Der Erotik-Thriller „Basic Instinct“ machte Sharon Stone 1992 weltberühmt. Vier Jahre später war sie mit „Casino“ auf der Höhe ihres Ruhms. 2001 erlitt sie eine Hirnblutung, an der sie fast gestorben wäre. Mit eisernem Willen kämpfte sie sich zurück ins Leben.
Selten heizte eine Schauspielerin unsere erotischen Fantasien so an wie Sharon Stone als Eispickel-Mörderin Catherine Tramell in „Basic Instinct“. Bei einem Polizeiverhör schlug sie, in einem weißen Minikleid, ihre Beine übereinander und für einen Sekundenbruchteil sah man, dass sie darunter kein Höschen trug. Wie Sharon Stone später versicherte, wurde sie vom Regisseur Paul Verhoeven dazu verleitet – mit dem Versprechen, „man würde gar nichts sehen“ (Paul Verhoeven bestritt das übrigens immer vehement). Über Nacht machte dieses wollüstige filmische Katz- und Maus-Spiel die damals 34-jährige Sharon Stone zum Hollywood-Superstar, definierte sie aber auch als Schauspielerin, der es nichts ausmachte, vor der Kamera die Hüllen fallen zu lassen.
Jahre später räumte Sharon Stone auch mit ein paar Gerüchten auf: „Ich war nicht, wie oft berichtet wurde, die erste Wahl für Catherine Tramell, sondern die dreizehnte. Vor mir sagten Hollywoodstars wie Julia Roberts, Michelle Pfeiffer, Kim Basinger, Meg Ryan und Kathleen Turner ab, weil ihnen die vielen Nacktszenen zu schamlos und riskant erschienen. Und was viele auch nicht wissen: Für diesen Film bekam ich 500.000 Dollar Gage – Michael Douglas hingegen 14 Millionen. Aber ich bin immer noch sehr stolz auf den Film und meine Performance. Das war nämlich sehr gute Schauspielkunst“, meint sie mit einem süffisanten Lächeln.
Vielversprechende akademische Karriere
Mit Paul Verhoeven hatte sie schon zwei Jahre zuvor zusammengearbeitet, nämlich bei dem Science-Fiction-Film „Total Recall“ an der Seite von Arnold Schwarzenegger. Die Schauspielkarriere von Sharon Stone startete übrigens kurios. Woody Allen wählte sie unter 100 Bewerberinnen für seinen Film „Stardust Memories“ (1980) aus. In einer klitzekleinen Rolle lächelte sie in einer Traumsequenz, die im Zug spielt, den Hauptdarsteller (Woody Allen) an und drückte einen Kuss auf das Zugfenster. Im Filmabspann wurde sie als „Pretty Girl on Train“ bezeichnet. Dieser Kurzauftritt reichte allerdings aus, damit Regisseur Wes Craven sie unbedingt für seinen Horror-Film „Tödlicher Segen“ (1981) haben wollte. Der Anfang einer – zunächst sehr bescheidenen – Hollywood-Karriere war gemacht.
Zuvor arbeitete Sharon Stone bereits sehr erfolgreich als Model und verdiente bis zu 10.000 Dollar pro Tag. Das war 1977, als sie, wie ihre Professoren damals meinten, eine „vielversprechende akademische Karriere einfach wegwarf“. Sharon Stone erinnert sich: „Es stimmt schon, dass die Dozenten ziemlich sauer auf mich waren. Aber ich war eben schon in der Schule ein hochbegabtes Kind, das ein paar Klassen überspringen konnte. Mit 15 schickte man mich dann auf das Edinboro State College, wo ich drei Jahre später einen glanzvollen Master-Abschluss in Englischer Literatur machte. Doch das akademische Leben war nichts für mich. Ich war Anfang 20 und wollte einfach Spaß haben. Und dafür schien mir New York City der richtige Ort zu sein.“ An dieser Stelle sei erwähnt, dass Sharon Stone angeblich einen IQ von 154 hat – also auf Genie-Niveau.
