Sie begeistert mit ihren makellosen und atmosphärischen Beauty-Aufnahmen. Im Interview spricht Jennifer Többen aus Nordrhein-Westfalen über ihre Bilder und über Fotos im Herbst und gibt Tipps für Posen.
Liebe Jennifer, Du fotografierst Stars wie Peter Maffay oder Lili Paul-Roncalli und zahlreiche hochkarätige Models. Wie gestaltete sich Dein Weg dorthin, wie kamen die Kontakte zustande?
Mein Weg dorthin hat sich Schritt für Schritt entwickelt. Ich habe mich über viele Jahre intensiv mit Fotografie beschäftigt und dabei meinen eigenen Stil und meine Handschrift entwickelt. Gerade in der Beauty- und Porträtfotografie ist Vertrauen unglaublich wichtig. Viele Kontakte entstehen durch Empfehlungen, frühere Shootings und durch Menschen, die meine Arbeit sehen und sich genau diesen Look für sich wünschen. Dass daraus irgendwann auch Shootings mit bekannten Persönlichkeiten entstehen, ist natürlich etwas ganz Besonderes.
Mit welchen spannenden Aufträgen warst Du in der letzten Zeit beschäftigt?
In letzter Zeit durfte ich wieder sehr unterschiedliche Menschen vor meiner Kamera begrüßen – von bekannten Persönlichkeiten wie Johannes Oerding bis hin zu professionellen Models. Besonders spannend finde ich Aufträge, bei denen nicht einfach nur ein schönes Foto entstehen soll, sondern ein ganz bestimmtes Konzept, eine Stimmung oder eine Persönlichkeit sichtbar werden soll.
Warum hast Du Dich ausgerechnet auf Beauty-Porträts spezialisiert und nicht etwa auf Fashion- oder Streetstyle-Bilder?
Mich fasziniert das Gesicht. Ein Gesicht kann unglaublich viel erzählen, und gerade in einem Beauty-Porträt kann man mit Licht, Ausdruck, Farben und kleinen Details eine ganz besondere Wirkung erzeugen. Ich möchte Menschen nicht einfach nur fotografieren, sondern ihre Persönlichkeit und ihre individuelle Schönheit herausarbeiten.
Wie erzeugst Du den warmen und makellosen Look in Deinen Bildern?
Für mich beginnt dieser Look bereits beim Shooting. Licht, Haut, Make-up, Styling und die richtige Kameraeinstellung müssen miteinander harmonieren. Ich arbeite sehr bewusst mit Licht und achte darauf, dass die Haut weich und hochwertig wirkt, ohne ihre Natürlichkeit zu verlieren.
Und wie den tollen natürlichen Glow auf der Haut?
Der Glow entsteht vor allem durch das richtige Licht und eine gute Vorbereitung der Haut. Ich mag es, wenn Haut frisch und lebendig aussieht und nicht einfach nur stark retuschiert wirkt. Weniger ist dabei oft mehr.
Welches Licht benötigt man denn für makellose Beauty-Aufnahmen?
Das hängt immer vom gewünschten Ergebnis ab. Für Beauty-Aufnahmen arbeite ich gerne mit weichem, kon-trolliertem Licht, weil es die Haut sehr schön modelliert. Gleichzeitig kann man mit gezielt gesetzten Lichtquellen kleine Akzente setzen und dem Bild mehr Tiefe geben.
Worauf muss man beim Make-up für Fotos achten?
Das Make-up sollte die Person unterstützen und nicht überdecken. Besonders wichtig sind eine gut vorbereitete Haut und ein ebenmäßiger Teint. Gleichzeitig muss man darauf achten, dass das Make-up unter dem Licht natürlich aussieht. Was im Alltag dezent wirkt, kann vor der Kamera manchmal ganz anders erscheinen.
Worauf legst Du beim Bildaufbau und bei der Bildstimmung Wert?
Ich möchte, dass ein Bild eine klare Wirkung hat. Licht, Farben, Hintergrund, Ausdruck und Pose müssen zusammenpassen. Dabei versuche ich immer, nicht nur ein technisch perfektes Bild zu schaffen, sondern ein Bild, das etwas auslöst und im Gedächtnis bleibt.
Wie stark bearbeitest Du die Por-träts und welche Programme nutzt Du dafür – auch KI-Tools?
Ich bearbeite meine Bilder, aber mir ist wichtig, dass die Person weiterhin authentisch aussieht. Hautunreinheiten oder kleine störende Elemente dürfen natürlich korrigiert werden, aber ich möchte keinen Menschen komplett verändern. Für die klassische Bildbearbeitung arbeite ich mit professionellen Programmen wie Photoshop und Lightroom. KI sehe ich eher als zusätzliches Werkzeug und nicht als Ersatz für echte Fotografie.
