Die Yellowjackets haben bald fünf Jahrzehnte Jazz- und Fusiongeschichte mitgeschrieben und sich mehrmals verändert. Ihr Auftritt beschließt das dreitägige Jazzereignis „fill in – International Jazzfestival Saar“.
Zwei Grammy Awards, 17 Nominierungen, unzählige internationale Tourneen und mehrere Dutzend eingespielte Alben: Keine Frage, bei den vor allem als Fusionband bekannten Yellowjackets war einiges los in den vergangenen Jahrzehnten. Bald kann die in Los Angeles an der amerikanischen Westküste beheimatete Band ihr 50-jähriges Jubiläum feiern. Ob die Musiker in jungen Jahren eine solche Bühnenkarriere antizipieren konnten? „Nein, auf keinen Fall“, erinnert sich Russell Ferrante in einem Videointerview von Los Angeles aus. „Als wir anfingen, waren wir einfach junge Künstler, die ihre Musik einspielen und auf Tour gehen wollten. Seitdem ging es immer weiter. Es war ein großes Geschenk für uns alle.“
Ferrante spielte 1977 als 25-Jähriger mit Bassist Jimmy Haslip und Schlagzeuger Ricky Lawson in der Combo des Gitarristen Robben Ford. Aus der entstanden alsbald die Yellowjackets, nun mit Ford als Gast. Der erste Gig unter neuem Namen ging 1979 über die Bühne. Ferrante komponiert bis heute für das Repertoire, spielt Klavier, Keyboard und Synthesizer. Er hat buchstäblich die gesamte Bandgeschichte miterlebt. Für das Debüt „Yellowjackets“ von 1981 griff er in die Tasten und genauso für die neueste Einspielung „Fasten Up“ von 2025. Zwar zeichnet er für große Teile des Repertoires verantwortlich, legt aber Wert darauf, dass alle im Ensemble Stücke beisteuern und es in dem Sinne keinen Bandleader gibt.
Bob Mintzer mischt seit 1991 mit und formt an Saxofon und EWI (Electronic Wind Instrument) die Stücke und den Sound des Ensembles ganz wesentlich mit. Schlagzeuger Will Kennedy ist ebenfalls seit Jahrzehnten dabei. Der australische Bassist Dane Alderson folgte 2015 auf Felix Pastorius und ist damit das neueste Bandmitglied. Mit seinen 42 Jahren ist er der Jüngste im Bunde. Die Verschiebungen in der Gewichtung der stilistischen Einflüsse von R’n’B, Funk und Soul über Rock und Pop bis Straight Ahead Jazz haben nicht selten mit einer veränderten Zusammensetzung des Ensembles zu tun. Ferrante fasst das so in Worte: „Alle diese Einflüsse zirkulieren in der Band, und immer, wenn verschiedene Musiker sich uns angeschlossen haben, erlaubte das diesen Aspekten, mehr in den Vordergrund zu treten.“
Zwar spielt das Ensemble bis heute oft in der langjährigen Kernbesetzung als Quartett, hat sich aber gleichzeitig zahlreiche Kooperationen erschlossen und immer wieder musikalische Gäste eingeladen. So entstand eines der bis heute ungewöhnlichsten Repertoires: das 1991 als Album veröffentlichte „Greenhouse“, bei dem Vince Mendoza die Stücke für die gemeinsame Besetzung mit einem Streichorchester arrangierte. Beim North Sea Jazz Festival 1996 brachte das Quartett die Musik zusammen mit dem niederländischen Metropole Orkest auf die Bühne. Mit der seit 2016 von Bob Mintzer geleiteten WDR Big Band traten die vier ebenfalls bereits ab den 1990er-Jahren verschiedentlich live auf. Schließlich spielten sie ein für diese Kooperation arrangiertes Originalrepertoire ein, das 2020 veröffentlichte Album „Jackets XL“. „Wir haben sehr gern mit der WDR Big Band gearbeitet“, resümiert Ferrante. „Und ich denke, ich kann das schon sagen, wir planen eine weitere Einspielung mit ihnen in diesem Jahr. Wir freuen uns darauf und auf hoffentlich einige gemeinsame Livekonzerte im Jahr 2027.“