Der 1. FC Kaiserslautern hat zum Saisonauftakt beim Aufstiegsfavoriten VfL Wolfsburg nicht nur ein verdientes 0:0 erreicht, sondern auch den Nachweis erbracht, dass die Mannschaft defensiv bereits erstaunlich stabil ist. Nun wartet das Derby gegen den Karlsruher SC.
Der FCK begann die neue Zweitligasaison bei einem der großen Aufstiegsfavoriten mit Mut, Ordnung und jener Widerstandskraft, die einer Mannschaft gerade auswärts Punkte verschafft. Das torlose Remis beim Bundesliga-Absteiger war deshalb mehr als ein pflichtschuldig mitgenommener Zähler. Es war ein erster Hinweis darauf, dass die Lautrer in entscheidenden Bereichen weiter sein könnten als vor einem Jahr.
Der FCK versteckte sich nicht. Bereits nach sieben Minuten tauchte Naatan Skyttä gefährlich vor Wolfsburgs Torhüter Jakub Zielinski auf, brachte den Ball aber nicht an ihm vorbei. Noch deutlicher war die Gelegenheit wenig später: Jacob Rasmussen flankte präzise auf Simon Asta, der völlig frei zum Kopfball kam, das Tor jedoch verfehlte. In dieser Phase hätten die Gäste die Partie früh in ihre Richtung lenken können. Stattdessen kamen die Wolfsburger allmählich besser zur Geltung. Nach Distanzversuchen von Muhammed Damar musste Julian Krahl mehrfach eingreifen, Maxwell Gyamfi rettete gegen Fraser Hornby, ein Schuss von Hauke Wahl strich am Außenpfosten vorbei. Der FCK verlor zeitweise den Zugriff, aber nie seine Ordnung.
Gemischte Gefühle bei Hengen
Gerade darin lag die wichtigste Erkenntnis dieses Abends. Kaiserslautern überstand die stärkste Phase des Gegners, ohne hektisch zu werden oder seine Struktur preiszugeben. Nach der Pause befreite sich die Mannschaft und erspielte sich die beste Möglichkeit des zweiten Durchgangs. Mergim Berisha ließ Astas Zuspiel geschickt passieren, Skyttä lief beinahe frei auf Zielinski zu, scheiterte aber erneut am Wolfsburger Schlussmann. „Bei der ersten Chance ist der Ball vielleicht etwas an meinen Füßen hängen geblieben. Über die zweite Chance werde ich wahrscheinlich noch in der Nacht nachdenken. Aber insgesamt war unsere Leistung heute gut“, sagte der Finne anschließend.
Skyttäs Ärger stand sinnbildlich für die Gefühlslage der Lautrer. Ein Punkt beim nominell stärksten Kader der Liga ist ein Ergebnis, mit dem sich leben lässt. Angesichts der Qualität der eigenen Möglichkeiten wäre aber auch ein Sieg möglich gewesen. „Wenn wir vor dem Spiel gewusst hätten, dass wir hier ein Zu-Null-Spiel abliefern, dann wären wir mit Sicherheit recht zufrieden gewesen. Jetzt steigen wir mit etwas gemischten Gefühlen in den Bus, weil wir eben diese Top-Chancen hatten. Das wäre das i-Tüpfelchen gewesen. Ein Tor und ein Sieg, dann hätten wir das fast perfekte Spiel abgeliefert“, bilanzierte Torsten Lieberknecht.
Dass der Trainer vom fast perfekten Spiel sprach, hatte vor allem mit der Arbeit gegen den Ball zu tun. Noch in der vergangenen Saison fehlte dem FCK häufig die Fähigkeit, enge Begegnungen ohne Gegentreffer zu überstehen. In Wolfsburg verteidigte die gesamte Mannschaft aufmerksam, hielt die Abstände klein und ließ sich auch vom zwischenzeitlich ziemlich hohen Druck nicht auseinanderziehen. Geschäftsführer Thomas Hengen sprach von einer „Top-Abwehrleistung von allen“. Lieberknecht erkannte eine Weiterentwicklung gegenüber der Vorsaison.