Hast Du ein Faible für spezielle Model-Typen, Farben und Details?
Ich mag Menschen mit Charakter. Ein Gesicht muss für mich nicht einem klassischen Schönheitsideal entsprechen. Gerade besondere Gesichtszüge, interessante Augen oder eine starke Ausstrahlung können ein Bild unglaublich spannend machen. Bei Farben liebe ich es, wenn sie mit Haut, Styling und Licht harmonieren.
Welche Shootings waren für Dich bisher künstlerisch am anspruchsvollsten und warum?
Besonders anspruchsvoll sind für mich Shootings, bei denen eine genaue Bild-idee umgesetzt werden soll und viele Elemente gleichzeitig stimmen müssen. Das kann Licht, Styling, Make-up, Location und natürlich die Person vor der Kamera betreffen. Genau diese Herausforderungen machen für mich aber auch den Reiz aus.
Welche waren Deine aufwendigsten Shootings?
Aufwendig werden Shootings vor allem dann, wenn mehrere Personen aus verschiedenen Bereichen zusammenarbeiten und ein großes Konzept umgesetzt wird. Dann steckt hinter einem einzigen fertigen Bild oft sehr viel Planung, Vorbereitung und Teamarbeit.
Welche Deiner Bilder haben für Dich persönlich die schönste Geschichte?
Das sind für mich oft gar nicht unbedingt die technisch spektakulärsten Bilder. Besonders bleiben mir die Bilder im Kopf, bei denen während des Shootings ein besonderer Moment entstanden ist – ein bestimmter Ausdruck, eine Emotion oder ein Augenblick, den man nicht planen kann.
Hast du Lieblingsfotos oder Bildserien von Dir? Welche sind es und warum?
Ein Shooting, das mir besonders in Erinnerung geblieben ist, war kürzlich die Zusammenarbeit mit Peter Maffay und Johannes Oerding. Beide haben gemeinsam an einem Album gearbeitet, und ich durfte die fotografische Begleitung dieses Projekts übernehmen.
Das Shooting gehört für mich zu meinen Lieblingsshootings, weil dabei vieles zusammenkam, was ich an Fotografie liebe: starke Persönlichkeiten, authentische Momente, eine besondere Atmosphäre und gleichzeitig sehr viel kreative Freiheit. Gerade bei einem musikalischen Projekt wie diesem entsteht eine ganz eigene Bildsprache, die die Künstler und die Stimmung des Albums widerspiegeln soll.
Ich liebe es, wenn es in einem Shooting nicht nur darum geht, ein „schönes Bild“ zu machen, sondern wenn die Bilder eine Geschichte erzählen und etwas über die Menschen dahinter transportieren. Bei Peter Maffay und Johannes Oerding hatte ich das Gefühl, dass genau das möglich war, mit viel Raum für eigene Ideen, aber gleichzeitig mit einem klaren künstlerischen Kontext durch das Albumprojekt.
Genau solche Produktionen machen für mich Fotografie besonders spannend: Wenn Licht, Ausdruck, Persönlichkeit und eine gemeinsame kreative Vision am Ende zu Bildern verschmelzen, die sich authentisch anfühlen und trotzdem eine ganz eigene Ästhetik haben.
Wenn Du anderen von Deiner Fotografie und Deinen Shootings erzählst – welche besonderen Erlebnisse und Geschichten sind dann immer dabei?
Bei Shootings läuft natürlich nicht immer alles nach Plan. Manchmal spielt das Wetter nicht mit, manchmal entstehen spontane Ideen, die am Ende viel besser funktionieren als das ursprünglich geplante Konzept. Genau diese ungeplanten Momente machen viele Shootings letztendlich besonders und sorgen dafür, dass man noch lange darüber spricht.
Was waren für Dich die Highlights in Deiner Karriere?
Definitiv die Menschen, die ich fotografieren durfte, und die Entwicklung meiner eigenen fotografischen Handschrift. Dass ich heute mit bekannten Persönlichkeiten und professionellen Models arbeiten darf und meine Bilder gesehen werden, ist für mich eine große Wertschätzung meiner Arbeit.
Gibt es ein Wunschmodel, das Du gern einmal fotografieren möchtest? Wie würdest Du sie/ihn in Szene setzen?
