Moderne Wohnformen, nachhaltige Bauweise und ein familiäres Miteinander prägen das Konzept der Landhaus Seniorenwohngemeinschaften. Chantal Ostermann gibt Einblicke in die innovative Ausrichtung.
Frau Ostermann, Pflege findet nicht nur in klassischen Einrichtungen statt. Warum brauchen wir neue Wohn- und Pflegeformen?
Wir brauchen neue Wohn- und Pflegeformen, um dem stetig wachsenden Bedarf an Pflegeplätzen gerecht zu werden – und zwar nicht nur in Städten, sondern ganz besonders auch im ländlichen Raum. Gerade hier sind kleinere, flexible Einrichtungen gefragt, die sich harmonisch in gewachsene dörfliche Strukturen einfügen.
Gleichzeitig ist Flexibilität aus Betreibersicht entscheidend, um auf zukünftige Entwicklungen reagieren zu können. Eine der größten Herausforderungen bleibt die Gewinnung qualifizierter Fachkräfte. Deshalb kombinieren unsere Landhaus Seniorenwohngemeinschaften Pflegeangebote je nach Standort auch mit Betreutem Wohnen oder ambulant betreuten Wohngruppen. So entstehen wertvolle personelle Synergien.
Unser Ziel ist es, moderne Wohn- und Pflegeformen zu schaffen, die nicht nur den Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohner gerecht werden, sondern auch ein attraktives, zukunftsfähiges Arbeitsumfeld bieten.
Was zeichnet die Landhäuser als Wohnform für Seniorinnen und Senioren besonders aus?
Im Mittelpunkt steht eine familiäre, herzliche Atmosphäre – verbunden mit einem klaren Bekenntnis zu Nachhaltigkeit und Innovation. Schon beim Bau setzen wir auf ökologische Holzbauweise, und auch im laufenden Betrieb spielen Energieeffizienz, Müllvermeidung, Regionalität und Elektromobilität eine zentrale Rolle.
Die Digitalisierung unterstützt unsere Mitarbeitenden spürbar im Alltag. Moderne Pflegesoftware erleichtert die Dokumentation und schafft Freiräume – vor allem für das, was wirklich zählt: die Zeit für die Menschen.
Gleichzeitig sind unsere Landhäuser fest in ihrer Region verankert. Wir arbeiten eng mit Vereinen, Schulen und Kindergärten zusammen und greifen lokale Traditionen und Feste auf. Gemeinschaft wird bei uns großgeschrieben – sowohl innerhalb des Hauses als auch darüber hinaus. Unser Café ist ein offener Treffpunkt für Angehörige, Besucher und die gesamte Gemeinde.
Welche Vorteile bieten kleinere, wohnliche Strukturen für Pflegebedürftige?
Unsere Landhäuser sind bewusst überschaubar gestaltet: In einem modernen Holzbau entstehen 47 Einzel- und vier Partnerzimmer. Diese Größe schafft Nähe, Vertrautheit und eine persönliche Atmosphäre.
Bewohnerinnen, Bewohner und Mitarbeitende erleben das Umfeld als hell, freundlich und familiär – ein Ort, an dem man sich schnell zu Hause fühlt.
Wie verändern neue Wohnkonzepte den Alltag von Pflegekräften?
Moderne Technologien erleichtern den Arbeitsalltag erheblich. Digitale Pflegesoftware – etwa mit Tablet-Nutzung und Spracheingabe – reduziert den Dokumentationsaufwand deutlich. So bleibt mehr Zeit für den Menschen.
Ergänzt wird dies durch Telemedizin: Bei leichteren gesundheitlichen Anliegen können Bewohner per Videotelefonie ärztlichen Rat einholen. Gleichzeitig bleibt das persönliche Netzwerk aus Ärzten und Therapeuten ein wichtiger Bestandteil unserer Versorgung.
Außerdem schätzen unsere Mitarbeiter das sehr familiäre Miteinander, unsere gesundheitsfördernden Maßnahmen wie das gesunde Frühstück oder die „bewegte Pause“ mit kurzem Fitnessprogramm sowie die regelmäßigen Teambuilding-Maßnahmen und Feierlichkeiten.
Welche Bedeutung hat das soziale Umfeld mit Nachbarschaft, Gemeinde, Angehörige in solchen Wohnformen?