Sharon Yvonne Stone wurde 1958 geboren und wuchs in Meadville in einer – wie sie selbst sagt – „ärmlichen Hillbilly-Gegend in Pennsylvania“ auf. Zusammen mit ihren drei Geschwistern hatte sie in einer dysfunktionalen Familie nicht gerade eine unbeschwerte Kindheit. Der Vater war als Werkzeugmacher oft überarbeitet und kümmerte sich wenig um seine Kinder. Die Mutter war unzugänglich und kaltherzig, wie Sharon Stone in ihren Memoiren „The Beauty Of Living Twice“ (2021) beschrieb. Das Schlimmste aber waren die sexuellen Übergriffe, die sie und ihre jüngere Schwester erleiden mussten. Vom Großvater mütterlicherseits wurden sie als kleine Mädchen mehrfach vergewaltigt. Als Teenager setzte sie sich nur allzu gerne ins College ab, erlitt aber mit 18 Jahren eine Fehlgeburt. Sharon Stone wird ernst: „Ich war – und bin – sehr hart im Nehmen. Mein Ziel war es immer, etwas für mich zu erreichen, worauf ich stolz sein konnte. Durch Zufall fing ich zu modeln an. Das war zwar ein lukrativer Job, hat mich aber bald nicht mehr ausgefüllt. Also bin ich nach Los Angeles gezogen, um dort mein Glück als Schauspielerin zu versuchen“.
In Hollywood nahm sie Schauspielunterricht bei Lehrern, die auch schon Brad Pitt, Robert Downey Jr. und Geena Davis unterrichtet hatten. Als talentierte und äußerst attraktive Jungschauspielern konnte sie schnell im Filmbusiness Fuß fassen. Von 1980 bis zu ihrem großen Durchbruch zwölf Jahre später mit „Basic Instinct“ spielte sie in heute längst vergessenen TV-Serien und Kinofilmen mit.
Musste wieder gehen und sprechen lernen
1995 wurde Martin Scorsese auf Sharon Stone aufmerksam. Er lud sie diverse Male zum Casting für seinen Film „Casino“ ein, war aber zunächst, wie auch sein Hauptdarsteller Robert De Niro, nicht wirklich überzeugt, dass sie die Rolle der drogensüchtigen, doppelzüngigen Luxusprostituierten Ginger, die schließlich an einer Überdosis stirbt, spielen konnte. Frustriert vom endlosen Vorsprechen rastete sie schließlich – in Gegenwart von Scorsese und De Niro – fürchterlich aus. „Das war alles andere als eine Show. Ich war von dem ewigen Hin und Her total enttäuscht und bin damals regelrecht explodiert“, erinnert sich Sharon Stone. „Den beiden hat das wohl sehr imponiert. Schließlich bekam ich die Rolle.“ Nach fünf Monaten Drehzeit für „Casino“ war Sharon Stone am Ende ihrer Kräfte. „Das war wirklich eine emotionale und physische Tour de Force. Danach musste ich mich erst einmal sammeln und wiederfinden. Wir Schauspieler gelten ja oft als egozentrisch, exaltiert und neurotisch. Aber wenn man für eine Performance über so lange Zeit sein Innerstes nach außen kehrt, kann man schon mal den gesunden Fokus aufs Leben verlieren. Aber das will ja eigentlich niemand wissen.“
1996 gewann sie für ihre Rolle in „Casino“ als beste Hauptdarstellerin einen Golden Globe und wurde für den Oscar nominiert. Nie strahlte ihr Stern am Himmel von Hollywood heller. Es ist schwer zu verstehen, dass sie nach „Casino“ keine guten Rollen mehr angeboten bekam. Natürlich drehte sie auch weiterhin Filme, aber der künstlerische und kommerzielle Erfolg blieb aus.
