Anfang August hat das „Al Barro“ am St. Johanner Markt in Saarbrücken eröffnet – eine Tapasbar mit kuratierten Weinen. Die Betreiber sind keine Unbekannten. Catalina Kremers-da Palma und ihr Mann Oliver Kremers betreiben auch die „Tante Maja“ genau nebenan.
Diesen Sommer habe ich am St. Johanner Markt in Saarbrücken eine schöne Entdeckung gemacht: „Al Barro“, eine Tapasbar mit kuratierten Weinen, die auch flaschenweise verkauft werden. Eröffnet wurde die Tapasbar am 6. August, Betreiber sind Catalina Kremers-da Palma und ihr Mann Oliver Kremers. „Ich betreibe seit zwei Jahrzehnten die ,Tante Maja‘ nebenan“, erzählt Catalina Kremers-da Palma. „Die Eigentümer des Hauses fragten, ob wir Interesse hätten, auch diese Räume zu übernehmen. Also entschlossen wir uns, auch diese Räumlichkeiten zu mieten.“
Die Innenarchitektur des „Al Barro“ übersetzt die Welt des Weins in eine warme, authentische Atmosphäre. Am St. Johanner Markt ist ein Ort entstanden, der irgendwo zwischen Vinothek, Weinhandel und Tapasbar angesiedelt ist. Unkompliziert und lebendig, zugleich sehr hochwertig und charaktervoll. Inspiriert von europäischen Weinregionen bestimmen natürliche Materialien und warme Farbtöne den Raum. Tiefe Wein- und Grüntöne greifen die Farben von Trauben, Reben und Böden auf und sorgen für ein mediterranes Flair.
Ein Ort, an dem sich Menschen treffen
Catalina Kremers-da Palma entdeckte ihre Leidenschaft für die Gastronomie vom ersten Tag an, wie sie betont, und das hat sich auch nie verändert. Auch Oliver Kremers jobbte schon als Student in der Gastronomie, wie er erzählt: „1988 war mein erster Job im Langenfeld, hier am Markt.“ Die beiden sind in den vergangenen Jahrzehnten viel gereist, waren dabei oft in Spanien und kamen auf die Idee, eine Bar zu eröffnen – mit Champagner, kuratierten Weinen und auch etwas zu essen. „Man kommt auf ein Glas, bleibt aber für eine Flasche“, wie Oliver Kremers es beschreibt. Ein Ort, an dem sich Leute treffen. Und die Lage am Markt ist dafür hervorragend, hier scheint den ganzen Tag die Sonne.
„Al Barro“ bedeutet übersetzt Schlamm oder Erde. Eigentlich ist es sogar ein Nachname in Spanien, doch die beiden hatten einen anderen Gedanken im Kopf: Worauf wächst die Traube? Auf der Erde. Daher „Al Barro“. Sie setzten sich hin und entwickelten eine übersichtliche, aber sehr gute Tapaskarte. Dabei orientierten sie sich an zahlreichen Urlauben in Nordspanien, in San Sebastián. Dort haben sie Pintxos, spanische Spieße, entdeckt. Tapas heißen dort so. Sie bereiteten etwa 50 Gerichte zu, ließen Freunde probieren, um zu erfahren, was ankommt, und suchten sich Unterstützung befreundeter Köche.
San Sebastián, auf Baskisch Donostia, gilt für viele Genießer als die Welthauptstadt der Pintxos – jener kleinen kulinarischen Kunstwerke, die im übrigen Spanien meist Tapas genannt werden. In der eleganten Stadt am Golf von Biskaya verbinden sich baskische Tradition, höchste Produktqualität und eine außergewöhnliche Lebensfreude. Vor allem die Altstadt, die Parte Vieja, ist ein Paradies für Feinschmecker. Ich habe es dort immer wieder erlebt: In den Bars liegen auf den Theken verführerische kleine Häppchen – Brot mit Sardellen und Paprika, cremiger Stockfisch, gegrillte Garnelen, Txangurro-Krabben, feinster Schinken oder raffinierte Kreationen der Spitzenköche. Was anderswo ein kleiner Imbiss ist, wird hier oft zur kulinarischen Kunst.
Die besondere Kultur des „Pintxos-Hoppings“ gehört zum Lebensgefühl der Stadt. Man bleibt selten lange in einer Bar, sondern zieht von Lokal zu Lokal, genießt hier einen Happen, dort ein Glas – den frischen baskischen Weißwein oder einen jungen Rioja. Jeder Wirt hat seine Spezialitäten, jede Bar ihre Stammgäste und ihre Geschichten. Berühmte Häuser wie „Bar Néstor“, „Gandarias“ oder „La Cuchara de San Telmo“ sind längst Pilgerstätten für Gourmets aus aller Welt. Gleichzeitig bewahrt sich die Stadt ihre entspannte, fast dörfliche Atmosphäre.
