Der FCK hat die Länderspielpause genutzt – und meldet sich mit einem 4:1 gegen Holstein Kiel zurück. Ein Spiel, das durch Naatan Skyttäs Dreierpack geprägt wurde, aber auch durch die Klarheit, mit der Lautern die eigenen Stärken ausspielte.
Es waren erst zwölf Minuten gespielt, als sich abzeichnete, dass dieser Zweitliga-Nachmittag auf dem Betzenberg eine Richtung haben würde, die in den vergangenen Wochen nicht selbstverständlich war. Die ersten Minuten standen unter dem Eindruck des gemeinsamen Fanprotests, der die Lautstärke im Fritz-Walter-Stadion dämpfte – die Mannschaft nutzte die Stille, um das Spiel an sich zu reißen. Die frühe Führung war entstanden aus einer kuriosen Szene im Strafraum, einer Bogenlampe und einem verunglückten Klärungsversuch, und dem entschlossenen Abschluss von Naatan Skyttä, der zum 1:0 traf. Es war der Auftakt zu einem Nachmittag, der den FCK nicht nur punktemäßig, sondern auch atmosphärisch zurück in die Spur bringen sollte. Skyttä entschied das Spiel, noch bevor es richtig begonnen hatte. Der Finne schob in der 14. Minute eiskalt zum 2:0 ein, diesmal nach einem Steilpass von Semih Sahin, der ihn frei vor Jonas Krumrey auftauchen ließ. Der Offensivspieler machte an diesem Tag alles mit einer Selbstverständlichkeit, die nicht selbstverständlich wirkte. Später sagte er: „Der erste Hattrick meiner Karriere. Alles, was ich in der ersten Hälfte versucht habe, hat funktioniert. Ich habe mich bei der Kälte heute gut gefühlt. Es fühlte sich nach Zuhause an.“ Es war ein Satz, der das Spiel gut beschrieb: ein Lautrer Auftritt mit Schärfe, Risikobereitschaft und einer Konsequenz im Strafraum, die dem FCK zuletzt gefehlt hatte.
Kurz darauf wurde die Partie eine Spur unruhiger. Der Foulelfmeter, durch den Kiel auf 2:1 verkürzte, war umstritten. Maxwell Gyamfi ging nach einem tiefen Ball ins Laufduell und verstand die Entscheidung nicht: „Für mich war das ein normaler Zweikampf. Ich weiß nicht, auf welcher Grundlage da ein Elfmeter gegeben wurde.“ Entscheidend war, dass Lautern keine Sekunde brauchte, um zu reagieren. Das Team wankte nicht, sondern spielte den nächsten Angriff mit derselben Entschlossenheit, mit der es ins Spiel gestartet war. Es war ein Muster dieses Nachmittags: Kiel kam nicht heran, weil der FCK es nicht zuließ.
In der 37. Minute stellte Mika Haas den alten Abstand wieder her, als er einen abgefälschten Ball am zweiten Pfosten über die Linie drückte – ein Moment, der sich tief in seine persönliche Chronik einschreiben wird. „Unglaublich! Mein erstes Tor zu schießen, ist ein super Gefühl. Den Ball werde ich mir auf jeden Fall mit nach Hause nehmen“, sagte er später und ergänzte zu den Protestminuten: „Dass heute die ersten Minuten keine Stimmung gemacht wurde, wussten wir. Das hat uns aber nicht davon abgehalten, Vollgas zu geben.“ Der FCK spielte zu diesem Zeitpunkt, als wäre nichts anderes möglich.
Der Rest der ersten Halbzeit gehörte wieder Skyttä. Sein drittes Tor, ein Abschluss gegen den Innenpfosten und ins Netz, war der formvollendete Abschluss von 45 Minuten, die strukturell reifer, zielstrebiger und klarer wirkten als vieles, was Lautern in den Wochen zuvor gezeigt hatte. „Er ist ein Junge, der hier richtig Fuß gefasst hat“, sagte Torsten Lieberknecht über ihn und ergänzte mit einem Blick auf die Temperaturen: „Er hat bei bestem finnischen Sommerwetter eine starke Leistung gezeigt.“
Der zweite Durchgang begann mit einem Moment, der das Spiel hätte drehen können. Leon Robinson rutschte weg, Marcus Müller war frei, umkurvte Krahl – und setzte den Ball an den Außenpfosten. Es war der letzte Augenblick, in dem Kiel wirklich die Möglichkeit hatte, dieses Spiel spannend zu machen. Direkt danach sah David Zec wegen eines überharten Armeinsatzes gegen Marlon Ritter die Gelb-Rote Karte, und der Rest der Partie wurde zur positionssicheren Verwaltung eines Ergebnisses. Der FCK suchte weiter den Abschluss, Prtajin kam mehrfach in aussichtsreiche Positionen, und obwohl das fünfte Tor ausblieb, war das Spiel längst entschieden.
Debüt für Dion Hofmeister
Lieberknecht beschrieb später, was an diesem Nachmittag zu sehen war: „Wir sind sehr gut ins Spiel gekommen, haben sehr viele und gute Eins-gegen-eins-Situationen herstellen können. Offensiv und defensiv entwickelt sich dann so ein Spiel, in dem viele offene Räume da sind. Das geht einher mit einem gewissen Risiko. Aber genau dieses Risiko wollen wir eingehen, weil das unsere Stärke geworden ist.“ Diese Worte wirkten nicht einmal wie ein Rückblick, sondern wie eine Bestätigung: Der FCK hatte wieder zu jenem mutigen Ansatz gefunden, der ihn stark macht. Doch der Nachmittag lieferte mehr als Tore und eine klare Struktur. Er brachte ein sporthistorisches Ereignis hervor: das Debüt des erst 16-jährigen Dion Hofmeister. Als er in der 86. Minute eingewechselt wurde, wurde er zum jüngsten Spieler, der je ein Pflichtspiel für den FCK in der Bundesliga oder 2. Bundesliga bestritt. „Dion ist ein guter, ein bodenständiger Junge“, sagte Marlon Ritter. „Immer wenn er bei uns trainiert hat, hat er seine Sache richtig gut gemacht. Er marschiert richtig gut.“ Lieberknecht ergänzte: „Er ist ein klarer, sauberer Junge … ich wollte ihn belohnen, weil er in dieser Woche sehr, sehr ordentlich trainiert hat.“ Dass Hofmeister mit blanker Brust debütierte – ohne Sponsorenlogo, da er unter 18 ist – verlieh dem Moment eine zusätzliche Besonderheit. Am Ende stand ein 4:1, das nicht nur hoch ausfiel, sondern verdient war. Ein Sieg, der zeigte, wie sich eine Mannschaft nach einer mühsamen Phase bündelt. Ein Sieg, der die eigene Struktur stärkte. Und ein Sieg, der die kommenden Aufgaben in einem anderen Licht erscheinen lässt. Nächsten Samstag geht es nach Braunschweig – ein Spiel, das nun nicht mit der Last einer Serie, sondern mit der Klarheit einer Leistungsvorgabe angegangen werden kann.
Dieser Nachmittag hatte viele Motive. Skyttäs Effizienz, Haas’ Moment, Hofmeisters Debüt. Vor allem aber zeigte er, wie der FCK spielt, wenn er sich seiner Stärken wieder sicher ist. Ein Heimsieg, der Ordnung schaffte – sportlich, atmosphärisch, und vielleicht auch für das, was diese Hinrunde noch bereithält.