Die SVE gewinnt das direkte Aufstiegsduell gegen den SC Paderborn mit 5:1 und springt auf Platz zwei. Eine furiose erste Halbzeit entscheidet das Spiel. Die Spieler versuchen derweil, den Ball flach zu halten.
Es war eines dieser Spiele, in denen die Tabelle schon vor dem Anpfiff eine Geschichte erzählt. Vierter gegen Zweiter, Elversberg gegen Paderborn, ein direktes Duell im Kampf um den Aufstieg. Für die SV Elversberg war es nach dem 3:3 in Darmstadt die Chance, eine Antwort zu geben. Auf Zweifel, auf liegen gelassene Punkte, auf die Frage, ob diese Mannschaft den Druck der letzten Wochen tragen kann. Die Antwort fiel deutlich aus: 5:1. Zur Pause stand es bereits 4:0. Am Ende war die SVE neuer Tabellenzweiter.
Trainer Vincent Wagner hatte seine Startelf auf zwei Positionen verändert. Für den gelbgesperrten Kapitän Lukas Pinckert spielte Florian Le Joncour in der Innenverteidigung, rechts begann Jan Gyamerah für Felix Keidel, der nicht im Kader stand. Überraschend saß auch Bambasé Conté wieder im Aufgebot. Die wichtigere Nachricht aber lieferte die Mannschaft auf dem Platz. Elversberg begann nicht vorsichtig, sondern hellwach. Nach vier Minuten brachte Tom Zimmerschied die erste Ecke in die Mitte, Lukas Petkov verlängerte per Kopf, Maximilian Rohr köpfte zum 1:0 ein. Der frühe Treffer war der Dosenöffner, den Wagner später selbst benannte.
„Ich hatte heute das erste Mal das Gefühl, dass wir harmonisch anlaufen. Der Sieg in der Höhe ist schmeichelhaft. Wir hatten früh den Dosenöffner“, sagte der SVE-Trainer. Dieses harmonische Anlaufen war mehr als ein taktisches Detail. Es war der Schlüssel zu einer ersten Halbzeit, in der Elversberg den Gegner immer wieder unter Stress setzte. Paderborn suchte zwar eine Reaktion, kam durch Castaneda und Marino aber nur zu Ansätzen davon. Die SVE war klarer, entschlossener, effizienter.
Paderborn verlor Ordnung und Sicherheit
In der 17. Minute schlug Le Joncour einen langen Ball auf Lasse Günther. Paderborns Torhüter Dennis Seimen kam heraus, foulte Günther, doch der brachte den Ball noch zu David Mokwa. Der Stürmer schob ins leere Tor ein. „Wir waren alle voll fokussiert, das hat man auf dem Platz gespürt“, sagte Mokwa. Der Satz passte zu dieser Phase. Elversberg spielte nicht wild, sondern präzise. Die Mannschaft wirkte nicht überdreht, sondern bereit.
Paderborn verlor danach zunehmend Ordnung und Sicherheit. In der 28. Minute spielte Lukasz Poreba nach einem Fehler der Gäste einen starken Ball in die Tiefe, Lukas Petkov blieb frei vor dem Tor ruhig und traf zum 3:0. Kurz vor der Pause legte er nach. Wieder öffnete Elversberg den Raum hinter der Paderborner Abwehr, wieder war Petkov zur Stelle, wieder blieb er eiskalt. Mit seinem Doppelpack kam er auf 13 Saisontore und zog intern am im Winter zu Eintracht Frankfurt gewechselten Younes Ebnoutalib vorbei. „Unsere Intensität war heute einfach überragend. Wir haben den Aufstieg weiter in der eigenen Hand. Diese Liga ist einfach verrückt“, sagte Petkov.
Verrückt ist diese Liga tatsächlich. Schalke 04 stand durch den Elversberger Sieg vorzeitig als Meister fest. Hannover 96 kam gegen Schlusslicht Preußen Münster nicht über ein 3:3 hinaus. Paderborn fiel zurück. Und Elversberg, dieser Club, der auch in seiner dritten Zweitliga-Saison noch immer viele Vorstellungen sprengt, steht nun zwei Spieltage vor Schluss auf einem direkten Aufstiegsplatz.