Heisses Derby gegen den KSC
Zugleich blieb sichtbar, woran die Lautrer noch arbeiten müssen. Schon in der Vorbereitung hatte Lieberknecht die mangelnde Effizienz angesprochen. Auch in Wolfsburg fehlte jener konsequente Abschluss, der aus einer guten Leistung einen außergewöhnlichen Auftakt gemacht hätte. Ibrahim Kanate, der in der 66. Minute für Marlon Ritter kam, zwang Zielinski kurz nach seiner Einwechslung noch einmal zu einer Parade. Der FCK hatte genug getan, um gewinnen zu können, aber nicht genug getroffen, um tatsächlich zu gewinnen.
Hinzu kam die Unterstützung von rund 6.500 mitgereisten Anhängern, durch die sich der Auftritt zeitweise wie ein Heimspiel anfühlte. „Bei unseren Fans hatte ich heute Gänsehaut. Wie unsere Anhänger wieder Gas gegeben haben, das macht es halt aus. Und das macht uns am Ende auch stark“, sagte Klos. Die Verbindung zwischen Mannschaft und Tribüne war bereits am ersten Spieltag wieder spürbar. Am kommenden Wochenende wird diese Wucht noch einmal deutlich größer sein.
Schon am Samstag folgt das erste Heimspiel, und mit dem Karlsruher SC reist ausgerechnet der große Rivale auf den Betzenberg. Das Pfalz-Baden-Derby wird um 20.30 Uhr angepfiffen, das Fritz-Walter-Stadion ist ausverkauft. Nach der eindrucksvollen Unterstützung in Wolfsburg erwartet die Mannschaft eine Atmosphäre, die über ein gewöhnliches Zweitligaspiel hinausgeht. Geschäftsführer Hengen brachte die Stimmungslage auf den Punkt: „Darauf fiebern wir hin.“
Für den FCK wird das Derby zugleich zum nächsten Entwicklungstest. In Wolfsburg konnte er reagieren, Druckphasen aushalten und aus einer stabilen Defensive heraus seine Momente suchen. Gegen Karlsruhe wird vor eigenem Publikum stärker von ihm verlangt werden, das Spiel selbst zu prägen und seine Chancen konsequenter zu nutzen. Die Ausgangslage verändert sich: Aus dem Herausforderer, der beim Topfavoriten bestehen wollte, wird eine Mannschaft, von der auf dem Betzenberg Initiative und Durchsetzungsvermögen erwartet werden.
Lieberknecht kennt diese Erwartung und hat die Kampfansage des Gegners registriert: „Das Spiel gegen Karlsruhe ist natürlich etwas ganz Spezielles. Ich habe heute dem Trainer des KSC interessiert zugehört, der gesagt hat, dass sie das Spiel gewinnen wollen. Wir werden etwas dagegen haben und natürlich versuchen, das Spiel ebenfalls zu gewinnen.“ Es ist die angemessen nüchterne Ankündigung vor einer Begegnung, die rund um den Platz erfahrungsgemäß weit weniger nüchtern behandelt wird.
Damit ist die Richtung für die neue Woche vorgegeben. Der Punkt in Wolfsburg schafft Vertrauen, ohne die offenen Aufgaben zu verdecken. Die Mannschaft hat bewiesen, dass sie einem hoch gehandelten Gegner auf Augenhöhe begegnen und ein schwieriges Spiel kontrolliert überstehen kann. Nun muss sie zeigen, dass sie aus dieser Stabilität auch jene Entschlossenheit entwickelt, die Lieberknecht als „Killer-Moment“ bezeichnet.
Gegen Karlsruhe dürfte eine der vergebenen Chancen von Wolfsburg nicht folgenlos bleiben. Der Auftakt war beinahe perfekt. Das Derby bietet nun die Gelegenheit, das fehlende Tor nachzuliefern.