerinnen und Künstler sowie Visionärinnen und Visionäre mit dem Publikum ins Gespräch kommen.
Einen Raum schaffen, in dem Ideen wachsen
Als Sammlungsmuseum für zeitgenössische Kunst sammelt der Hamburger Bahnhof „in die Zukunft“, wie es das Museum selbst nennt. Es ist bekannt für raumgreifende Installationen in der historischen Halle sowie Ausstellungen Berliner und internationaler Künstlerinnen und Künstler. „Als offenes Haus für die Stadtgesellschaft und ihre Gäste richten sich kostenlose Programme wie die Open-Air-DJ-Reihe ,Berlin Beats‘ und die Tage der offenen Tür ,Open House‘ an Menschen mit unterschiedlichen Lebenswegen und internationalen Geschichten“, erklärt Direktor Till Fellrath.
Das Museum für Naturkunde ist ein Forschungsmuseum der Leibniz-Gemeinschaft mit internationaler Ausstrahlung und global vernetzter Forschungsinfrastruktur. „Als innovatives Kommunikationszentrum will es den wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Dialog um die Zukunft unserer Erde mitprägen und die demokratische Wissensgesellschaft entwickeln“, sagt Direktor Johannes Vogel. Teams aus unterschiedlichen Disziplinen erforschen die über 30 Millionen Sammlungsobjekte zur Entwicklung der Erde und des Lebens. Die Themen reichen von der Entwicklung des Sonnensystems über die Mechanismen der Evolution bis zur Vielfalt des Lebens auf der Erde. Darüber hinaus wird die wissenschaftshistorische, kulturelle und künstlerische Bedeutung der Objekte erforscht.
Zurzeit werden Teile des Museums saniert, um optimale Bedingungen für Sammlung, Forschung und Wissenstransfer zu schaffen. Johannes Vogel: „Die Ambition ist dabei klar formuliert: Das Museum für Naturkunde will zum Vorbild für das Naturkundemuseum des 21. Jahrhunderts werden und einen Beitrag zum Erhalt der Natur und damit zur Zukunft der Menschheit leisten.“
Nun bündeln diese vier Institutionen also ihre Kräfte. „Wir sehen in dieser Initiative die Möglichkeit, die Schnittstellen der einzelnen Häuser – von Wissenschaft über Kunst bis zur Geschichte – produktiv zu verbinden und die Museen aktiv mit ihrer Umgebung zu vernetzen und den Stadtteil als gemeinsamen Kultur- und Wissenschaftsraum zu stärken. Auf dieser Grundlage möchten wir gemeinsame Formate und Angebote entwickeln, die über einzelne Institutionen hinausweisen und neue Zugänge für unterschiedliche Besucherinnen und Besucher schaffen“, erklärt Monika Ankele, Leiterin des Medizinhistorischen Museums der Charité. Ähnlich formuliert es Stefan Brandt, Direktor des Futuriums: „Mit der neu initiierten ,MuseumsMeileMitte‘ setzt das Futurium ein klares Zeichen für Wissenschaftskommunikation am Puls der Gesellschaft. Unser Anspruch ist es, Zukunftsthemen nicht nur zu vermitteln, sondern gemeinsam mit unseren Besucherinnen und Besuchern erfahrbar zu machen. Durch die enge Zusammenarbeit mit unseren Partnerinstitutionen im Quartier entstehen neue Perspektiven auf die großen Fragen unserer Zeit – interdisziplinär, offen und nah an den Menschen. So schaffen wir einen Raum, in dem Ideen wachsen, Austausch gefördert wird und Zukunft aktiv mitgestaltet werden kann.“