Sie ist auch als Malerin aktiv
2000 adoptierte sie, zusammen mit ihrem zweiten Ehemann, dem Journalisten Phil Bronstein, ihren Sohn Roan, zog sich aus dem Filmbusiness zurück und konzentrierte sich ganz darauf, Mutter zu sein. Ein Jahr später wurden ihr aus den Brüsten zwei gutartige Tumore entfernt. Danach ging Stone für eine Korrektur zu einem plastischen Chirurgen, der ihr bei einer OP ihre Brüste vergrößerte – ohne ihre Zustimmung. Ein Übergriff, der sie fassungslos machte. Ob der Chirurg mit Konsequenzen zu rechnen hatte, ist nicht bekannt. Kurz darauf erlitt Sharon Stone mit 43 Jahren nach einer massiven Hirnblutung einen Schlaganfall, den sie um ein Haar nicht überlebte. Volle zwei Jahre brauchte sie, um wieder gehen, sprechen und lesen zu lernen. Mit eisernem Willen kämpfte sich Sharon Stone wieder ins Leben zurück. Doch ihre glanzvolle Karriere als Hollywood-Star war zunächst einmal zu Ende. In den darauffolgenden Jahren nahm sie meist nur Gastrollen in TV-Serien oder Kinofilmen an. „Irgendwann hatte ich es dann einfach satt, permanent schlechte Rollen angeboten zu bekommen oder in mediokren TV-Serie meinen Kopf hinzuhalten. Also habe ich mich mehr und mehr auf mein Privatleben konzentriert.“ Die Ehe mit Bronstein ging allerdings 2004 in die Brüche. Doch schon 2005 adoptierte Sharon Stone – mittlerweile überzeugter Single – ihren zweiten Sohn, Laird, und ein Jahr später auch noch Sohn Quinn. Nach der Scheidung von Bronstein hatte sie einen weiteren Schicksalsschlag zu verkraften: Sie verlor vorübergehend das Sorgerecht für Roan. Angeblich war sie als Mutter nicht geeignet, da sie in Softpornofilmen mitspielte. „Das war natürlich einen glatte Lüge und hat mich damals tief verletzt.“ Mittlerweile hat sie aber das Sorgerecht wieder erlangt. In den letzten Jahren hat sie sich auch immer mehr ihrer anderen Leidenschaft, dem Malen, zugewandt. Und das mit großem Erfolg. Ihre Bilder verkaufen sich für zehntausende Dollar. Sharon Stone macht keinen Hehl daraus, dass sie auf das Schauspielern nicht mehr so hungrig ist wie früher, aber immer noch Lust auf außergewöhnliche Rollen in guten Filmen hat. Wie zu Beispiel in dem Thriller „Nobody 2“, der kürzlich im Kino lief. Da spielte sie, an der Seite von Bob Odenkirk, die skrupellose Chefin eines Gangster-Syndikats. „Ich habe die Rolle der Lendida sehr genossen, weil ich sie zu einer abgründigen Heldin gemacht habe, die auch dem Zeitgeist gerecht wird.“ 2026 werden wir Sharon Stone außerdem auch in der dritten Staffel der Drama-Serie „Euphoria“ wiedersehen.
Seit vielen Jahren engagiert sich Sharon Stone zudem für wohltätige Zwecke und hat für Obdachlose und HIV-Infizierte bereits durch viele Galas und Spendenaufrufe Millionen von Dollar gesammelt. „Berühmt zu sein und im Spotlight zu stehen, gibt dem Leben keinen Sinn. Menschen, die in Not sind, zu helfen sehr wohl“, meint sie dazu trocken. Für sie als überzeugte Buddhistin ist das höchste Gut, das wir in diesem Leben haben können, weder Geld noch Ruhm, sondern der eigene Seelenfrieden. „Und den finden wir nur, wenn wir mit uns selbst im Einklang sind. Ich meditiere täglich und mache lange Spaziergänge, was mir unheimlich guttut. Mittlerweile nehme ich es auch sehr gelassen hin, dass viele Leute noch große Schwierigkeiten haben zu akzeptieren, dass schöne Frauen auch intelligent und empathisch sein können. Die wichtigsten Eigenschaften, die ich bei einem Menschen suche, sind schon von jeher Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und Offenheit.“ Und mit einem vielsagenden Lächeln fügt sie dann noch hinzu: „Nichts ist so sexy wie emotionale Intelligenz.“