Es gibt natürlich viele Persönlichkeiten, die ich gerne einmal vor meiner Kamera hätte. Besonders spannend fände ich jemanden mit einer sehr starken, unverwechselbaren Ausstrahlung. Ich würde versuchen, genau diese Persönlichkeit herauszuarbeiten und nicht einfach ein Standard-Beauty-Porträt zu produzieren.
Einige Deiner Fotos entstehen im Freien, zum Beispiel in herbstlichen Wäldern. Warum, denkst Du, übt der Herbst so eine Faszination auf uns aus? Was macht ihn für Dich persönlich so besonders?
Der Herbst hat eine ganz besondere Atmosphäre. Das warme Licht, die Farben und die ruhigere Stimmung geben Bildern eine emotionale Tiefe. Gerade für Porträts liebe ich diese Kombination aus warmen Naturfarben und Hauttönen.
Welche Motive bevorzugst Du in der kalten Jahreszeit?
Ich liebe natürliche Elemente wie Herbstlaub, Efeu, Bäume und verwachsene Strukturen. Sie geben einem Bild Tiefe und wirken gleichzeitig sehr natürlich. Besonders schön finde ich es, wenn die Umgebung nicht nur Hintergrund ist, sondern Teil der Geschichte des Bildes wird.
Wie belichtest Du outdoor, wenn das Licht nicht optimal ist?
Ich versuche zunächst immer, das vorhandene Licht optimal zu nutzen. Wenn es nicht ausreicht oder ich eine bestimmte Lichtwirkung erzielen möchte, unterstütze ich entsprechend mit künstlichem Licht. Entscheidend ist für mich, dass das zusätzliche Licht natürlich in die Umgebung integriert wird.
Auf welche Farben setzt Du diesen Herbst, auch bezüglich Make-up für Fotos?
Ich liebe warme, natürliche Herbsttöne: Beige, Braun, Creme, Rost, Bordeaux und gedeckte Grüntöne. Diese Farben harmonieren wunderbar mit dem natürlichen Herbstlicht und lassen sich auch beim Make-up sehr schön einsetzen.
Die meisten möchten ansprechende Fotos von sich, sind aber nicht posingsicher wie professionelle Models. Welche Posen sehen denn immer gut aus – sowohl für Ganzkörperfotos als auch für Porträts?
Das Wichtigste ist, nicht verkrampft zu stehen. Eine leichte Gewichtsverlagerung, eine entspannte Körperhaltung und kleine Bewegungen wirken meistens natürlicher als eine starre Pose. Bei Porträts kann schon eine leichte Drehung des Kopfes oder eine Veränderung des Blicks einen großen Unterschied machen. Ich leite meine Kunden beim Shooting deshalb genau an.
Hast Du Tipps für tolle Locations im Herbst?
Man muss gar nicht immer nach spektakulären Locations suchen. Ein schöner Wald, ein Park, eine alte Mauer oder ein Ort mit interessanter Architektur kann vollkommen ausreichen. Entscheidend ist, wie Licht und Umgebung miteinander funktionieren.
Wie schafft man eine besondere Bildstimmung?
Durch das Zusammenspiel aus Licht, Farben, Location, Styling und natürlich dem Ausdruck der Person. Für mich entsteht Stimmung dann, wenn all diese Elemente eine gemeinsame Sprache sprechen.
Dank Smartphone entstehen heute auch zu Hause hin und wieder tolle Porträts. Hast Du Tipps für schöne Beauty-Selfies?
Das Wichtigste ist gutes Licht. Ein Fenster mit weichem Tageslicht ist oft schon besser als eine starke künstliche Lichtquelle von oben. Außerdem sollte man die Kamera nicht zu nah ans Gesicht halten und einen ruhigen Hintergrund wählen. Und ganz wichtig: nicht zu stark bearbeiten. Ein schönes Selfie darf immer noch wie die eigene Person aussehen.
Egal, ob bei Werbeanzeigen oder bei Privatpersonen: Man wird momentan geradezu überschwemmt mit KI-Fotos. Denkst Du, dass es echte Fotografie in Zukunft schwer haben wird?
KI wird die Fotografie definitiv verändern. Ich glaube aber nicht, dass echte Fotografie dadurch verschwindet. Ein echtes Foto hält einen realen Moment mit einem realen Menschen fest. Die Kommunikation zwischen Fotograf und Model, die Emotion während eines Shootings und die gemeinsame kreative Arbeit kann KI nicht auf dieselbe Weise ersetzen.
Gerade deshalb glaube ich, dass Authentizität in Zukunft sogar noch wichtiger werden wird. Wenn künstlich erzeugte Bilder immer perfekter werden, bekommt ein echtes, glaubwürdiges Bild einen ganz besonderen Wert.