Dass San Sebastián als Hauptstadt der Pintxos gilt, hat auch mit der Dichte an Spitzenrestaurants zu tun. Nirgendwo in Europa gibt es auf so engem Raum so viele ausgezeichnete Küchen. Doch der wahre Reiz liegt nicht nur in der Haute Cuisine, sondern in den kleinen Bars, in denen sich Einheimische und Besucher begegnen. Wer am Abend durch die Gassen der Altstadt zieht, das Stimmengewirr hört und an jeder Ecke neue Köstlichkeiten entdeckt, versteht schnell: San Sebastián ist nicht einfach eine Stadt mit Tapas – San Sebastián lebt seine Pintxos. Und vielleicht sind diese kleinen Happen tatsächlich der schmackhafteste Ausdruck baskischer Kultur.
„Tomaten spielen eine große Rolle“
Aber zurück an den St. Johanner Markt. Nicht nur beim Wein arbeiten sie im „Al Barro“ mit viel Engagement und sehr sorgfältig. „Tomaten spielen bei uns eine sehr große Rolle“, betont Oliver Kremers. Catalina bezieht diese aus einem Gewächshaus im Saarland und geht diese selbst von Hand pflücken. Pro Woche zwischen 30 und 50 Kilogramm, je nach Betrieb. Und diese werden täglich von Hand gerieben, das Wasser wird natürlich für andere Soßen gesammelt, und das reine Mus der frischen Tomaten kommt auf unsere Brote. Vermutlich hat es mir hier auch deshalb so gut geschmeckt! Ich bin überzeugt von dieser Tapasbar und habe ab sofort eine Adresse mehr am St. Johanner Markt, die ich öfter besuchen werde.
Natürlich habe ich mir gleich mehrere Tapas bestellt – so wie ich es in Spanien gelernt habe. Etwa – wie eben beschrieben – „Pan con Tomate“, also geröstetes Brot, Olivenöl, Knoblauch, geriebene Tomaten. Und Pintxo „Gilda“, das sind Oliven, Anchovis und grüne Peperoni. Genau mein Geschmack. Beim Essen fühle ich mich fast wie in San Sebastián. Da war ich übrigens Mitte der 1980er-Jahre zum ersten Mal – nach einem Besuch in Frankreichs Südwesten bei Kochlegende Michel Guérard. Danach fuhr ich nach San Sebastián und bin seither ein Riesenfan dieser Kochkultur.
Beliebte Delikatesse aus der Dose
Weiter geht es im „Al Barro“ mit „Gambas Mondo“, also Garnelen, Olivenöl, Knoblauch und Pimentos. Natürlich dürfen auch eine Dose Jahrgangssardinen 2022 (Bretonne) sowie Beurre de Isigny, Cornichons und Sauerteigbrot nicht fehlen, die ich ansonsten nur aus den besten Restaurants unserer Region kenne. Ja, es sind Sardinen aus der Dose. Und ja, sie haben einen Jahrgang: Mademoiselle Perle und Mademoiselle Lulu von La Perle des Dieux. Millésime 2017 bis 2024. Konserven sind in Frankreich und Spanien kein Notvorrat, sondern Delikatesse. Diese hier werden in Olivenöl gelagert und reifen weiter – wie Wein. Mit den Jahren werden sie weicher, runder, tiefer im Geschmack. Die Dosen werden jedes Jahr von einer anderen Künstlerin illustriert. Manche Gäste essen den Inhalt und behalten die Dose.
Das Essen im „Al Barro“ hat mich wirklich begeistert und überzeugt. Ich hätte nicht gedacht, solch eine außergewöhnliche Qualität in Saarbrücken zu finden. Dazu passt, was Oliver Kremers erzählt: „Die meisten unserer Produkte kaufen wir auf Plattformen, die in Europa nur kleine Händler bedienen. So auch unseren spanischen Schinken, den Pata negra. Er kommt aus dem spanischen Salamanca, und wir verkaufen die Woche hier etwa zehn Kilo. Wir haben beispielsweise auch Gäste, die in Ibiza wohnen und diesen Schinken bei uns kaufen und ihn mit nach Ibiza nehmen.“
Ja, so läuft das hier. Qualität ist eben Qualität! Noch ein Wort zum Thema Wein: Ihre Weine beziehen sie von Roberto Aiello, von Spieß aus Losheim und von der Winefactory. Auch hier dasselbe Prinzip: Nur Qualität zählt! So schmeckte mir hier der Wein auch! Mein Fazit: Das „Al Barro“ ist eine wirkliche Bereicherung für die Stadt Saarbrücken.