Das soziale Umfeld ist von unschätzbarem Wert. Gerade im ländlichen Raum sind Menschen oft tief in ihren Gemeinden verwurzelt – mit Familie, Freundschaften und Vereinsleben.
Ein Umzug in eine Pflegeeinrichtung ist daher häufig ein großer Einschnitt. Umso wichtiger ist es, Vertrautes zu bewahren. Wir binden gezielt lokale Akteure ein und fördern den Austausch zwischen Haus und Gemeinde. So bleiben Beziehungen erhalten und neue entstehen.
Generationsübergreifende Projekte mit Kindern und Jugendlichen schaffen zusätzlich Verständnis für das Älterwerden und wecken Interesse am Pflegeberuf.
Inwiefern tragen neue Wohnformen dazu bei, Pflege menschlicher und individueller zu gestalten?
Der Begriff „Gemeinschaft“ ist für uns zentral – und wird täglich gelebt. Viele Bewohnerinnen und Bewohner haben zuvor allein gelebt und erfahren nun wieder Nähe, Austausch und gemeinsame Erlebnisse.
Ob bei Mahlzeiten, Aktivitäten oder kulturellen Angeboten: Jeder kann teilnehmen, niemand muss. Rückzug und Ruhe sind ebenso selbstverständlich möglich.
Unsere Gebäude bieten dafür ideale Voraussetzungen: helle Zimmer, großzügige Gemeinschaftsflächen, ein Café für Begegnungen sowie zusätzliche Angebote wie Friseur oder Wellnessbad.
Im Kern steht jedoch immer der Mensch – mit seinen individuellen Bedürfnissen, Wünschen und Gewohnheiten. Achtsamkeit und Wertschätzung prägen unser tägliches Handeln.
Welche Rückmeldungen erhalten Sie von Bewohnerinnen, Bewohnern und Mitarbeitenden?
Die Rückmeldungen sind überwältigend positiv. Viele Bewohnerinnen und Bewohner berichten, wie schnell sie sich zu Hause fühlen, und schätzen die freundliche, hochwertige Umgebung – nicht selten fällt sogar der Vergleich mit einem Hotel.
Auch unsere Mitarbeitenden heben die angenehme Arbeitsatmosphäre hervor. Besonders geschätzt werden die kleinen Teams, der enge Kontakt zu den Bewohnern sowie die moderne Ausstattung. Hinzu kommt bei vielen der Vorteil kurzer Arbeitswege im ländlichen Raum.
Können solche Konzepte auch ein Beitrag gegen den Fachkräftemangel sein?
Jedes Landhaus schafft über 40 Arbeitsplätze – von Pflege und Betreuung bis hin zu Verwaltung und Technik – sowie neue Ausbildungsplätze vor Ort.
Wir setzen gezielt auf regionale Fachkräfte, fördern Quer- und Wiedereinstiege und Weiterbildung und begeistern junge Menschen durch Vernetzung und innovative Konzepte für den Pflegeberuf.
Die steigenden Ausbildungszahlen in der Pflege stimmen uns optimistisch. Gleichzeitig investieren wir bewusst in die eigene Ausbildung – für uns der nachhaltigste Weg, dem Fachkräftemangel zu begegnen.
Wie wichtig ist Innovation in der Pflege, gerade mit Blick auf den demografischen Wandel?
Der demografische Wandel stellt unser Gesundheits- und Sozialsystem vor große Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, heute schon neue Wege zu denken.
Technologien wie Telemedizin, digitale Pflegesoftware, KI-Lösungen oder perspektivisch auch robotische Unterstützung können dabei helfen, Pflege zukunftsfähig zu gestalten. Gleichzeitig braucht es passende politische Rahmenbedingungen, um Qualität, Wirtschaftlichkeit und gute Arbeitsbedingungen langfristig zu sichern.
Das sind echte Mammutaufgaben, denen wir uns als Betreiber aber gern stellen.
Was wünschen Sie sich für die zukünftige Entwicklung von Wohnen und Pflege in Deutschland?
Ich wünsche mir, dass jeder Mensch einen schönen Pflegeplatz in der Nähe seines gewohnten Lebensumfelds finden kann.
Unser Ziel ist es, in den kommenden zehn Jahren bis zu 100 Landhäuser zu realisieren – und damit einen Beitrag zu einer menschlichen, wohnortnahen und zukunftsfähigen Pflege zu leisten.