Dass die erste Halbzeit nicht nur an Paderborner Schwäche lag, machte Amara Condé deutlich. „Was soll ich sagen?“, fragte er nach dem Spiel bei Sky und sagte dann: „Für mich war der ganze Auftritt heute sehr wichtig, speziell nach der letzten Woche. Wie wir heute gegen Paderborn, eine brutale Mannschaft, aufgetreten sind, war stark. Es war gut, dass wir gezeigt haben, wie Elversberg spielt.“ Genau das war der Kern dieses Nachmittags. Die SVE zeigte in einem Spiel mit maximaler Bedeutung ihre eigene Handschrift: mutig, aktiv, laufstark, sauber im Umschalten. Paderborns Trainer Ralf Kettemann fand dagegen harte Worte für seine Mannschaft. „Das war 45 Minuten eine beschissene Leistung von uns. Erklären kann ich das nicht“, sagte er. An anderer Stelle sprach er von „sehr schlechten ersten 45 Minuten“ und einem „blöden Zeitpunkt“.
Kettemann sucht nach Erklärungen
Es war der Blick eines Trainers, dessen Mannschaft in einem Schlüsselspiel früh den Zugriff verloren hatte. Trotzdem wäre es zu einfach, dieses 5:1 nur über den SCP zu erklären. Elversberg zwang den Gegner zu Fehlern und bestrafte ihn mit einer Konsequenz, die in dieser Saison nicht immer selbstverständlich gewesen war. Nach der Pause veränderte sich das Spiel. Paderborn kam offensiver aus der Kabine, brachte Okpala und Tigges für Müller und Götze. Elversberg hatte durch Immanuel Pherai zwar die erste Chance des zweiten Durchgangs, danach wurden aber die Gäste aktiver. Filip Bilbija scheiterte in der 56. Minute aus zehn Metern an Nicolas Kristof. In der 65. Minute fiel das 4:1: Calvin Brackelmann nahm einen langen Freistoß volley und traf aus spitzem Winkel ins kurze Eck. Kristof sah dabei nicht gut aus.
Kurz darauf hätte die Partie noch einmal unruhig werden können. Bilbija scheiterte aus kurzer Distanz am stark reagierenden Kristof, anschließend wurde Kennedy Okpalas Schuss aus wenigen Metern von Poreba auf der Linie geblockt. Es waren Minuten, die daran erinnerten, warum Wagner den Sieg in der Höhe als schmeichelhaft bezeichnete. Doch Elversberg überstand diese Phase. Die Mannschaft stabilisierte sich, ließ keine neue Dramaturgie entstehen und spielte den Vorsprung seriös über die Zeit.
In der Nachspielzeit setzte Raif Adam den Schlusspunkt. Nach Vorarbeit des ebenfalls eingewechselten Luca Schnellbacher traf er zum 5:1, seinem ersten Zweitligator. Kurz darauf sah Steffen Tigges nach einem Foul an Schnellbacher Gelb-Rot. Dann war Schluss, und die Tabelle hatte sich zugunsten der SVE gedreht.
Zwei Spiele bleiben. Zwei Siege reichen zum direkten Aufstieg. Am kommenden Sonntag geht es zu Fortuna Düsseldorf, danach wartet Preußen Münster. Theoretisch könnte Elversberg schon am nächsten Wochenende aufsteigen, wenn die SVE gewinnt und Paderborn gegen Karlsruhe sowie Hannover in Bochum patzen. Doch in Elversberg wissen sie, wie gefährlich solche Rechnungen sind.
Condé bremste deshalb bewusst. „Was es dann für ein Ausrufezeichen ist, sehen wir am letzten Spieltag“, sagte er. Und weiter: „Natürlich bin ich emotional und freue mich. Aber ich habe schon ein paar Jahre auf dem Buckel und weiß, dass im Fußball alles passieren kann. Man muss sich nur die Saison anschauen, oben wie unten. Jetzt noch zwei Wochen ballern und dann schauen wir, wo wir stehen.“ Sein wichtigster Satz folgte danach: „Man darf auf gar keinen Fall irgendwie in eine Lockerheit verfallen. Es ist einfach alles möglich.“
Auch Wagner weiß, dass dieser Sieg noch keine Vollendung ist. „Die ganze Rückrunde war reiner Kampf, reiner Krampf. Ich hoffe, dass wir es jetzt schaffen, die letzten zwei Spiele in die Harmonie zu kommen“, sagte er. Über die nächste Aufgabe meinte er: „In Düsseldorf wird es brutal schwer, aber wenn eine Mannschaft da bestehen kann, dann meine. Ich freue mich darauf.“
Es ist dieser Ton, der nach dem 5:1 bleibt: Stolz, aber keine Selbstgewissheit. Freude, aber keine Fahrlässigkeit. Elversberg hat Paderborn geschlagen, Schalke zum Meister gemacht und sich selbst auf Platz zwei gesetzt. Die Tür zur Bundesliga steht offen. Hindurchgehen muss die SVE noch selbst.